Tiefe Empfindung (23.10.10)
Romantik (23.10.10)
Seltene Kombination (5.6.10)
Höfische Noblesse (20.2.10)
Prachtvolle Klangfarben auf Broadwood-Flügel (16.1.10)
Ein Abend mit Franz Schubert (24.9.09)
Kernig-klarer Gesamteindruck (6.6.09)
Große Klarheit und melodische Kraft (28.2.09)
Lieder aus der Welt der Ritter (25.10.08)
Aura des Romantischen (25.10.08)
Ein charaktervoIler historischer Klang (29.6.08)
Klangliche Korrespondenzen (29.6.08)
Mit kräftigem Zugriff (29.3.08)
Üppiger Klang der Romantik (1.3.08)
Um OriginalkIang bemüht (20.10.07)
Spielerische Leichtigkeit (8.9.07)
Schubertiade mit doppeltem Handgemenge (23.6.07)
Pfitzner-Wochende (9.6.07)
Gäste mit Musik aus Russland im Gepäck (24.3.07)
Im Schatten von Beethoven (10.3.07)
Schule des Hörens (17.2.07)
Verschmelzung zu einem Instrument (3.11.06)
Aus Mozarts Schatten (10.9.06)
Expressiv und mit klanglicher Tiefe (1.7.06)
Stark im Ausdruckswillen (27.5.06)
Neue Klangwelten (25.2.06)
Eine Sternstunde (14.1.06)
Subtiler Klang von zwei Traversflöten (12.11.05)
Traversflötenduo glänzt mit erlesenen Suiten des Hochbarocks (12.11.05)
Romantische Chorlieder von "Voce animata" (23.10.05)
Schönklang mit Klavier (23.10.05)
Von leichter Hand (25.9.05)
Sänger sorgen im Musikhaus für neuen Ton (23.7.05)
Musikalische Delikatessen (23.7.05)
Seekrank - und doch glücklich (18.6.05)
Motivische Verklammerungen (21.5.05)
Lieder der Romantik beeindrucken (21.5.05)
Brahms im Originalton (7.5.05)
Im anmutigen Dialog mit zwei Streichern (9.4.05)
Vertiefung und Wiederholung (12.2.05)
Brillante Arpeggien und virtuose Cellopassagen (20.11.04)
Beklemmender Abschied (24.10.04)
Entdeckungen zum Staunen (26.9.04)
Mit großem Klang (24.7.04)
Ein Dutzend Variationen über Händel-Thema (19.6.04)
Energiegeladener Zugriff und lyrischer Ton (29.5.04)
Heiter und voll Leidenschaft (27.4.04)
Eloquenter Dialog und vorsichtige Balance (31.3.04)
Einfallreiches Spiel mit verteilten Rollen (1.3.04)
Präziser Ton mit viel Nachhall (23.2.04)
Orpheus-Duo sucht nach den Rarissima (18.7.03)
Artistennummer auf Cellosaiten (30.4.03)
Verantwortungsvolle Annäherung (7./8.9.02)
Instrumente - zu Gast in Marthashofen
Tafelklavier in Form einer liegenden Harfe
Musikhistorisch Interessantes
Carl Cannabich
Carl Frühling
Paul Klengel
Dimitrij Schostakowitsch
Tiefe Empfindung (23.10.10) Zum Seitenanfang
109. Konzert

Ein Liederabend in Marthashofen

Zwei Musikjubilare dieses Jahres standen im Mittelpunkt des Kammerkonzerts im Musikhaus Marthashofen am Samstag: Die großen Liederkomponisten Robert Schumann (200. Geburtstag) und Gustav Mahler (150. Geburtstag) wurden von Dominik Wörner (Bassbariton) und Masato Suzuki (Pianoforte) mit einem Liederabend geehrt. Das Ambiente mit einem überschaubaren Zuhörerkreis erinnerte ein wenig an die legendären Schubertiaden, zu denen sich Freunde des Komponisten versammelten, um die neuesten Werke zu hören. Der Sänger unterstrich diesen Eindruck noch dadurch, dass er, wie einst Schuberts Sänger Vogl auf einem berühmten Bild Moritz von Schwinds, sitzend die Lieder interpretierte, wodurch sich Musiker und Zuhörer auf der gleichen Ebene befanden. Je nach Entstehungszeit der Lieder kamen hier zwei verschiedene Wiener Flügel zum Einsatz, nämlich ein Instrument von Ignaz Bösendorfer aus dem Jahr 1841 und eines von Johann Baptist Streicher, datiert 1870.

Mit Schumanns "Liederkreis" op. 24 nach Texten von Heinrich Heine aus dem sogenannten "Liederjahr" 1840 begann das Programm. "Morgens steh ich auf und frage" gelang in relativ tiefer Lage beim Sänger kernig-sonor. Bei der zweiten Nummer "Es treibt mich hin" öffnete er die Dynamik zu einem Reiterrhythmus des Klaviers. Die kraftvolle Tongebung, die dadurch entstand, war jedoch stets auf ideale Weise ausbalanciert und weich im Gestus. Dem Gehalt des nächsten Liedes "Ich wandelte unter den Bäumen" angepasst, wählte der Sänger eine ganz verinnerlichte Klangfarbe, die er bei der Textstelle "und schlich mir ins Herz hinein" noch weiter zurücknahm. Der Klavierpart folgte der Singstimme kongenial durch zarten Ausdruck und harmonische Rückungen, die mit Mitteln der Harmonik einen zunehmend entrückten Charakter klanglich umsetzten. Absolut fesselnd war die Spannung aber auch in der folgenden Vertonung "Lieb Liebchen", in der ein ganz gebunden geführter Bogen des Sängers quasi in gleicher Spur vom Pianisten begleitet wurde. Dunkel schreitend in düsterem Moll begann das Schlusslied "Mit Myrten und Rosen", und bei der Aufhellung nach Dur hatte man beinahe den Eindruck, den Blumenduft riechen zu können.

Der Klavierpart folgt der Singstimme kongenial.

Für die "Vier ernsten Gesänge" op. 121 aus dem Spätwerk von Johannes Brahms wechselte der Pianist an den 1870 entstandenen Flügel. Diese Lieder hätten in der Interpretation von Dominik Wörner und Masato Suzuki auch "Vier strenge Gesänge" heißen können, denn die beiden Künstler hielten jeweils so exakt das Metrum durch, dass allein dadurch deutlich wurde, welche geradezu dämonische Ernsthaftigkeit Brahms diesen Liedern gegeben hat. Der profunde Klang, der aus der Stimme kam, hatte dabei seine vollkommene Entsprechung im Klavierton, so dass beide zu einer ganz untrennbaren Einheit verschmolzen, deren Prägnanz in der Abstimmung nur äußeres Merkmal sein konnte.

Nach der Pause gab es zunächst drei Lieder von Hans Rott, der Schüler Bruckners war und von Mahler hoch geschätzt wurde. Die langen Vorspiele exponierten bereits eine weit ausgreifende harmonische Sprache, die durch große Gesten und extrovertierte Haltung beim Sänger aufgenommen wurde. Mahlers "Kindertotenlieder" nach Texten von Rückert aus dem Jahr 1901 beschlossen das Programm. Singstimme und Klavierpart waren hier oft ganz eng verzahnt.

Das Konzert im Musikhaus Marthashofen war auch ein Beitrag zu den Feierlichkeiten "750 Jahre Wildenroth". Mit Blick auf den bevorstehenden Monat November kann man den Abend aber insbesondere auch als tief empfundene Auseinandersetzung mit menschlichen Grenzsituationen und dem Tod bezeichnen. Es war daher nicht verwunderlich, dass der Beifall, zum Schluss mit Bravorufen, immer erst nach einer Weile des Schweigens einsetzte.

Süddeutsche Zeitung, 26.10.2010 / Klaus Mohr
Romantik (23.10.10) Zum Seitenanfang
109. Konzert

Tief berührende Lieder der Romantik

Bei ihrem Liederabend im Musikhaus Marthashofen bedachten Dominik Wörner (Bassbariton) und Masato Suzuki (Klavier) Robert Schumanns 200. Geburtstag und Gustav Mahlers 150. Somit ging es vor allem um Beginn und Ende der Romantik. Das nachhaltig beeindruckende Konzert auf Klavieren von 1841 und 1870 war Teil des Jubiläums 750 Jahre Wildenroth.

Schumanns "Liederkreis" ging aus einer früheren Fassung der "Jungen Leiden" von Heines "Buch der Lieder" hervor. Es waren gerade auch schwermütige Momente, die Wörner nicht nur tonschön und einfühlsam sang, sondern tief berührend. Von profunder Tiefe bis tenoraler Höhe reicht seine weich timbrierte Stimme, aus lyrischen Momenten wechselte er nahtlos zu dramatischen.

Auch der Pianist verblieb keineswegs bei wogendem Melos und schwärmerischem Ausdruck, sondern trat auch mit Steigerungen zu herber Dramatik hervor. Die "Schöne Wiege meiner Leiden", Zentrum des Zyklus, erschien als dessen Höhepunkt. Lieder aus den "Myrthen", ebenfalls nach Heine, ergänzten die Schumann-Auslese. Wie ein Nachtgesang wirkte die "Lotosblume", "mit inniger Empfindung" schien das "Was will die einsame Träne" ausgedrückt, melancholisch gefärbt das Liebeslied "Du bist wie eine Blume", Motto des Konzerts.

Von Brahms, der wie kein anderer Schumann nahe kam, führte das Duo die "Vier ernsten Gesänge" des schon Todkranken vor. Vom übrigen Liedschaffen abweichend knüpft Brahms bei diesen todtraurigen Betrachtungen auch an Choräle an. Für Wörner waren die für eine tiefe Stimme gedachten Gesänge ideal. Zum teils als Drohung wirkenden Klavierpart fand er den fahlen Ton, mit dem er die Eitelkeit des Lebens anprangerte und nach eindringlicher, dabei leiser Klage von der Bitterkeit des Todes sanftergeben mit "O Tod, wie wohl tust du" endete.

Als Rarität erklangen Goethe-Lieder von Hans Rott, die den Einfluss von Brahms verrieten: das feinfühlig gestaltete "Über allen Wipfeln ist Ruh", das emphatische "Hoch auf dem alten Turme" und, mit jugendlichem Ungestüm, "Was hör ich draußen vor der Tür". Extrem selten begegnen Mahlers "Kindertotenlieder" in der Fassung für Bariton und Klavier. Es war ein besonderes Hörerlebnis, wie Wörner statt der gewohnten Klangfarben des Orchesters feinfühlig abschattierte. Und die Zugabe, Rotts "Abendglöcklein", war erfreulich unsentimental.

Münchner Merkur, 27.10.2010 / Arno Preiser
Seltene Kombination (5.6.10) Zum Seitenanfang
106. Konzert

Harfe und Violoncello harmonieren in Marthashofen

"Saiteninstrumente gezupft und gestrichen" lautete das Motto des Kammerkonzerts im Musikhaus Marthashofen am Samstag. Mit Harfe (Silke Aichhorn) und Violoncello (Hausherr Reinhold J. Buhl) waren dabei zwei Instrumente zu hören, die nicht allzu oft in dieser Kombination erklingen. Die Duo-Werke des Nachmittags wiesen der Harfe oft den Part des Basso continuo oder den des Klaviers zu. Im Gegensatz zur akkordisch-harmonischen Begleitfunktion der Harfe brillierte das Cello mit seiner sonoren Sanglichkeit als Melodieinstrument. Bei einigen Solo-Beiträgen stellte die Harfenistin sehr eindrucksvoll die große Bandbreite der klanglichen Ausdrucksmöglichkeiten ihres Instruments vor.

Mit einer Sinfonia für Violoncello und Basso continuo des Italieners Giovanni Battista Pergolesi wurde das Programm eröffnet. Sehr feinsinnig und weich im Klangcharakter, vor allem im Vergleich mit dem sonst meist zu hörenden Cembalo, geriet der Harfenpart im Eingangssatz (Comodo). Auf dieser Basis konnte sich das Cello wie bei einer kantablen Arie entfalten.

