Feiern mit Brahms

Der Cellist Reinhold Buhl wird morgen 75

Die internationale Musikwelt feiert heuer den 175. Geburtstag von Johannes Brahms, die regionale den 75. von Reinhold J. Buhl.
Der Cellist, Konzertveranstalter und Mäzen wird am morgigen Mittwoch 75. Beide Jubilare sind dann im Herbst vereint: am 6. September gibt es in Buhls Musikhaus Marthashofen den Liederzyklus "Die schöne Magelone" von Brahms.

Das Brahms-Konzert wird das 87. sein, das Buhl im Grafrather Musikpavillon organisiert. Seit1996 gestaltet BuhI diese Kammermusikreihe und macht damit sich und jeweils rund 120 Zuhörern ein Geschenk. Seit zwölf Jahren gastieren im Musikhaus Marthashofen vor allem Musiker, die zur Alten-Musik-Szene gehören.




Seinen 75. Geburtstag feiert
morgen der in Grafrath lebende
Cellist und Konzertveranstalter
Reinhold J. Buhl (Foto: gr)


Reinhold Buhl gehörte seinerzeit selbst zu den Pionieren im Bereich der historischen Auffühungspraxis. 1933 in Mannheim geboren, nahm er mit zehn Jahren den ersten CelloIunterricht. 1953 ging Buhl an die Musikhochschule Mannheim,1956 war er Meisterschüler von Enrico Mainardi und wurde ein Jahr später beim ARD-Musikwettbewerb in München ausgezeichnet. In den folgenden Jahren war er Solocellist bei verschiedenen Orchestern, bis er diese Position von 1968 bis 1996 beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks einnahm.

Reinhold Buhl spielte unter Dirigenten wie Rafael Kubelik, Colin Davis, Lorin Maazel, Karl Böhm und Leonard Bernstein. Konzertiert hat Buhl in fast ganz Europa, in Japan und im Vorderen Orient. Zur historischen Aufführungspraxis fühlte sich Buhl schon in den 50er Jahren hingezogen: Damals war der Jubilar Gründungsmitglied der "Capella Coloniensis", einem Pionierensemble der historischen Aufführungspraxis.

Mit dem Musikhaus Marthashofen hat sich BuhI einen Lebenstraum erfüllt. Dabei hat Buhl, der bei den Konzerten auch immer wieder zum Cello greift, noch mehr zu bieten als einen akustisch erstklassigen Saal: historische Instrumente, wie sie im süddeutschen Raum nicht einmal in Museen zu finden sind. Von Anfang stand ein Wiener Hammerflügel von Conrad Graf aus dem Jahr 1827/28 zur Verfügung, es folgte unter anderem ein Flügel von Johann Baptist Streicher aus dem Wien des Jahres1870 - ein baugleiches Instrument hatte Johannes Brahms.

(Quelle: Süddeutsche Zeitung, 29. April 2008 / ink)
Kammermusik füllt immer mehr Konzertsäle
Neue Reihen in Puchheim und Germering / Orchester und Chöre würdigen Mozart und Schumann / Münchner Kammerorchester als Patenonkel

Die runden Gedenktage von zwei großen Komponisten, von Mozart (250. Geburtstag) und von Schumann (150. Todestag), beherrschten auch die Konzertprogramme in diesem Jahr im Landkreis.
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Das zehnjährige Bestehen seiner Kammerkonzerte in Marthashofen konnte der umtriebige Cellist Reinhold J. Buhl in diesem Jahr feiern. Zugleich gab es 2006 die 75. Veranstaltung und als Höhepunkt gleich zwei viel beachtete Konzerte des international renommierten Henschel Streichquartetts im Januar und im November.