Durch die Synkopen entschlossen im Zugriff wirkte der ansonsten nicht zu rasche Allegro-Satz, während ausdrucksvolle Melodiebögen im Adagio zu schreitender Begleitung der Harfe zu vernehmen waren. Ein für die Entstehungszeit durch die überraschende rhythmisch-metrische Gestaltung geradezu wundersamer Satz war das Final-Presto, was auch der Grund dafür gewesen sein dürfte, dass Igor Strawinsky das Stück im 20. Jahrhundert im Rahmen seiner "Pulcinella"-Suite effektvoll bearbeitete.

Der Bogen der solistischen Harfenstücke spannte sich von Renaissance-Tänzen bis zu neuartigen Klangtechniken des 20. Jahrhunderts. Der volle, lang nachhallende Harfenklang und die klare Differenzierung verschiedener melodischer Ebenen überzeugten in einer Pavane von Antoine Francisque. Eine Elegie auf einen toten Schäfer eines zeitgenössischen französischen Komponisten beeindruckte später durch einzelne, aus der Quint-Quart-Grundierung hervorleuchtende Melodietöne und die Virtuosität, mit der imposante Steigerungsverläufe gestaltet waren.

In der zweiten Konzerthälfte erklang stilistisch ganz andere Literatur aus dem 19. und der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Ein Allegro agitato von Gioacchino Rossini stand zum Abschluss auf dem Programm. Auch wenn das original gesetzte Violoncello hier die führende Stimme bildete, war doch der Impetus eines singenden Opernprotagonisten nicht zu überhören. Mit Inbrunst und höchster Expressivität, aber auch mit schmelzender Sinnlichkeit, nahm sich Reinhold Buhl, sanft begleitet von Silke Aichhorn, der Leidenschaft dieser Musik an. Darin waren neben bezaubernden Kantilenen auch vitale Parlando-Einschübe enthalten. Zur Beruhigung der Gemüter ließen die Musiker auf den Applaus des Publikums noch ein Schlaflied aus Spanien als Zugabe folgen.

Süddeutsche Zeitung, 8.6.2010 / Klaus Mohr

Höfische Noblesse (20.2.10) Zum Seitenanfang
103. Konzert

Ein stimmiger Trio-Abend im Musikhaus Marthashofen

Bei Kammermusik müssen sich die beteiligten Musiker verstehen. Das gilt aber auch für die verwendeten Instrumente, insbesondere im Zusammenwirken mit den aufgeführten Werken. Dass in Marthashofen wunderbare Hammerklaviere stehen und erklingen, wissen die Musikfreunde. Beim Konzert am Samstag gesellte sich zum Hammerflügel von Michael Rosenberger (Wien um 1805), gespielt von Florian Birsak, eine Flauto traverso des Dresdners Carl August Gremser, auf der Dorothea Seel musizierte. Das Trio vervollständigte Hausherr Reinhold J. Buhl an einem Violoncello von Vincenzo Rugieri, im Jahr 1710 in Cremona entstanden.

Feinsinnig empfunden

Mit Joseph Haydns Trio in F-Dur Hob. XV:17 begann das Konzert. Eine kraftvolle Vorstellung des Themas auf dem Hammerflügel eröffnete den Kopfsatz (Allegro) mit silbrig-hellem, aber doch substanzreichem Ton. Ganz organisch übernahm die Flöte dann die Führung vom Tasteninstrument, das Cello unterfütterte den Klang im Bass. So entstand in herrlichem Zusammenspiel ein sehr klarer, oft auch pointierter Gesamteindruck, der feinsinnig empfunden war. Geschmeidig phrasierte die Flötistin ihre Kantilenen, mit vielen raschen Umspielungen umgarnte der Pianist ihre Linien, so dass eine lebensfroh-farbige Interpretation entstand. Auch das folgende Menuett begann der Pianist solistisch und formulierte hier schon die Klangvorstellung eines schwungvollen Musizierens mit höfischer Noblesse, was trotzdem nicht steif wirkte. Dem Cello kam hier eine doppelte Rolle zu: Einerseits war es profundes Bassinstrument, andererseits „konkurrierte" es mit zarten Kantilenen in höherer Lage immer wieder mit den anderen Oberstimmen.

Die eigentliche Entdeckung des Konzerts war aber die „Sonata da camera in D a tre stromenti" von Anton Filtz, der Cellist am Mannheimer Hof war und dessen Werke wesentliche Kompositionsprinzipien der Mannheimer Schule aufgreifen. Das Allegro moderato eröffnete eine vom Klavier begleitete kantable Cello-Melodie, wobei der Part des Streichinstruments hier sehr anspruchsvoll gestaltet war und das Spiel bis in hohe Lagen erforderte. Dem Eindruck gefälliger Musik im besten Sinn tat das aber keinen Abbruch: Der Cellist nahm sich wie selbstverständlich der Virtuosität an und kokettierte geradezu musikalisch gegenüber der Flöte mit seinem fundiert-samtweichen Ton. Aus dem gemeinsamen Musizier-Duktus des Trios ergaben sich zarte Echo- und Crescendo-Effekte. Sehr vital und munter war auch der zweite Satz (Allegro ma non troppo), der durch die zahlreichen, in gleicher Weise artikulierten Terzparallelen eine überzeugend positive Ausstrahlung entwickelte. Verbindendes Element war jeweils der Klavierpart, den Florian Birsak mit brillant-innigem Ton und hoher Sensibilität auch in den raschen Passagen erfüllte.
Nach der Pause folgten noch ein Trio von Johann Schobert sowie ein weiteres von Haydn. Viel Beifall und eine Zugabe zum Schluss.

Süddeutsche Zeitung, 23.2.2010 / Klaus Mohr


Prachtvolle Klangfarben auf Broadwood-Flügel (16.1.10) Zum Seitenanfang
102. Konzert

Zu Unrecht vergessene Werke gehören im Musikhaus Marthashofen zum Programm. Das sehr gut besuchte 102. Konzert bot ein Lehrstück für Freunde des Hammerklaviers. Christoph Hammer stellte als neue Erwerbung im Musikhaus einen von John Broadwood & Sons um 1812 in London gebauten Hammerflügel vor. Broadwood, der Beethoven so ein Instrument schenkte, erweiterte den Tonumfang 1794 auf sechs Oktaven. Er folgte damit einer Anregung des Komponisten Johann Ladislaus Dussek. Dessen Sonate f-moll op.77 bildete den Höhe- und Schlusspunkt des Konzerts.

Herrisch musizierte Hammer Akkorde und Modulationen des gemäßigten, aber energischen Allegro, verhalten das Menuett. Beim Adagio non troppo ma solenne betonte er das „feierlich", so dass „L'Invocation", der Titel von Dusseks letzter Sonate, als Ruf eines Kranken zu Gott überzeugte. Noch beim Rondo überschattete Tragik das kraftvolle tänzerische Element.

Das Konzert begann mit Beethovens zwölf Variationen über eine uns als Lied, „Tochter Zion, freue dich", bekannten Hymne aus Händels Oratorium „Judas Maccabäus". Der 26-jährige Beethoven meisterte dabei musikantische und kunstvoll-lyrische Aspekte. Die kostete Reinhold Buhl am Cello sanglich aus und Hammer mit perlenden Läufen sowie prägnantem, aber keineswegs hartem Anschlag. Gefiel der Klang des Hammerflügels in allen Lagen, so verband sich der Ton des Violoncellos musikalisch wohltuend mit ihm.

Prachtvoll wirkten die Klangfarben auch anderer Meister. Da steigerte Hammer das improvisatorische Element in Clementis Capriccio A-Dur mit heftigen Forte-Piano-Kontrasten im Tumult aggressiver Akkorde und lustvoller Arpeggien zu virtuosem Feuerwerk. Wiederum erinnerte er mit sanft-besinnlichen Passagen an eine Fantasie. Auch überraschte er mit einer Sonate des 21-jährig verstorbenen George Frederick Pinto. Allegro-Sätze umrahmen ein Adagio, das er von gefühlvollem Säuseln fern hielt.
Als Kuriosität spielte das Duo Kostproben aus Bearbeitungen des Cellisten Henry Joshua Banister von Werken Haydns: eine anmutige Kanzonette und unter anderem ein Zigeuner-Menuett mit effektvollen Rhythmen. Bei der Romanze aus Johann Nepomuk Hummels Sonate A-Dur wirkten tiefe Töne des Streich- zu hohen Tönen des Tasteninstruments und umgekehrt äußerst reizvoll.

Münchner Merkur, 19.1.2010 / Arno Preiser
Ein Abend mit Franz Schubert (24.9.09) Zum Seitenanfang
100. Konzert

Das 100. Marthashofener Konzert steht ganz im Zeichen des Wiener Komponisten

Das 100. Konzert einer Reihe ist ein überaus würdiger Anlass für ein Jubiläum, jedoch nicht zwingend auch für jubilierende Musik. 1996 initiierte Reinhold J. Buhl in seinem Musikhaus Marthashofen diese Kammermusikreihe, die er bis heute nicht nur künstlerisch betreut, sondern als Cellist auch immer wieder mitgestaltet. Franz Schubert gehört zu den festen Größen auf den Programmen, so dass es nahe lag, diesem Komponisten auch den Jubiläumsabend zu widmen.

Das Thema "Schwanengesang", in der Musik ein Topos für Werke, die kurz vor dem Tode eines Komponisten entstanden sind, wurde hier zum Motto. Um historischen Gegebenheiten Rechnung zu tragen, kamen zwei Flügel von Conrad Graf, der eine mit sechseinhalb, der andere mit sechs Oktaven Tonumfang und beide um1827/28 in Wien entstanden, zum Einsatz.

Sozusagen auch zum Inventar des Hauses gehört der Pianist Christoph Hammer, der den ganzen Abend spielte. Er war der Duopartner einerseits von Dominik Wörner (Bassbariton), andererseits von Ella Sevskaya (Klavier).

Eröffnet wurde der Konzertabend mit Schuberts aus dreizehn Gesängen bestehendem Liederzyklus "Schwanengesang". Auf die stete, fließende Bewegung baute Dominik Wörner seinen Legato-Klang in "Liebesbotschaft" auf und deklamierte so weich und dennoch klar verständlich, dass die Linie absolut bruchlos war.

Christoph Hammer unterstützte ihn am größeren Graf-Flügel sehr zuverlässig, wobei der Obertonreichtum des Instruments eine wunderbare Durchhörbarkeit ermöglichte. Fesselnd geriet der weitere Verlauf, dessen klangliche Realisierung eine beeindruckende Überhöhung des Notentextes mit sich brachte, so dass das Publikum vollkommen gebannt dem Verlauf folgte. Zwei weitere, frühere Schwangesang-Lieder Schuberts folgten dann in einer Aufteilung der Melodiestimme zwischen Dominik Wörner und Reinhold Buhl.

Etwas heller im Klang ist der kleinere Graf-Flügel, der in Schuberts vierhändiger Fantasie in f-moll verwendet wurde. Sehr verinnerlicht, quasi tastend gingen Christoph Hammer und Ella Sevskaya den Anfang an und arbeiteten sehr sensibel die vielen Details heraus. Der Kontrast zu kraftvoll-entschlossenem Zugriff in einem weiteren Abschnitt wirkte dadurch umso plastischer, ebenso wie die Rückkehr zum Anfang mit herrlich singender Oberstimme. Auch Schuberts Klavierduo "Lebensstürme" war mit einer großen klanglichen Farbpalette ein überzeugendes Beispiel für die charakterliche Vielfalt im Werk von Franz Schubert.