Kammermusik ist zwar vielerorts auf dem Rückzug, doch sind die Zuhörerzahlen im Landkreis auf diesem Gebiet deutlich steigend: ...
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Auszug aus Süddeutsche Zeitung, 29.12.2006 - Klaus Mohr
Neue Farben und Klänge
Christoph Hammer und die Alte Musik


Pianist und Dirigent: Christoph Hammer

Christoph Hammer ist mehr als aktiv: Lehrauftrag an der Musikhochschule, Leitung der Neuen Hofkapelle München, Erforschung und Dirigat von Opern, Konzerte vornehmlich auf Hammerflügeln. Im Grafrather Musikhaus Marthashofen hat der Schondorfer etwa 70 Prozent der Konzerte mitbestritten. Auch in der 10. Saison ist Hammer dort zu hören. Wir sprachen mit ihm über seine Arbeit.


Interview: Reinhard Palmer - Süddeutsche Zeitung

SZ: Werden die Feinheiten der historischen Aufführungspraxis wahrgenommen?
Christoph Hammer: Auf jeden Fall. Die Leute sind zuerst von dem Klangbild überrascht. Und nach fünf Minuten hat sich das Ohr eingestellt. Die historischen Instrumente haben ein viel größeres Spektrum an Farben, an Charakteristik.

SZ: Geht es um Konservierung?
Hammer: Es dient dazu, Klänge wieder zu entdecken und damit umgehen zu lernen. Jede Zeit hat ihre Charakteristik, Atmosphäre, Mentalität und Klangsprache.

SZ: Dazu die Gründung der Neuen Hofkapelle München?
Hammer: Ja. Mein Ziel ist es, sie zu einem ständigen Barockorchester zu formieren, das für Qualität steht und vor allem für besondere Orchesterprojekte im Zusammenhang mit der bayerischen Kulturgeschichte zur Verfügung steht.

SZ: Wie kamen Sie zur Oper?
Hammer: Ich habe mir aus Neugier barocke Opern angesehen und mich gewundert, warum nichts von der eigenen Kulturgeschichte präsentiert wird. Ich habe dann mit einem Regieprojekt der Theaterakademie erstmals eine Münchner Barockoper wieder aufgeführt.Inzwischen dirigiere ich immer mehr an internationalen Häusern.

SZ: Steht da musikwissenschaftliches Interesse dahinter?
Hammer: Kulturhistorisches allgemein. Musik hat - wie andere Künste - ihre Charakteristik, die zu einem bestimmten Umfeld gehört. Damit sollte man sehr sorgfältig und bewusst umgehen.

SZ: Was ist das nächste Opernprojekt?
Hammer: Im Januar werden wir mit der Theaterakademie am Prinzregententheater eine Oper von Reinhard Keiser machen, und zwar "Fredegunda". Auch das eine Ausgrabung: Die Hamburger Gänsemarktoper von 1700 . Das war in München noch nie zu hören.

SZ: Was fasziniert Sie so am Hammerflügel?
Hammer: Der Hammerflügel wurde bereits um 1700 in Florenz erfunden. Erst in der Wiener Klassik hatte er seinen großen Durchbruch, als er eine Musik ermöglichte, die wir heute zu den großen Kulturgütern zählen. Die Klavierwerke der Klassik und Romantik sind unter den Klangeindrücken eines solchen Instruments entstanden. Und das ist einfach ein sehr spannendes Thema. Man müsste sehr viele Instrumente haben, um zu zeigen, wie vielfältig diese Klangidee war. Ein Hammerflügel braucht auch eine eigene Spieltechnik, die ihn zum Klingen bringt.

SZ: In Marthashofen spielen Sie nun Schubert und Dussek: Auf was für einem Instrument?
Hammer: Auf einem Originalinstrument von 1827 des in Wien damals berühmtesten Klavierbaumeisters Conrad Graf. Es hat fünf Pedale und einen Moderator-Zug. Damit sind Klangschattierungen möglich, die auf dem modemen Flügel nicht adäquat darstellbar sind. Dabei geht es nicht darum, historische Wahrheiten zu propagieren, sondern um Neugier, ums Wiederentdecken klanglicher Möglichkeiten.

SZ: Die Freiheit in Marthashofen ist dafür wohl nahezu ideal.
Hammer: Das ist ein Punkt. Was ich dort aber vor allem gerne mag, ist die familiäre Atmosphäre. Was Reinhold Buhl da als Einzelkämpfer geschaffen hat, ist einmalig.