Der Schubert-Abend im vollbesetzten Musikhaus Marthashofen wurde mit dem ganz konzentriert von Reinhold Buhl und Christoph Hammer vorgetragenen Largo-Satz aus Chopins später Cellosonate beschlossen. Schon zur Schubert-Zeit trafen sich seine Freunde nicht nur zum Musizieren bei den "Schubertiaden", sondern auch zum Gespräch und kulinarischen Genüssen. Solche folgten anschließend auf Einladung des Sozialwerks Marthashofen im eigens aufgebauten Festzelt für alle Besucher.

Süddeutsche Zeitung, 27.10.2009 / Klaus Mohr

Kernig-klarer Gesamteindruck (6.6.09) Zum Seitenanfang
97. Konzert

Beethoven und Schubert

Alexei Lubimov gastiert zu einem Klavierabend im Musikhaus Marthashofen

Ein bei uns weitgehend unbekannter Meisterpianist aus der russischen Schule des legendären Heinrich Neuhaus gastierte am Samstag zu einem Klavierabend im Musikhaus Marthashofen: Der heute 65jährige Alexei Lubimov lebt abwechselnd in Moskau und Salzburg, unterrichtet an beiden Orten und spielt auf der ganzen WeIt. Auf das Programm seines voll besetzten Recitals in Marthashofen hatte er zwei aus der Gruppe der drei letzten Klaviersonaten Beethovens sowie Schuberts Folge aus vier Impromptus op. posth. 142 D 935 gesetzt. Als Instrument hatte er aus dem Bestand des Hausherrn Reinhold J. Buhl den Hammerflügel von Conrad Graf, Wien 1827/28, gewählt.

Mit Bedacht, dabei relativ frei im Tempo ging der Pianist das einleitende Vivace der Sonate in E-Dur op.109 an. Die dynamischen Unterschiede fielen nicht allzu groß aus, was einerseits dem Instrument, andererseits aber auch der Interpretationslinie des Pianisten zuzuschreiben war. Die Melodielinie arbeitete er hingegen deutlich heraus und setzte die Adagio-Einschübe kontrastierend ab. Dem kernigen Ton, der das Instrument wohl am stärksten von einem modernen FlügeI unterschied, verdankte das Prestissimo seine glasklare Struktur, obwohl der Klang nie trocken wirkte: Auch mit Pedalisierung blieb die Transparenz des Gesamteindrucks stets gewahrt.

Das Thema des mit 'gesangvoll' überschriebenen nächsten Satzes hatte eine wunderbar oberstimmenbetonte Melodie, die warm in der tonlichen Färbung geriet. In den Variationen wurden Passagen mit flinkem Non-legato-Anschlag, aber auch solche mit harmonischer Fülle, aus der eine Spielfigur zart herausleuchtete, hörbar. Der letzten Veränderung lag eine durchgehende Trillerfigur zugrunde, die für den rauschenden Klangeindruck mit verantwortlich war, der schließlich in eine vollkommen abgeklärt wirkende Coda mit den Akkorden des Satzbeginns mündete.

Beethovens Sonate in c-moll op.111 folgte. Dieses Werk erforderte einen deutlich zupackenden Anschlag, von dem schon die mit Impetus vorgetragenen, dramatischen Anfangsakkorde kündeten. Dennoch bestimmte nie kIangliche Härte, sondern lyrischer Gestus den Verlauf.

Nach der Pause interpretierte Alexei Lubimov Schuberts Impromptus D 935. Organische Spannungsbögen zeichnete der Pianist im ersten Stück in f-moll. Die freundliche Tonart B-Dur bildete die Basis für eine einprägsame Melodielinie im dritten Stück. Insgesamt sechs Variationen folgten, welche zwar jeweils den Bezug zum Thema erkennen ließen, aber dennoch eine je eigene Charakterisierung entfalteten. Robuste Energie, die durch die absolut synchronen Unisonopassagen noch gebündelt schien, zeichnete das Schlussstück aus.

Ein weiteres Impromptu als Zugabe war die Antwort des Pianisten auf den großen Beifall des Publikums im Musikhaus Marthashofen und die zahlreichen Bravo-Rufe.

Süddeutsche Zeitung, 9.6.2009 / Klaus Mohr


Große Klarheit und melodische Kraft (28.2.09) Zum Seitenanfang
94. Konzert

Reinhold J. Buhl (Cello) und Ella Sevskaya (Klavier)
spielen Werke von Mendelssohn in Marthashofen


Werke von Jubilaren stehen bei Reinhold J. Buhl in seinem Musikhaus Marthashofen oft auf den Programmen seiner Kammerkonzerte. Ihm gelingt es dabei meist, etwas andere Akzente zu setzen als sonst üblich. Die Musikwelt gedenkt heuer des 200. Geburtstages von Felix Mendelssohn Bartholdy. Am Samstag erkIangen in Marthashofen als Hauptwerke (neben drei "Liedern ohne Worte" für Klavier) die zwei Sonaten für Klavier und Violoncello, also Kammermusik in der kleinstmöglichen Besetzung. Am Violoncello des Füssener Geigenbauers Gedler (1756) war der Hausherr zu hören, am Wiener Pianoforte von Conrad Graf (1827/28) musizierte die ukrainische Pianistin Ella Sevskaya.

Am Anfang stand die Sonate in B-Dur op.45. Der Kopfsatz (Allegro vivace) begann mit einem kurzen Unisono, bevor sich die Partien teilten. Dem Cello kamen verstärkende Basstöne und immer wieder Kantilenen zu. Die Pianistin führte häufig, sorgte mit den Mittelstimmen aber auch für die notwendige Harmonisierung. Es zeigte sich dabei, dass diese lichte, obertonreiche Musik eine fragile Kunst ist, die von vielen kleinen Nuancierungen lebt, ohne dass sich die beiden Musiker in Details verloren hätten. Trotz der virtuosen Elemente, die in beiden Instrumenten zu finden waren, entstand doch stets der Eindruck von großer Ruhe beim Musizieren. Letztere sorgte für den angemessenen Ausgleich zwischen schlichter Kantabilitat und überbordender Leidenschaft.

Sorgsam in der musikalischen Gestaltung artikulierte sich auch das Andante, sodass der Hörer jeden Motivbaustein als ausdrucksvoIles Element wahrnehmen konnte. Im Schlusssatz (Allegro assai) stand trotz der zahlreichen ausgedehnten Arpeggien im Klavier die Virtuosität nie im Vordergrund.

Mendelssohns Sonate in D-Dur op.58 ist im Vergleich zur ersten Sonate das wesentlich häufiger gespielte Werk. Den Grund, die große Geste, konnte der Hörer gleich zu Beginn des Eingangssatzes durch den lichten, hymnischen Ausdruck wahrnehmen. Auch die weiteren Sätze waren von großer Klarheit und melodischer Kraft geprägt, sodass sich diese Komposition leicht den Zuhörern erschloss.

Die drei zwischen die beiden Sonaten gestellten "Lieder ohne Worte" folgten nicht nur einer Art "Tonartendramaturgie", sondern auch einer Zunahme an Extrovertiertheit. Im ersten Stück waren die Melodielinien in eine fließende Bewegung aus harmonischer Akkordbegleitung eingebettet. Das zweite ("Venetianisches Gondellied")zeigte imposante Steigerungsverläufe, und im dritten wurde, bei deutlich gesteigerter Bewegung, ein erregter Gestus hörbar.

Als Zugabe wurde noch Mendelssohns einziges "Lied ohne Worte" für Violoncello und Klavier op.109 gespielt. Der Cellist kostete in vollen Zügen seinen Primat und die glückseligen Kantilenen aus.

Süddeutsche Zeitung, 3.3.2009 / Klaus Mohr

Lieder aus der Welt der Ritter (25.10.08) Zum Seitenanfang
in intimer Musikhaus-Atmosphäre

91. Konzert

Brahms-Zyklus "Die schöne Magelone" interpretiert

Im Musikhaus Marthashofen führten Dominik Wörner (Bariton), Masato Suzuki (Klavier) und Wilhelm Pirzer (Sprecher) den vielen Besuchern die fünfzehn Romanzen "Die schöne Magelone" von Johannes Brahms mit äußerster Konzentration und Anspannung vor. Wünsche blieben nicht offen.

Brahms' einziger Liederzyklus ist vielschichtig. Der Dichter Ludwig Tieck (1797) geht bei dem Märchen "Die wundersame Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter von Provence" vom Roman von Veit Warbeck (1535) aus, der wiederum eine französische Sage bearbeitete. Für Tiecks lyrische Empfindungen fand Brahms den tief berührenden Ausdruck. Des Umfangs und der szenischen Wirkung wegen nannte er die Liedergeschichte "Romanzen".

Das intime Ambiente entsprach der Ritterroman-Musik besser als ein Konzertsaal. Zudem begegnen sich so gut aufeinander abgestimmte Interpreten selten. Wie immer war historische Aufführungspraxis verbindlich. Mit warm timbriertem Bariton gestaItete Wörner ein Piano zart, Steigerungen oder ein Forte mit kraftvollem Volumen, und das in hoher Lage. Im Verlauf des ZykIus entsprach er den einzelnen Liedern als eigenständigen Kompositionen und verdeutlichte vor allem auch deren jeweiligen Höhepunkt. Auch wechselte er agil bei "Sind es Schmerzen, sind es Freuden" von elegischer Ungewissheit des Verliebten zu jauchzender Freude. Gefiel sein Belcanto etwa beim Schlummerlied, begleitet von Tonmalerei (schwankende Zweige), so erhielt bei Magelones abendlicher Klage, "der Schatten steiget, und Dunkel zieht", das "Dunkel" sonores Gewicht. Stets machte er seine Rolle als ritterlicher Troubadour glaubhaft.

Der Pianist, der allen Angaben genau nachkam, entfaltete ohne Härte den üppigen Klang des Flügels von Johann Baptist Streicher (Wien 1870), wohlig besonders auch in tiefen Lagen. So begleitete er die Skala sängerischer Empfindung mit unterschiedlichen Arpeggien oder auch mit dem Rhythmus teils lebhafter Akkorde. Insbesondere auch bei den selbstständigen Vor-, Zwischen- und Nachspielen trat er mit virtuoser Bravour hervor. Wo Brahms sich der Oper nähert und etwa das Lied "Wie soll ich die Freude, die Wonne denn tragen" als Arie mit einer Stretta (Beschleunigung) beschließt, überzeugte er ebenfalls.

Pirzer wiederum, als Sänger bekannt, hielt sich beim Erzählen der Rahmenhandlung sehr zurück, was vornehm wirkte, passend zur mittelalterlichen Ritterwelt. Pathos und Sentimentalität vemeidend brachte er die fremdartigen märchenhaften Momente eindringlich zur Wirkung. So bannte er den Eindruck etwa eines Melodrams.

Münchner Merkur, 6.11.2008 / Arno Preiser
Aura des Romantischen (25.10.08) Zum Seitenanfang
91. Konzert

Brahms' "Schöne Magelone" in Marthashofen

Nur selten erklingt der aus fünfzehn "Romanzen" bestehende Liederzyklus "Schöne Magelone" von Johannes Brahms im Konzertsaal. Brahms schuf sein op.33 in den Jahren 1861 bis 1869 nach der "Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter von Provence", die Ludwig Tieck 1797 nach älteren VorbiIdem veröffentlicht hatte. Da die einzelnen Lieder nur im Zusammenhang mit der ganzen Erzählung als verbindendem Element zu einer Einheit zusarnmenwachsen, wird der Zyklus immer mit einem Sprecher, der die Zwischentexte rezitiert, aufgeführt.

Im Musikhaus Marthashofen war das Werk am Samstag mit dem Bariton Dominik Wörner, dem Pianisten Masato Suzuki am FIügel von Johann Baptist Streicher (Wien 1870) und dem Sprecher WiIhelm Pirzer zu hören.