SZ: Was sind Ihre nächsten instrumentalen Projekte?
Hammer: Ein großes Projekt in Südtirol mit Mozarts Zeitgenossen. Im September in Wien eine neapolitanische Barockoper von Leonardo Leo. Dann die Münchner Residenzwoche im Oktober: Unter anderem ein Hammerklavierkonzert und dann die in Kiew wieder entdeckten Motetten von Biber .

(Süddeutsche Zeitung, 29.6.2006 - Foto: SZ)
Zehn Jahre Musikhaus Marthashofen
Ein Konzertraum
und ein Lebenstraum


Hausherr und Cellist Buhl organisiert am Samstag sein 71. Konzert / Gastspiel des Henschel-Quartetts

Hausherr und Gäste: Cellist Reinhold J. Buhl hat international renommierte Interpreten nach Grafrath geholt, so zum Beispiel den Geiger Sigiswald Kuijken oder das Henschel Quartett, das am Samstag zu hören ist. "Dauergast" am Hammerflügel: Christoph Hammer.


Jubiläen gibt es heuer in der Musikwelt en masse: 250. Geburtstag von Mozart, 150. Todestag von Robert Schumann oder 100. Geburtstag von Dimitrij Schostakowitsch.

Ein ganz kleines Jubiläum kann 2006 auch der Landkreis beisteuern: Das Musikhaus Marthashofen wird zehn Jahre alt. 70 Konzerte hat es bislang gegeben, fast immer mit (inter)national renommierten Interpreten. Beispiel für den Rang des Hauses: Am Samstag gastiert das gefeierte Henschel Quartett.

Offiziell eingeweiht wurde das Musikhaus Marthashofen erst irn Herbst 1996 - doch Hausherr Reinhold J. Buhl will das ganze Jahr feiern. Buhl, 28 Jahre Solocellist beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, erfüllte sich mit dem Musikhaus einen Lebenstraum. "Schon lange bevor ich das Orchester mit 63 Jahren verließ, war ich auf der Suche nach einem Konzertraum". In Grafrath wurde Buhl fündig, fand in Marthashofen einen idealen Partner und in der Architektin Gerda Bentele eine aufgeschlossene Architektin, die ein unregelmäßiges, fünfeckiges Musikhaus für knapp hundert Zuhörer schuf. Die abgehängte Holzdecke aus Fichtenholz und das Ahorn-Parkett gewährleisten laut Buhl "eine schöne und harmonische Akustik".

Seit der Eröffnung des Musikhauses haben die Bewohner des Altenwerks Marthashofen und die Freunde klassischer Musik in Grafrath viele kleine Sternstunden erlebt. Von Monteverdi bis Henze reichten die Programme der Konzerte, zu Gast waren unter anderem die Sänger Martin Bruns oder Dominik Wörner, das holländische Quartett um den Geiger Sigiswald Kuijken oder der Amerikaner Christopher Stembridge mit seinem historischen Cembalo mit 19 Tönen je Oktave.

Mit historischen Instrumenten nach Marthashofen anzureisen, erinnert an die sprichwörtlichen Eulen und Athen. Denn Buhl stehen historische Instrumente zur Verfügung, die im südbayerischen Raum einmalig sein dürften. Musiziert wird auf Hammerflügeln von Conrad Graf, die ebenso zum Inventar gehören, wie der Pianist Christoph Hammer: seit Jahrzehnten mit Buhl befreundet, hat Hammer in Grafrath an die 50 Konzerte gegeben. Mittlerweile steht ein weiteres historisches Instrument parat: ein originaler Flügel von Johann Baptist Streicher (Wien 1870) aus dem Umfeld von Johannes Brahms. Und für die nahe Zukunft verspricht Buhl eine weitere Attraktion: Im Musikhaus soll ein französischer Flügel stehen, wie ihn auch Franz Liszt hatte.

Auf dem Streicher-Flügel spielt am Samstag (17 Uhr) Marga Scheurich Henschel im Klavierquintett fis-moll von Carl Frühling; das Henschel-Quartett ist außerdem zu hören mit Schostakowitschs Streichquartett Nr.8 c-Moll op.110 und Beethovens Streichquartett F-Dur op.18/1.

(Süddeutsche Zeitung, 10.1.2006 - Ina Kügler)
Große Resonanz für Kammermusik
Neue Abo-Reihe in Fürstenfeld / Alte Musik und glanzvolle Chorereignisse

Die erstaunlichste Entwicklung im abgelaufenen Jahr war sicher die Etablierung der "Fürstenfelder Konzertreihe" im Brucker Stadtsaal. Trotz generell sinkenden Interesses an der Kammermusik lockte die Reihe gleich zu Beginn über 600 Abonnenten an. Susanne und Dinis Schemann konnten das Konzept der schon über ein Jahrzehnt erfolgreichen "Gröbenzeller Konzertreihe" auf Fürstenfeldbruck übertragen. Deren persönliches Engagement, aber auch das genuine Gespür für musikalische Qualität und ihre professionelle Arbeitsweise dürften dafür verantwortlich sein.

Ein Einzelkämpfer mit großem Idealismus ist seit Jahren Reinhold J. Buhl, der im Rahmen seiner "Marthashofener Kammerkonzerte" in diesem Jahr das gesamte Klavier-/Cellowerk Beethovens mit dem Hammerklavierspezialisten Christoph Hammer zur Aufführung brachte.

Liederabende mit Anette Dusch (am Flügel Jan Philip Schulze) in der Steinerschule und mit Dominik Wörner in Marthashofen zählten zu den Höhepunkten in der Klassik.

An anderen Stellen im Landkreis ist die Klassische Musik dagegen im Rückzug begriffen: Die Stadthalle Germering bietet mit Ausnahme der stets ausverkauften Opernaufführungen fast kein Angebot in dieser Richtung mehr an. Bei den vor über 25 Jahren als Kammermusikreihe konzipierten "Meisterkonzerten" im Brucker Sparkassensaal wurde in den vergangenen Jahren die stilistische Bandbreite immer größer. Wegen sinkender Besucherzahlen wird die Reihe nun ab 2005 eingestellt.

Alte Musik spielt im Landkreis nach wie vor eine beachtenswerte Rolle: So gab es mehrere vom "FreiRaum"-Kulturverein organisierte Konzerte sowie einen berückenden Abend mit dem Bassbariton Michael Schopper in der neueröffneten Kulturwerkstatt am Olchinger Mühlbach (KOM) mit Liedern des Frühbarock. Auch Christian Brembeck, der rührige Eichenauer Organist und Konzertorganisator, präsentierte in der Roggenstein-Kapelle im Sommer wieder viel Alte Musik im zauberhaften Ambiente.

Die großen Chöre setzten besondere Glanzpunkte, so der Brucker Bach-Chor, der im Juli unter der Leitung von Gerd Guglhör mit einem Festkonzert in der Klosterkirche Fürstenfeld mit Gounods "Cäcilienrnesse" sein 50-jähriges Bestehen feierte.

(Süddeutsche Zeitung, 27.12.2004 / Klaus Mohr)
Zum Geburtstag
Das Musikhaus Marthashofen wird am 30. September 2004 acht Jahre alt, dh. die Seele des Hauses, der Saal, wurde an diesem Tag 1996 eingeweiht.

Es ist das jüngste Gebäude hier und als Gemeinschafts-Impuls von Marthashofen und dem Musiker Reinhold J. Buhl den Künsten, primär der Musik und der Therapie gewidmet.


Inzwischen haben bereits 58 Marthashofener Kammerkonzerte stattgefunden. In 2004 begeisterte u.a. ein überaus erfolgreicher Beethoven-Zyklus das hiesige Publikum sowie viele Menschen aus nah und fern.

Möge der große Zuspruch der Öffentlichkeit anhalten für viele weitere Konzerte und Projekte!

Marthashofen, den 29. September 2004

Reinhold J. Buhl                Günter Kaul