Romantische Topoi

Die Geschichte lässt kaum einen romantischenTopos aus: Ritterlichkeit und Mystik, die Liebe zu einer schönen Frau, Naturgefahren und eine glückliche Fügung, die letztendlich zum positiven Ausgang führt, bestimmen ihren Verlauf. Nach einer kurzen Einführung durch den Sprecher eröffnete ein im frischen C-Dur gehaltenes Wanderlied ("Keinen hat es noch gereut") den Zyklus, wobei im ersten Teil punktierte Rhythmen, die den Rhythmus des Reitens nachzeichneten, und im zweiten Teil fließendes Melos zu hören waren. Der sonore Bariton Dominik Wörners vermittelte von Anfang an eine fesselnde Stimmung, die der Pianist durch seine kIangliche Präsenz und die Fähigkeit, Bögen nachzuzeichnen, noch unterstützte.

Diese Stimmung fing auch der Sprecher dadurch ein, dass er sorgsam im Sprechtempo variierte und damit verschiedenen Ausdrucksgehalt signalisierte. Seine modulationsreiche Sprache führte dazu, dass die Spannung durch die gesprochenen Abschnitte zwischen den Liedern nicht abfiel.

Im Verlauf der Romanzen lotete der Komponist ganz unterschiedliche Ausdrucksebenen aus, die der Sänger mit absolut beeindruckendem Nuancenreichtum und sängerischer Präsenz umzusetzen wusste. In "Liebe kam aus fernen Landen" entfaltete er wunderbar ruhige Spannungsbögen, die vom KIavier zart umspielt wurden. Dominik Wörner überzeugte durch SchönkIang und eine gleich mühelose Ansprache der Stimme im gesamten Ambitus. Im Lied "Verzweiflung" wurde die Erregung durch große, aber stets souverän beherrschte Lautstärke umgesetzt. Die Kraft wurde dann allmählich ganz organisch zurückgenommen. Der choralhafte Gestus des Schlussliedes "Treue Liebe dauert lange" gelang in perfekter Abstimmung beider Partner.

Schon an der Schwelle zur Pause löste sich das Publikum nur schwer aus der mystischen Versenkung in vergangene Zeiten. Mehr noch traf dies auf das Ende zu, als sich der Beifall zunächst nur eher verhalten entwickelte, dann aber kaum mehr enden wollte - als schönes Abbild einer echten Sternstunde.

Süddeutsche Zeitung, 29.10.2008 / Klaus Mohr
Ein charaktervoIler historischer Klang (29.6.08) Zum Seitenanfang

Anlässlich der gelungenen Restaurierung eines Hammerflügels und eines Violoncellos, die nun den Bestand des Musikhauses Marthashofen bereichern, fand ein Kammerkonzert als Matinee statt.





(Foto: Voxbrunner)

Den zierlichen, von Michael Rosenberger um 1805 in Wien erbauten Hammerflügel stellten Ella Sevskaja und Christoph Hammer vor. Sie spielten die Sonate B-Dur KV 358 des 18-jährigen Mozart. Rigoros, dann wieder sanft musizierten sie das Eingangsallegro, mit sanglichem Empfinden das Adagio, schwungvoll das Molto presto mit seinen Akkorden. Der an Obertönen reiche Hammerflügel beeindruckte in allen Lagen. Mit seinen kräftigen wie auch zarten Tönen gelang dem Duo eine keineswegs verzärtelte Mozart-Wiedergabe.

Reinhold J. Buhl, der Hausherr, stellte nun das Cello vor, gebaut 1756 von Johann Anton Gedler in Füssen. Dann spielte der Cellist mit Dorothea Seel (Traversflöte) und Hammer das Klaviertrio D-Dur Hob. XV:16 von Joseph Haydn, um 1790. Zum beschwingten Spiel des Pianisten als dominierendem Part entlockte er dem Cello schon zu Beginn des Eingangsallegro volle kantable Töne. Duettierte die Flötistin lebhaft mit Hammer, so trat auch Buhl bei der zunehmend komplizierten Durchführung und Reprise mit geschmeidigen Passagen hervor.

Beim Andantino piuttosto allegretto, das einem Variationssatz ähnelt, ergänzten sich anmutig spielende Flötistin, gefühlvoller Cellist sowie perlende Läufe und Triller beherrschender Pianist. Ohne Pause schlossen die Musiker ein betont schnelles Vivace assai an. Einmal mehr ließ sich charaktervoIler historischer Klang statt des glatten modernen erleben.

Im offenen Programm war eine Kostprobe aus Haydns damals,1790, komponierter 49. Klaviersonate Es-Dur willkommen. Rebecca Maurer aus Nürnberg gestaltete das Adagio cantabile mit den teils dramatischen Arpeggien ernst und gewichtig. Bei Donizettis Sonate duettierten Flötistin und Pianist launig, das opernhafte Stück verriet den späten Klassiker. Den Zusammenklang der beiden neuen Instrumente erprobten Buhl und Hammer bei Beethovens nachgelassener einsätziger Sonate. Empfindungsvoll zeigten sie sich für den sanglichen Gehalt, eine Stärke der Hammerflügel.

Den langsamen Satz der Sonate von Joseph Wölfl, Schüler Leopold Mozarts und Michael Haydns, ließen Buhl und Sevskaja als elegisch erkennen. Weitere klangliche Nuancen entlockte Frau Sevskaja dem Hammerflügel, als sie Mozarts anmutige Variationen über "Ah! vous dirai-je, maman" (Morgen kommt der Weihnachtsmann) in ihrer rhythmischen Vielfalt vorführte.

Münchner Merkur, 5./6.7.2008 / Arno Preiser
Klangliche Korrespondenzen (29.6.08) Zum Seitenanfang


Neue Originalinstrumente
in Marthashofen


Klangliche Korrespondenzen

Festliches Konzert für einen Hammerflügel und ein Cello /
Christoph Hammer und Reinhold Buhl


Zu einem Mekka der Originalinstrumente entwickelt sich immer mehr das Grafrather Musikhaus Marthashofen: Seit vergangener Woche kann Hausherr Reinhold Buhl einen Hammerflügel von Michael Rosenberger (Foto: Günther Reger) sowie ein Cello des Füssener Geigenbauers Gedler für Konzerte zur Verfügung stellen. Beide Instrumente hat Buhl aufwändig restaurieren lassen. In Marthashofen gibt es bereits zwei Hammerflügel aus den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts (diese Instrumente stammen aus der Werkstatt des Wiener KIavierbauers Conrad Graf) und einen Flügel, wie ihn Johannes Brahms besessen hatte.

Das Konzert im Musikhaus Marthashofen am Sonntag war ein besonderes Ereignis, weil kein ausübender Künstler und nicht einmal ein Komponist der Star war. Die Aufmerksamkeit galt zwei Instrumenten, einem zwischen 1800 und 1810 entstandenen Hammerflügel von Michael Rosenberger (Wien) und einem Cello des Füssener Instrumentenbauers Johann Antonius Gedler aus dem Geburtsjahr Mozarts (1756). Reinhold J.Buhl konnte beide Instrumente erwerben und hat sie restaurieren lassen, so dass sie zukünftig den edlen Bestand an historischen Instrumenten in Marthashofen ergänzen und bereichern werden.

Der auch äusserlich ansprechende Hammerflügel erklang an diesem Tag mit Musik der Wiener Klassik, für die er ursprünglich gedacht war. Mit Mozarts Sonate für Klavier vierhändig in B-Dur KV 358 begann die Matinee. Als Pianisten waren Christoph Hammer und Ella Sevskaya zu hören. Gleich zu Anfang fiel im raschen Kopfsatz die silbrig glitzernde Höhe auf, die in wunderbarem Dialog zu den markanten Bässen stand. Die Begleitfiguren dazwischen gerieten perlend und fügten sich ebenso plastisch wie transparent in den Gesamtklang ein. Die feine, geradezu filigrane Toncharakteristik ließ, durch die präzise Ansprache verstärkt, eine ganz differenzierte Phrasierung zu und ermöglichte auch noch ein weites Spektrum für die dynamische Entwicklung. Im ruhigen Mittelsatz legte die Pedalisierung einen zarten Begleitschleier unter die kantable Melodie und klar akzentuiert sowie mit prägnanten Tonrepetitionen beschloss der Finalsatz das Werk.

Ganz andere Qualitäten des Hammerflügels waren im Trio für Klavier (Christoph Hammer), Flöte (Dorothea Seel) und Violoncello (Reinhold Buhl) Hob. XV:16 von Joseph Haydn bestimmend. Hier zeigte sich, wie erfüllend das Cello die Aura des Basstons erweiterte. Gleichzeitig korrespondierte der warme Ton der hölzernen Traversflöte wie selbstverständlich mit der Oberstimme des Klaviers. Die klangliche Ausgewogenheit, die die drei Instrumente miteinander fanden, und der Grad ihrer Verschmelzung offenbarten einen wunderbaren Einblick in die (zu vermutende) KIangvorstellung, die zur Haydn-Zeit für die kompositorische Arbeit bestimmend gewesen sein dürfte.

Auf die Möglichkeiten, die Melodie am Flügel reich auszuzieren und damit den Ausdruck zu intensivieren, wies Rebecca Maurer, die dritte Pianistin dieses Konzerts, mit einem langsamen Satz aus einer Haydn-Sonate hin. Breiteren Raum für den schönen Cello-Ton räumte ein sehr stimmig interpretierter Klaviertriosatz von Beethoven den Musikern Christoph Hammer, Barbara Burgdorf (Violine) und Reinhold Buhl ein.

Großen Beifall gab es wohl auch für die Musiker, mehr aber noch für die herrlichen "neuen" Instrumente.

Süddeutsche Zeitung, 2.7.2008 / Klaus Mohr
Mit kräftigem Zugriff (29.3.08) Zum Seitenanfang
87. Konzert

Zwei Premieren gab's beim 87. Marthashofener Kammerkonzert. Erstmals gastierten im Musikhaus Solisten aus verschiedenen Münchner Orchestern. Ebenso erstmals war in dieser Konzertreihe die Oboe zu hören.

Das Kammerkonzert begann mit einem Werk von Bernhard Henrik Crusell, der,
13-jährig Mitglied einer Militärkapelle und 18-jährig (1793) Erster Klarinettist der Hofkapelle in Stockholm, der Bläsermusik mit Leib und Seele zugetan war. In jeder Wendung seines Divertimento C-Dur op.9 (1823) war es zu spüren. Beim Eingangsallegro erinnerte die von Uwe Matthias Stransky (Oboe) beredt vorgeführte Melodik auch an Haydns oder Mozarts beschwingten Klang. Aufmerksam begleiteten Michaela Buchholz und Christiane Stransky (Violine), Clarissa Miller (Viola) und Hausherr Reinhold J. Buhl (Violoncello). So konnte der Oboist das Andante und das Poco Adagio sanglich entfalten. Mit Allegro- und Allegro-vivace-Passagen rundete das Ensemble das Divertimento unterhaltsam ab.

Später kam Crusells Zeitgenosse Anton Reicha mit dem Quintett F-Dur op.107 zu Wort. Dass der Flötenvirtuose als Komponist die Tradition böhmischer Bläsermusik und Einflüsse der Wiener Klassik verbindet, machte den Reiz des Quintetts aus. Wie beim spielfreudigen, doch keineswegs übereilten Allegro führte der Oboist beim Andante siciliano die nun elegische Melodie. Dazu kontrastierten das energisch musizierte Menuett und das Schluss-Vivace.

Den Oboenquintetten standen Streichtrios von Ludwig van Beethoven und Franz Schubert gegenüber. Beethovens Trio Es-Dur op.3 beginnt mit einem Allegro con brio. Die Interpreten fassten es musikantisch auf. Neben kräftigem Zugriff gestalteten sie leise Passagen, wo sie noch zwischen piano und pianissimo unterschieden, geheimnisvoll, dabei mit einem beunruhigenden Moment, worin sich der junge Beethoven vom Vorbild Mozart absetzt. Im Trio des schwungvollen ersten Menuetts setzte der Cellist mit pochendem Pizzicato Zeichen. Es folgten: Adagio als Ruhepol, zweites Menuett und das Final-Allegro. Anders als bei Beethoven besteht das Trio B-Dur des 19-jährigen Schubert nur aus einem Allegro-Satz. Die Streicher entfalteten das Trio als lyrische, mitunter leise dramatisch gesteigerte Betrachtung. Der Schlussbeifall hielt lang an.

Münchner Merkur, 2.4.2008 / Arno Preiser
Üppiger Klang der Romantik (1.3.08) Zum Seitenanfang
86. Konzert

Musik von Johannes Brahms und seinem direkten Umfeld

Werke zum 175. Geburtstag von Johannes Brahms zu spielen, bedeutet im Musikhaus Marthashofen auch, kaum bekannte Komponisten aus dessen Umfeld vorzustellen. So lernte das zahlreiche Auditorium beim 86. Konzert das Klavierquartett e-Moll op.75 von Heinrich von Herzogenberg kennen.

Der 1843 in Graz Geborene gilt als grundsolider Komponist der Brahms-Gefolgschaft. Zur Verfügung stand ein von Johann Baptist Streicher (1796 - 1871) 1870 in Wien gebauter Flügel, den nicht obertonreicher Klang der Klassik kennzeichnet, sondern voluminöser üppiger der Hochromantik. Die Pianistin Ella Sevskaya gefiel schon beim Allegro ma non troppo mit warmem sanglichen Ton. Urs Stiehler (Violine) und Charlotte Walterspiel (Viola), beide erstmals in Marthashofen, sowie Hausherr Reinhold J. Buhl (Violoncello) spielten auf Originalinstrumenten der Barockzeit und ergänzten den von tieferen Tönen bestimmten Klavierpart mit strömender Melodik.

Auch nutzten sie solistische Passagen: der Geiger mit lieblichem Ausdruck, die Bratscherin volltönend, der Cellist sonor. Mit einer Kantilene eröffnete die Bratscherin, wie für das Empfinden der Romantik charakteristisch, das Andante quasi Allegretto. Auflockernd wirkte hier ein Pizzicato des Cellisten. Später milderte der Geiger, mal auch von gezupften Tönen der Kollegen begleitet, das elegische Espressivo, das einmal mehr den Einfluss von Brahms verriet. Beim tänzerisch beschwingten Vivace kehrte ein Motiv des Klaviers samt Pizzicato der Streicher wieder. Dann aber stimmte der Geiger eine Fuge an, gefolgt vom Ensemble, was Herzogenberg als tüchtigen Kontrapunktiker auswies. Beredt von Cello und Klavier eingeleitet, mutete das Schluss-Moderato wie wienerische Spielmannsmusik an.

Entsprechend leidenschaftlich gestaltete das Ensemble das Klavierquartett c-Moll op.60 von Brahms. Das betraf die dramatischen wie auch die lyrischen Momente. Einzelne Sätze des später überarbeiteten Stücks scheinen die unerfüllte Liebe des 22-Jährigen auszudrücken. Im abschließenden Allegro comodo begegnet aber dann ein Choral. Es berichtete seinerzeit der Bratscher der Uraufführung, seine Wiederholung in piano habe Brahms gar nicht leise genug sein können; so berücksichtigte das Marthashofener Ensemble auch das.

In Marthashofen sind in diesem Jahr weitere Konzerte mit Musik von Brahms geplant.

Münchner Merkur, 5.3.2008 / Arno Preiser
Um OriginalkIang bemüht (20.10.07) Zum Seitenanfang
84. Konzert

Konzert zum 100. Todesjahr von Edvard Grieg

Im 100. Todesjahr Edvard Griegs stellte die im Musikhaus Marthashofen zu erlebende variable Besetzung mit Nyla van Ingen (Sopran), Reinhold J. Buhl (Violoncello) und Ella Sevskaya (Klavier) etwas auch für den Großraum München Besonderes dar. OriginalkIang war Trumpf, so schon bei Liedern, gesungen im Norwegischen der Romantik.

Mit kräftigem Sopran - Grieg schrieb seine Lieder fast ausschließlich für diese Stimme - gestaltete van Ingen die Romanze "Vom Monte Pincio", komponiert 1870 bei einem Romaufenthalt. Ruhig begann das "Abend wie milde". Dann war pathetischer Tonfall Motiven der Ewigen Stadt gemäß, über unruhevoller Begleitung folgten Verse von Glockengeläut und Kanonendonner, am Ende freudige Volksfesterregung.

Über Ruheakkorden und sanfter Wellenbewegung trug van Ingen den legendären "Schwan" als geheimnisvollen Schwanengesang vor. Beim Lied von der "Wasserlilie" hob die Pianistin ein Wellenmotiv von Tonstufe zu Tonstufe, über Arpeggienerregung steigerte die Sängerin das Seerosengedicht zur Dramatik. Eindringlich beim zart-elegischen "Letzten Frühling", verdeutlichte sie "Herbststimmung" als absteigenden Gesang und "Hoffnung" als Überschwang zu Akkordattacken.
Frau Sevskaya spielte auf einem Flügel von Johann Baptist Streicher, Wien 1870 (prämiiert bei der Pariser Weltausstellung 1867), wie ihn Liszt, Clara Schumann und Brahms besaßen. Klangfarben, die bei den Liedern die jeweilige Stimmung einfingen, machten den Reiz einer Auswahl aus den "Lyrischen Stücken" aus. Vom launigen Arpeggio samt geölt aufsteigenden Tonleitern beim "Schmetterling" über den elegischen Klang des "Einsamen Wanderers" und das Trillern des "Vögleins" bis zu kunstvoll wechselnden "Scherzo"-Rhytmen oder "Notturno"-Schwermut fächerte die Pianistin den Klang auf. Die Farben reichten von der Piccoloflöte über andere Holzbläser und Streicher bis zum Kontrabass.

Gefühlsausdruck bestimmt auch die Sonate a-Moll. Beeindruckten der Cellist beim Allegro agitato mit sonorem Espressivo und die Pianistin mit sanften Passagen, so gab Letztere die feierlichen Prozessionen ähnelnde Melodie des Andante molto tranquillo an Buhl weiter. Dieser antwortete sanft-elegisch, um nach dramatischen Momenten ruhevoll zu enden. Beim freudigen Allegro, wo ihm ein Kraftakt bevorstand, gefielen klangvolles Pizzicato und virtuoser Klavierklang.

Münchner Merkur, 5.11.2007 / Arno Preiser
Spielerische Leichtigkeit (8.9.07) Zum Seitenanfang
83. Konzert

Vitale Interpretation der beiden Liebeslieder-Zyklen von Johannes Brahms

Ein großes Aufgebot im kleinen Saal erwartete die Besucher beim Konzert im Musikhaus Marthashofen am vergangenen Samstag. Das Sängerquartett mit Andrea Brown (Sopran), Ulrike Andersen (AIt), Robert SelIier (Tenor) und Dominik Wörner (Bass) wurde am originalen Flügel von Johann Baptist Streicher (Wien 1870) vierhändig von Norman Shetler und Christoph Hammer begleitet.

Im Zentrum des Programms standen dabei die beiden ZykIen mit Liebeslieder-Walzern von Johannes Brahms. Das Motto des Konzerts, "Auf Flügeln des Gesanges", geht auf den Titel eines Gedichts von Heine zurück, das von Felix Mendelssohn Bartholdy vertont wurde. Obwohl beide Künstlernamen an diesem Nachmittag nicht vertreten waren, fühlten sich die Zuhörer doch in genau dieser Weise vom Schwung der zahlreichen Walzer getragen.

Johannes Brahms' ZykIen sind romantische Gesellschaftskunst und vokale Kammermusik zugleich. Diesen Dimensionen fügten die Interpreten in Marthashofen, vor allem in der ersten Folge aus op. 52, noch eine weitere hinzu: Sie entwarfen eine plastische Szenerie und formten Ensembleszenen, wie sie oft den Akt einer Oper beschließen. Dadurch entstand eine Vitalitat des Ausdrucks, die sich unmittelbar auf die Zuhörer übertrug.

Deutliche Deklamation

Kraftvoll geriet der Beginn ("Rede, Mädchen, alIzu liebes"), schwungvoll und in sehr deutlicher Deklamation überzeugte "Am Gesteine rauscht die Flut". Im Laufe der Lieder traten aus dem Quartett einzelne Solisten hervor, wobei der präsent ansprechende Tenor von Robert Sellier dem berühmtesten dieser Lieder "Ein kleiner, hübscher Vogel" (das auch als Zugabe noch einmal zu hören war) zu Beginn die spielerische Leichtigkeit verlieh, die dann die Interpretation des ganzen Liedes prägte.

Der glockenhelIe, doch zugleich substanzreiche und mit dem richtigen Maß an Vibrato angereicherte Sopran von Andrea Brown erkIang solistisch in "Wohl schön bewandt war es". Ihre Stimme überstrahIte im Ensemble den KIang, wahrend die des fantastischen Bassisten Dominik Wörner ihn von unten her einrahmte, so dass die Balance stets gewahrt war. In der Liederfolge aus op. 65 war es insbesondere die AItistin, die mit ausdrucksstarkem und weichem StimmkIang, zum Beispiel in "An jeder Hand die Finger", ihre Liedkunst demonstrieren konnte. Die beiden Pianisten beeindruckten durch ihr einfühIsames und zurückhaltendes Spiel, bei dem der rhythmische Impetus nie durch zu vieI Pedal verdeckt war.

Nach der Pause erklangen fünf Vokal-Quartette für vier Singstimmen und Klavier zu vier Händen op. 52 des Schweizer Komponisten Hans Huber, deren romantischer Duktus durch die Interpretation hier eine sehr innig-expressive Färbung erhielt. Zwei sehr schön fließende, sehnsuchtsvoIle Slawische Tänze für Klavier vierhändig von Antonin Dvorak rundeten das Programm ab. Sehr dankbarer Beifall des zahlreichen Publikums zum Schluss.

Süddeutsche Zeitung, 10.9.2007 / Klaus Mohr

Schubertiade mit doppeltem Handgemenge (23.6.07) Zum Seitenanfang
82. Konzert

Ella Sevskaya und Christoph Hammer spielen auf dem Hammerflügel Werke von Lachner und Schubert

Eine Schubertiade war das Konzert allemal - bis hin zur intimen Atmosphäre im Freundeskreis. Nicht zuletzt dieser Besonderheit der Marthashofener Konzerte ist es wohl zu verdanken, dass so hervorragende Musiker der historischen Aufführungspraxis, wie die Ukrainerin Ella Sevskaya und Christoph Hammer den Weg in das sonnige Musikhaus immer wieder finden.

Einladend wirken auch die edlen Hammerflügel, so der diesmal bespielte von Conrad Graf aus Wien von 1827/28, sowie das begeisterte Publikum, das den Saal erneut gänzlich füllte. Anlass dazu gab es in dieser Schubertiade reichlich, nicht zuletzt, weil vierhändige Werke auf einem von Haus aus leisen Instrument eine besondere Qualität entwickeln: Die Skala der Farbigkeit, der Dynamik, ja der dramaturgischen Möglichkeiten vervielfältigt sich. Dies galt für die großen Gesten und Effekte in Werken Franz Lachners (1803 -1890), wie für den einfühligen, emotional subtileren Duktus dessen Freundes Franz Schubert gleichermaßen.

Lachner war stets dem Theater verbunden und hatte einige erfolgreiche Opern komponiert. Nicht nur dem Ariengesang des Andante in der Großen Sonate c-Moll op.20 war diese Affinität zu entnehmen, oder dem überraschend stillen, ja nahezu schicksalhaften Ende des bilderreichen Allegro-Finales. Auch das bravouröse Momento Capriccioso interpretierte das Tastenduo mit großem suggestiven Impetus. Mit Hammer am imaginären Pult zudem überaus homogen und einhellig im Spannungsaufbau vorgetragen.

Schubert stellte hingegen die Theatralik kammermusikalischen Finessen und liedhafter Melodik nach. Die Fantasie g-Moll D9 stand Lachner durchaus nah, ist doch darin der wirkungsstarke, jugendliche Drang zu großen Taten spürbar, den Sevskaya und Hammer mit einem Schimmer von Sehnsucht versahen. Mehr Gestaltungsregister zog Schubert im Rondo D-Dur op.posth. D 608, vor allem in Hinsicht auf seine Freude an Geselligkeit. Die Wendungen zwischen tänzerischer Rhythmik und inniger Schwärmerei gaben der virtuos gesteigerten Interpretation vielfältige Möglichkeiten der Differenzierung an die Hand, die das Duo spieltechnisch reichhaltig umzusetzen verstand.

Den überragend musikalischen Wurf landete es aber mit der Fantasie f-Moll op.103, nur wenige Monate vor Schuberts Tod entstanden. Die düsteren Verdichtungen im Spannungsbogen mit dem plötzlichen Bruch und dem bittersüßen, schmerzlichen Motiv hatten ihre erschütternde Wirkung zwischen dem Sich-Aufbäumen und Resignieren nicht verfehlt.

Gerade auf dem Hammerflügel, wo die Bassoktaven einen sonoren Klangkörper bieten und die Melodiehöhen mit filigraner Zartheit von kurzer Dauer berühren, erfuhr die Interpretation von Sevskaya und Hammer eine dramatische Steigerung zur höchsten Emotionalität hin. Eine Zugabe hätte nicht folgen dürfen - aber das Publikum wollte es nicht anders.

Süddeutsche Zeitung, 26. 6. 2007 / Reinhard Palmer
Pfitzner-Wochende (9.6.07) Zum Seitenanfang
Auszüge aus der Presse
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Starnberger Merkur, 12.6.2007 / Eveline Silkenstedt

Mal kühl analysiert, mal leidenschaftlich romantisiert
Wesen des Romantikers Hans Pfitzner polarisiert Kritiker bis heute


Schondorf - Hans Pfitzner galt in den zwanziger und dreißiger des 20. Jahrhunderts als eine herausragende Komponistenpersönlichkeit. Doch im Gegensatz zu seinen empfindsamen, träumerischen Werken polarisiert das schwierige Wesen des als letzten Romantiker bezeichneten Musikers Anhänger wie Kritiker bis heute.

In den zwanziger Jahren war Schondorf das Domizil der Familie Pfitzner, die Kinder gingen im Landheim zur Schule. Im Vortragssaal, in dem der Komponist Konzerte gegeben hatte, eröffnete am Samstag eine Soirée mit Konzert und Vortrag das neunte Pfitzner-Wochenende, veranstaltet von der Hans-Pfitzner-Gesellschaft, der Gemeinde Schondorf und der Stiftung Landheim Schondorf.

"Ich muss bekennen, dass ich dieses Stück seit meiner Schulzeit geliebt habe und heute noch mehr liebe", meinte Reinhold Johannes Buhl sichtlich bewegt nach dem präsentierten Examenswerk Pfitzners, der fis-Moll-Sonate.

Der ehemalige Solocellist des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks versprühte im kapriziösen Scherzo übermütige Lebenslust und zwang fast zur inneren Einkehr im expressiven zweiten Satz. Eine gut gewählte Ergänzung war Pianist Ulrich Urban, Professor an der Musikhochschule Leipzig. Er sezte den erdig-vibrierenden
Cellotiefen Buhls herrlich filigrane Klangperlen entgegen und ließ sich leichthändig in den humorigen, beinahe tänzerischen Dialog des Schlusssatzes ein. Nach stürmischem Beifall versetzte die Liedbearbeitung "Sehnsucht" in sanfte Tagträumerei.

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Landsberger Tagblatt, 12.6.2007 / Kurt Eichenseher

Romantische Gefühlstiefe mit Pfitzner
Konzert im Landheim


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Neben Liedern aus den verschiedenen Lebensabschnitten von Hans Pfitzner, gesungen von Merit Ostermann (Mezzosopran) und Tobias Haaks (Tenor) mit Rudi Spring am Flügel, brachten Reinhold Johannes Buhl (Violoncello) und Ulrich Urban (Klavier) im Vortragssaal des Landheims vor einem großen in Öl gemalten Porträt dessen Sonate fis-moll zur Aufführung. "Das Lied soll beben und schauern." Diese Textzeile von Heinrich Heine, die der Komponist als Charakterisierung seinem Opus 1 zugrunde legt, diente den beiden Künstlern als verpflichtender Wegweiser ihrer interpretatorischen Ausdeutung. Während der Kopfsatz mit seinen unaufhaltsam und überschwänglich strömenden melodischen Wellenlinien den Geist Schuberts, Schumanns und Brahms' in einer berauschenden Synthese beschwört, wird in den darauffolgenden Sätzen des symphonisch dimensionierten Werkes das Tor zu den dunkleren Seiten romantischer Gefühlstiefe aufgestoßen. Grüblerisch und leidenschaftlich ist der langsame Satz, bizzar und verspielt das Scherzo mit seinen markanten Pizzicato-Passagen und schrullig polternd das Finale.

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Gäste mit Musik aus Russland im Gepäck (24.3.07) Zum Seitenanfang
79. Konzert in Marthashofen

Im Musikhaus Marthashofen konzertierten Alexei Lubimov (Hammerflügel), Kyrill Rybakov (historische Klarinette) und Reinhold J. Buhl (Violoncello). Die russischen Gäste brachten aus ihrer Heimat selten zu hörende Kompositionen mit.

Das Kammerkonzert begann zunächst mit Ludwig van Beethovens Trio B-Dur op. 11 von 1798. Die einem alten Instrument nachgebaute Klarinette klang weniger lieblich und geschmeidig als eine moderne, dafür charaktervoll. Dies galt auch für den obertonreichen Hammerflügel der Beethoven-Zeit und das Spiel des Cellisten. So eignete dem Eingangs-Allegro con brio neben musikantischer Spielfreude männliches Pathos. Mit herzhaften Kantilenen wühlten sich Cellist und Klarinettist ins Adagio con espressione. Der Beiname "Gassenhauer-Trio" entstammt dem Variationensatz mit einem Thema aus Joseph Weigls komischer Oper "Der Korsar oder Die Liebe unter den Seeleuten". In den neun variazioni wechselte das Trio von ermunternden zu zarten Variationen, musizierte mal energisch, dass die Fetzen flogen, mal empfindungsvoll. Oder es duettierten Klarinette und Cello über sonoren Klavierakkorden.

Von Jan Ladislav Dussek spielte Lubimov, der dessen Melodram über Marie Antoinettes Tod mehrmals mit Sprecher aufgeführt hat, die letzte der 30 Sonaten, "L'Invocation" f-Moll, 1812. Überzeugte er beim Allegro moderato ma energico mit dramatischen Läufen und auch sanftem Melos, so geriet das Tempo di minuetto, an das Brahms mit den "Liebeslieder-Walzern" anknüpft, durchsichtig, mit tänzerischer Anmut. Das Adagio ma non troppo wirkte besinnlich, zugleich auch "feierlich", dem Beiwort "solenne" gemäß. Leidenschaftlich gestaltete der Pianist das Allegro-moderato-Rondo, einmal mehr Vorahnung der Romantik.

Romantisches drückt auch die Arie "Warum muss ich dich je erblicken" aus Carl Maria von Webers Oper "Silvana" aus, die dieser 1811 zu Variationen für Klarinette und Klavier verarbeitete. Gefiel der Bläser bei relativ großem Tonumfang etwa auch mit fröhlichen Passagen, so trat der Pianist bei nicht minder schwerem Part unter anderem mit dunklen, fast drohenden Trillern hervor .

Das 150. Todesjahr von Michail Glinka bedachte er mit den Variationen über ein Thema aus Bellinis Oper "I Montecchi e Capuleti" und entsprach Koloraturen oder anderen lyrischen Momenten mit Geschick.

Das Ensemble endete mit Glinkas "Trio pathetique" (1832) und drückte dessen Motto, "Ich kenne die Liebe nur aus den Qualen, die sie bereitet" in Gefühlstiefen wie -höhen aus.

Münchner Merkur, 30.3.2007 - Arno Preiser
Im Schatten von Beethoven (10.3.07) Zum Seitenanfang























Autograph der A-Dur-Sonate op. 69 von L.van Beethoven (Kopie der ersten Seite)

78. Konzert

Kompositionen von Anton Eberl in Marthashofen

Der Ruhm, den ein Komponist zu Lebzeiten erfährt, entspricht nicht immer dem, den ihm die Nachwelt einräumt: Anton Eberl, ein Wiener Komponist, dessen 200. Todestag in diesen Tagen gefeiert wird, wurde mit seinen Werken höher eingeschätzt als der zur gleichen Zeit in der gleichen Stadt wirkende Beethoven. Eberls Name ist heute vergessen, ebenso wie sein Schaffen. Im Musikhaus Marthashofen stellten Christoph Hammer am Hammerflügel und Hausherr Reinhold J. Buhl am Cello am Samstag Werke von Eberl solchen von Beethoven gegenüber - mit dem Untertitel "ein Spannungsfeld in Wien um 1800".

Eberl war Schüler von Mozart und ein anerkannter Klaviervirtuose; er pflegte auch nach Mozarts Tod den Kontakt zu dessen Familie. Es verwundert daher nicht, dass Verleger (aus nachvollziehbaren ökonomischen Gründen) Werke Eberls (gegen dessen Willen) unter dem Namen Mozarts veröffentlichten: So unredlich dieses Unterfangen war, so verweist es doch auch auf die hohe Qualität seiner Kompositionen.

Variationen über ein russisches Thema ("Schöne Minka") für Klavier und konzertierendes Violoncello op. 11 von Eberl erklangen am Beginn. Auf das eingängige Thema folgten spielerisch-figurative Variationen, Wendungen nach Moll, aber auch Anklänge an Arien. Vor allem im Klavierpart waren viele Veränderungen von großer Virtuosität geprägt, oft in Korrespondenz mit langen, ausdrucksreichen Spannungsbögen oder kurzen, dialogisierenden Phrasen im Cello. Doch bei aller Brillanz wirkte die Musik nicht oberflächlich, hatte Substanz und oft interessante harmonische Wendungen. Sie war populär ohne negative Konnotation und ließ erahnen, was das Publikum um 1800 an Eberls Werken zu schätzen wusste.

Ein dreisätziges "Grand Duo" für Klavier und Violoncello von Eberl folgte. Den ersten Satz eröffnete das Klavier mit effektvoll intonierten Vorschlägen und Punktierungen, die vom Cello sodann aufgegriffen wurden. Im Mittelsatz umspielte, kommentierte und "umrankte" der Pianist die wunderbar sanglichen Kantilenen des Cellisten. Von gegensätzlichem Ausdruckscharakter war der Schlusssatz bestimmt: Stürmisch zu Beginn, dann einfühlsam-zart und tänzerisch-elegant artikulierten sich die beiden Instrumente in klar aufeinander bezogener Abstimmung.

Musikalisch ehrlich, dabei nie von glatter Routine, sondern vom steten Bemühen um tiefgründigen Ausdruck getragen, interpretierten Hammer und Buhl nach der Pause noch zwei Beethoven-Werke: Seine Variationen über das Mozart-Thema "Bei Männern, welche Liebe fühlen" WoO 46 gerieten in enger Verzahnung zwischen beiden Instrumenten schön fließend in Tempo und Gestus. Die A-Dur-Sonate op. 69 legte auch die Ecken und Kanten des Beethovenschen Genius frei, indem rhythmische und dynamische Akzente nie eingeebnet waren. Großer Beifall für dieses nicht alltägliche Konzert zum Schluss.

Süddeutsche Zeitung, 13.3.2007 / Klaus Mohr

Schule des Hörens (17.2.07) Zum Seitenanfang
77. Konzert

Christopher Stembridge spielt auf einem Clavichord
aus dem 18. Jahrhundert







Dietrich Buxtehude

Es gibt Konzerte, die nur in ganz kleinem Rahmen wie dem Saal des Musikhauses Marthashofen ihre Wirkung entfalten können. Am Samstag war dort Christopher Stembridge mit seinem Clavichord zu Gast. Vom Hausherrn Reinhold Buhl als "esoterisches Instrument" umschrieben und mit dem Eindruck einer Aquarellmalerei verglichen, war der Klangcharakter zart, aber auch klar im Ton. Auf dem Nachbau eines Instruments von 1760 interpretierte Stembridge Musik vom 16. bis ins 18. Jahrhundert.

Stembridge erläuterte die Eigenheiten seines Clavichords, indem er es als gebundenes Instrument vorstellte, bei dem jeweils zwei benachbarte Töne eine Saite nutzen und bei dem die mit der Taste verbundene Tangente die Saite an verschiedenen Stellen verkürzt. Durch die direkte Verbindung von Taste und Tangente können Lautstärke und Intensität des Tons beeinflusst werden, hier ist (im Gegensatz zum modernen Flügel) auch eine nach dem Anschlag erfolgende Modifikation möglich. Dieses Vibrato wird als "Bebung" bezeichnet und hatte insbesondere in der Zeit des empfindsamen Stils am Übergang vom Barock zur Klassik große Bedeutung. An einem Stück von Carl Philipp Emanuel Bach wurde dies im Konzert später deutlich hörbar.

Mit einer Fantasia von Christian Erbach stimmte Stembridge seine hoch konzentrierten Zuhörer auf das Clavichord ein: Filigran singend und mit reicher Figurierung der Melodielinie überzeugte der Klang das Publikum, wobei Echoeffekte zusätzlich für Abwechslung sorgten. Eine ideale Verbindung zwischen Werk und Instrument war in einer Suite in g-moll von Dietrich Buxtehude zu erleben, deren Gestus nahe am französischen Lautenspiel dieser Zeit angesiedelt war. Der nicht ganz gebundene Anschlag bewirkte eine Leichtigkeit des Tons, die den schreitenden Verlauf der Allemande wunderbar unterstützte. Mit mehr Sprüngen, aber im gleichen Duktus, korrespondierte die Courante in etwas rascherem Tempo schön mit dem vorhergegangenen Satz. Den quirligen Verlauf der abschließenden Gigue arbeitete Stembridge gut heraus.

Ein Praeludium (ursprünglich für Laute) und eine Fuge (als Transkription aus einer Violin-Solosonate) von Johann Sebastian Bach erklangen nun. In der Fuge stand ein klangvoller akkordischer Satz dem immer wieder prägnant herausgearbeiteten Themenkopf in einem weitgehend linearen Verlauf gegenüber. Die Möglichkeiten der dynamischen Differenzierung trugen deutlich zur plastischen Darstellung des Werks bei.

Auch wenn Haydn nachweislich ein Clavichord besessen hat, sein ideales Instrument dürfte es nicht mehr gewesen sein. Insofern hatte eine Haydn-Sonate zum Abschluss bei aller technischen Versiertheit des Pianisten keine wirklich überzeugende Kraft.

Sehr freundlicher Beifall des Publikums zum Schluss für eine äußerst lehrreiche Konzertstunde.

Süddeutsche Zeitung, 20.2.2007 / Klaus Mohr


Verschmelzung zu einem Instrument (3.11.06) Zum Seitenanfang
76. Konzert

Das Henschel Streichquartett gastierte zum zehnjährigen Bestehen der Kammermusikreihe

Ein ganzes Jahr lang feiert Reinhold J. Buhl den zehnjährigen Geburtstag seiner Kammerkonzerte im Musikhaus Marthashofen. Der Höhepunkt dieses Jubiläumsjahres fand am vergangenen Freitag statt: Im restlos ausverkauften Saal gastierte das junge, dennoch auch international äußerst renommierte "Henschel Quartett" mit den drei Geschwistern Christoph und Markus Henschel (Violinen) und Monika Henschel-Schwind (Viola) sowie Matthias D. Beyer-Karlshoj (Violoncello). Auf dem Programm standen drei gewichtige Werke von Szymanowski, Brahms und Schubert.

Mit dem zweiten Streichquartett des reifen Karol Szymanowski aus dem Jahr 1927 begann der Abend. Im Kopfsatz, einem Moderato zauberte das Quartett zunächst eine Stimmung, die dem optischen Eindruck um diese Jahreszeit vergleichbar war. Im äußersten Piano erschienen impressionistisch angehauchte, schemenhafte Kantilenen über ostinaten, flimmernden Begleitfiguren. Eine Steigerung ergab sich durch die Verdichtung des impulsreichen Klangs, doch kehrte schließlich der zurückhaltende Anfangsgestus wieder zurück. Die manchmal grellen Dissonanzen im Vivace kontrastierten zwar durch ihren kräftigen Klang, doch hatten sie in dieser Interpretation zugleich eine geradezu unnachahmliche Geschmeidigkeit.

Die Auseinandersetzung mit klassischen Vorbildern ist ein wesentliches Merkmal des Streichquartetts in c-moll op. 51 Nr. 1 von Johannes Brahms. Diesem Anliegen spürte das Henschel Quartett deutlich hörbar nach: In sehr raschem Tempo hatte der Kopfsatz ein ungewöhnlich hohes Maß an Transparenz, und das nicht nur bezogen auf die Durchhörbarkeit hinsichtlich der musikalischen Struktur, sondern auch bezogen auf die Balance der Instrumente untereinander. Dadurch atmete der Satz pulsierende Vitalität, und das bei höchst subtil differenzierter Dynamik. Aber auch der fast folkloristisch anmutende Allegretto-Satz klang hier durch die klangvollen, erdigen Kantilenen in der Mittellage über einer federnden Basis des Cellos ausgesprochen nobel.

Seine absolut fesselnde Spannung bezog Franz Schuberts Streichquintett in C-Dur D 956, zu dem das Henschel Quartett nach der Pause durch den Hausherrn am zweiten Cello verstärkt wurde, zu einem guten Teil aus der lupenreinen Intonation, die die zahlreichen überraschenden harmonischen Entwicklungen absolut plausibel und beglückend selbstverständlich werden ließ. Dabei beeindruckte der Beginn des Allegro, der wie eine Ouvertüre den Vorhang zur Vorstellung öffnete, ebenso wie der von großer Innigkeit erfüllte Adagio-Satz, der zu fast mystischer Versenkung der Hörer in die Musik führte.

Offensichtlich muss man im musikalischen Himmel nicht mehr atmen, denn es war absolut kein Geräusch im ganzen Saal zu vernehmen - bis nach dem letzten Ton begeisterter Beifall aufkam.

Süddeutsche Zeitung, 6.11.2006 / Klaus Mohr
Aus Mozarts Schatten (10.9.06) Zum Seitenanfang
75. Konzert

Hofbauer und Hammer würdigen verkannte Zeitgenossen

"Nicht nur Mozart ..." - unter diesem vielschichtigen Titel lud das Musikhaus Marthashofen zum doppelten Jubiläumskonzert. Zehn Jahre und das 75. Konzert waren der Anlass. Eben nicht nur Mozart feiert dieses Jahr ein Jubiläum. Anton Teyber und Joseph Martin Kraus waren Mozarts Jahrgang, Giovanni Battista Martini ist genau 50 Jahre älter. Von Michael Haydn und Carl Cannabich jährt sich hingegen der Todestag zum 200. Mal. Allzu sehr lagen bis dato diese Komponisten im Schatten Mozarts, dass am Konzertende hinzugefügt werden musste: Nicht nur Mozart machte gute Musik.

Das Programm der Sopranistin Ulrike Hofbauer und des Pianisten Christoph Hammer am Hammerflügel stellte zudem einen deutlichen thematischen Aspekt heraus. Nicht nur Mozart lebte mitten in der Auseinandersetzung mit ständig aufeinander treffenden, teils konträren Gesinnungen der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die schließlich in der Wiener Klassik münden sollte.

Der Witz der edlen Galanterie reizte den Spieltrieb, die neue Empfindsamkeit suchte in der Intimität Erholung vom höfischen, allzu gefälligen Glanz, während in der tiefgründigen Komplexität des Sturm und Drang der Genius auf seine Kosten kam.

Diese Vielschichtigkeit aufzuzeigen, und vor allem in das Spannungsverhältnis der Strömungen zueinander zu bringen, das de facto die Zeit bestimmte, war ein spürbares Bestreben der Musiker, die jeglicher verstaubten Erstarrung eine klare Absage erteilten - sowohl in einer lockeren, moderierten Konzertform, als auch in den Interpretationen selbst, denen in den Liedern zudem die leichter zugängliche Ebene der Texte zur Verfügung stand.

Ulrike Hofbauer zeigte sich dabei gewandt in der Anpassung an schnelle Stimmungswechsel als auch an die historischen Eigenheiten stimmlicher Formung. Mit schmal geführter Stimme - aus dem Text heraus gefärbt, klar im Timbre und gänzlich ohne Vibrato - schlüpfte sie ohne übertriebene Theatralik in die Charaktere, die nicht nur vor Liebe schmachteten oder humorvoll kokettierten. "Die Feierstunde" von Haydn, "Die ächte Freyheit" von Cannabich oder etwa "Der Abschied" von Kraus zeigten deutlich das wechselnde Gesicht der Zeit, das einen überaus ausdrucksstarken Duktus suchte und mit überzeugender Verve ansprach.

Auf einen elementaren Nenner brachten auch die solistischen Klavierstücke diese emotionale Formung, die in Mozarts Fantasie d-Moll ein berauschendes Fest feierte. Martinis Allegro e brillante schlug zuvor den Weg der Virtuosität ein, die Hammer mit überragender Präzision anging.

Die klanglichen wie dynamischen Möglichkeiten des Nachbaus eines Hammerflügels von 1810 kamen indes in den Variationen Canabbichs zum Zuge, die zwischen brillanter Virtuosität und geistvoller Sanglichkeit den Kosmos der Zeit in sich vereinten.

Lang anhaltender Applaus und ein Mozart-Lied als Zugabe.

Süddeutsche Zeitung, 14.9.2006 / Reinhard Palmer
Expressiv und mit klanglicher Tiefe (1.7.06) Zum Seitenanfang
74. Konzert

Ein gelungener Klavierabend mit Christoph Hammer im Grafrather Musikhaus Marthashofen

Klaviermusik von Jan Ladislav Dussek und Franz Schubert mit dem "Hauspianisten" Christoph Hammer stand auf dem Programm des Kammerkonzerts im Musikhaus Marthashofen am Samstag. Der Original-Flügel des Wiener Klavierbauers Conrad Graf aus dem Jahr 1827, auf dem musiziert wurde, passte damit genau in diese Zeit, auch wenn Schubert sich aus finanziellen Gründen nie selbst ein Instrument von Graf leisten konnte.

Mit einer Chansonette des böhmischen Mozart-Zeitgenossen Dussek begann das Programm. Das sangliche Thema wurde in nicht allzu raschem Tempo sehr innig und empfindsam vorgetragen. Der Wechsel vom Moll des Anfangs zum Dur (und später wieder zurück) brachte auch eine Veränderung des Ausdrucksgehalts mit sich, ebenso wie eine fast erregt wirkende Passage mit sehr kurzen Notenwerten. Als nächstes war Schuberts 1818 entstandene "Grazer Fantasie" in C-Dur zu hören, die insgesamt sehr zart und mit beseeltem Ton, dabei ohne Härte oder polarisierende Ausbrüche interpretiert war. Der erste Abschnitt lebte von einer wunderbar singenden Oberstimme, die in sehr zurückhaltender Dynamik vorgetragen war. Darauf folgte eine tänzerische Passage, die, ohne derb zu wirken, von ihrer Schlichtheit und einem organisch gestalteten Spannungsbogen lebte.

Eine der etwa dreißig Klaviersonaten von Dussek mit dem Beinamen "Elegie harmonique sur la mort de son Altesse le Prince Louis Ferdinand de Prusse": Spielerisch mit dem Fis-Moll-Dreiklang wurde die Sonate einer Ouvertüre vergleichbar eröffnet, wobei schon hier überraschende harmonische Kühnheiten eingeflochten waren. Der rezitativisch-klagende Gestus vermittelte durch die Klanggestaltung stets einen zuversichtlichen Eindruck. In den an Arpeggien reichen Abschnitten dominierte immer wieder große Eindringlichkeit im Ausdruck, zu der auch starke Akzente an ungewöhnlichen Stellen gehörten, die das ganze klangliche Vermögen des Flügels offenbarten.

Nach der Pause stand noch ein absolutes Gipfelwerk der Klavierliteratur auf dem Programm, nämlich Schuberts späte Sonate in B-Dur von 1828. Mit klanglicher Expressivität und Tiefe, dabei sehr transparent und plastisch überzeugte der Kopfsatz (Molto moderato) in großer Ernsthaftigkeit. Licht und hell geriet das Scherzo, wobei Hammer dem Zusatz Schuberts "con delicatezza" in besonders eindrucksvoller Weise gerecht wurde.

Ausgelassen und fröhlich, aber dennoch substanzreich, präsentierte sich der Finalsatz. Damit kontrastierten sehr schön die impulsiv-dramatischen Akkorde und der wie eine Stretta vorgetragene fulminante Schluss. Auf das letzte Klavierwerk Schuberts folgte als Antwort auf den begeisterten Applaus des Publikums a!s Zugabe noch sein erstes von 1812, ein C-Dur-Andante.

Süddeutsche Zeitung, 3.7.2006 / Klaus Mohr

Stark im Ausdruckswillen (27.5.06) Zum Seitenanfang
73. Konzert

Viel Beifall im Konzert von Christoph Hammer und Reinhold J. Buhl in Marthashofen

Huldigungen an Musik-Jubilare gehören in diesem Jahr zum festen Repertoire fast jedes Konzerts. In Marthashofen galt die Hommage am vergangenen Samstag jedoch nicht Mozart, sondern Robert Schumann, dessen 150. Todesjahr sich heuer jährt. Christoph Hammer am Graf-Flügel von 1828 und der Hausherr des Musikhauses, Reinhold J. Buhl an seinem Grancino-Cello von 1698 musizierten Duo-Literatur von Schumann und dessen Zeitgenossen Felix Mendelssohn Bartholdy.

Mit Schumanns Adagio und Allegro op. 70 begann das Konzert. In dynamisch zurückhaltendem Ton gingen die beiden Kammermusikpartner das beseelte Adagio an und entwickelten ihre Interpretation direkt aus der warmen Klangfarbe ihrer Instrumente, die sie durch ihre weiche Tongebung noch verstärkten. Raum, in dem sich der Ausdruckswille artikulieren konnte, entstand im Allegro durch ein nicht allzu rasches Tempo, wobei es sich hier eher um abgeklärte Leidenschaft handelte. Individualität spiegelte sich insbesondere wider in den kleineren, in sich stimmigen agogischen Freiheiten, in der großen Intensität des Tons und im unmittelbaren dialogischen Bezug zwischen den Vorgaben des Cellisten und der präsenten Reaktion des Pianisten.

Von ganz anderer ästhetischer Qualität war Mendelssohns Sonate op. 58. Höchst vital im Gestus vermittelte der Kopfsatz (Allegro assai) eine freundliche Lichte, in der sich die Melodielinien in großer Unbeschwertheit entfalten konnten. Die virtuosen Ansprüche an den Pianisten blieben als selbstverständliche technische Voraussetzung stets unaufdringlich im Hintergrund. Die Impulse des Pianisten wurden im Allegretto scherzando direkt vom Cellisten aufgenommen und wie eine augenzwinkernde Canzona intoniert. Die ausladende, sehnsüchtig-schmachtende Cello-Kantilene fanden im Adagio durch große Arpeggien des Klaviers in der Art einer Ouvertüre ihre Vorbereitung.

Oft gespielt werden Schumanns drei Fantasiestücke op. 73. Der fließende Charakter im ersten Stück (Zart und mit Ausdruck) entstand aus der spannenden Begegnung zwischen duolischer und triolischer Bewegung. Eine Art motivische Kommentierung der Cello-Partie im Klavier wurde im zweitenStück (Lebhaft leicht) hörbar. Geradezu explosiv im Ausdruck geriet die letzte Pièce, die mit "Rasch und mit Feuer" überschrieben war.

Nach der Pause des kammermusikalischen Konzerts in Marthashofen erklangen noch Schumanns fünf Stücke im Volkston op. 102. Das Duo arbeitete überzeugend die jeweiligen Charaktere der einzelnen Werke heraus, so dass der tänzerische Duktus im ersten Stück genauso gut herauskam wie de schlichte Volkslied-Ton im zweiten. Die Anklänge an einen Choral im dritten gerieten innig, und das letzte Stück schließlich war eher herb im Ausdruck und vielgestaltig. Viel Beifall gab es zum Schluss.

(Süddeutsche Zeitung, 31.5.2006 / Klaus Mohr)
Neue Klangwelten (25.2.06) Zum Seitenanfang
72. Konzert

Mozart und das Tafelklavier in Marthashofen

Wieder gab es im Musikhaus Marthashofen am Samstag ein ganz besonderes Konzert: Zwei originale Tafelklaviere aus der Zeit um 1770/80 wurden dort von ihrem Besitzer Michael Günther und seiner Partnerin am Klavier, Ella Sevskaya, fast ausschließlich mit Musik von Mozart bespielt. Ob Mozart das Instrument des Ulmer Instrumentenbauers Schmahl tatsächlich unter den Händen hatte, wofür einige Indizien sprechen, ist letztlich nicht entscheidend. Sicher ist jedoch, dass er von den deutlich erweiterten klanglichen Möglichkeiten des Hammerklaviers im Gegensatz zum Cembalo begeistert war und diese in seinem kompositorischen Schaffen berücksichtigt hat.

Mozarts für das vierhändige Spiel mit seiner Schwester Maria Anna geschriebene Sonate in D-Dur KV 381 eröffnete das Konzert. Der Klang des Klaviers ließ im Eingangs-Allegro zunächst Zweifel über die Tonerzeugung aufkommen: Erst bei genauem Hinhören erkannte man, dass die Saiten nicht gezupft, sondern tatsächlich mit Hämmern angeschlagen wurden. Der zirpende Klang und der unheimlich lange Nachhall, der jeden neu erklingenden Ton sofort in eine Wolke einhüllte, ließen durch den Obertonreichtum dennoch eine fein ziselierte Melodielinie erkennen. Verschmelzender Klang entstand hier auch ohne das am modernen Klavier übliche Pedal, war aber auch nicht kalkulierbar einsetzbar. Deutlich wahrnehmbar aber war, dass ein ganz unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Fingerdruck auf die Taste und dem daraus resultierenden Ton bestand.

Wie beim Cembalo konnte bei diesem Klavier "in Form einer liegenden Harfe" der Gesamtklang durch verschiedene Register beeinflusst werden. Das folgende liedhaft-singende Andante bezog den weichen klanglichen Eindruck vom "Lautenregister", bei dem Lederzungen zwischen die Saiten geschoben werden.

Sehr transparent gelang die Zweistimmigkeit am Anfang des Kopfsatzes (Allegro) von Mozarts in München entstandener Sonate für Klavier solo in G-Dur KV 283 von 1775. Silbrig kamen zahlreiche zarte Verzierungen in der Durchführung, während die dynamischen Unterschiede oft sehr eingeebnet beim Hörer ankamen. Auch die Prägnanz einzelner Töne war oftmals nicht sehr zuverlässig, was Michael Günther mit der Reise in einer Kutsche verglich.

Nach der Pause gab es eine verinnerlichte Hommage des Hausherrn Reinhold J. Buhl an Mozart mit dem Adagio KV 580a in einer Bearbeitung für Violoncello und Klavier.

Eine vierhändige Sonate Johann Christian Bachs folgte danach auf einem Londoner Pianoforte von Friedrich Becker. Der im Vergleich zum Schmahl-Instrument wesentlich kernigere Ton eröffnete eine größere dynamische Breite und eine kraftvolle Begleitung zu den vitalen Spielfiguren der Oberstimme.

Den Schlusspunkt setzte das Andante aus Mozarts Sonate für zwei Klaviere D-Dur KV 448 in der richtigen Balance mit Michael Günther (Primo-Part) am Schmahl-Klavier und Ella Sevskaya (Secondo-Part) am Becker-Instrument. Lang anhaltender Beifall zum Schluss.

(Süddeutsche Zeitung, 28.2.2006 / Klaus Mohr)
Eine Sternstunde (14.1.06) Zum Seitenanfang
71. Konzert

Henschel-Quartett eröffnet Jubiläum in Marthashofen

Mit einer Art Paukenschlag eröffnete Reinhold J. Buhl das Jubiläumsjahr zum zehnjährigen Bestehen seines Musikhauses Marthashofen am Wochenende: Ihm war es gelungen, das in ganz Europa renommierte Henschel Quartett mit Christoph und Markus Henschel {Violinen), Monika Henschel-Schwind {Viola) und Mathias Beyer-Karlshoj für ein Gastspiel zu gewinnen. Der Saal konnte die Zahl der Musikfreunde gar nicht fassen, so dass auch der Vorraum noch bestuhlt werden musste. Zum Quartett gesellte sich im gänzlich unbekannten Klavierquintett von Carl Frühling die Mutter der drei Geschwister, Marga Scheurich Henschel, am originalen Wiener Flügel der Brahms-Zeit von Johann Baptist Streicher.

Zu Beginn erklang das Klavierquintett in fis-moll op. 30 des österreichischen Pianisten und Komponisten Frühling, dessen Lebensmitte den Beginn des 20. Jahrhunderts markiert. Satt und voll, zugleich aber auch leidenschaftlich im Klang war der Kopfsatz, ein Allegro, zu vernehmen. Den Klanggestus bestimmte ganz wesentlich der Flügel, dessen Tonqualität sich durch große Weichheit und gegenüber modernen Instrumenten geringere Brillanz auszeichnet. Dem passten sich die Streicher entsprechend an und fügten einfühlsames Vibrato hinzu, wodurch eine Interpretation von großer Intensität entstand.

Das folgende Andante cantabile lebte von verschiedenen thematischen Gedanken, die stets höchst ausdrucksvoll, mitunter auch mit dramatischem Akzent musiziert waren. Der stilistische Umkreis von Johannes Brahms ließ sich klanglich insgesamt unschwer erkennen, und im Scherzo fühlte man sich an Werke des jungen Richard Strauss erinnert. Der burleske Ton, mehr aber noch die Terzenseligkeit im schwingenden Dreiertakt beeindruckten durch Plastizität und Transparenz. Mehrere imitatorische Abschnitte prägten das Finale, das insbesondere auch durch die beglückende Balance zwischen den Partnern überzeugte.

Schostakowitschs Streichquartett op. 110 aus dem Jahr 1960 folgte, mit dem der Komponist durch die Einbeziehung einer Reihe von thematischen Gedanken aus seinen Werken auch eine Art eigenes Andenken schreiben wollte. Der meditativ-verinnerlichten Stimmung des Eingangssatzes (Largo) stand ein vehement-packender Zugriff im Allegro gegenüber. Unwirklich zerbrochen wirkte der Walzertakt im Allegretto, fahl-fragile Klanglichkeit und schön durchvibrierte Akkorde als versöhnliches Zeichen wechselten sich im Schlusssatz (Largo) ab.

Nach der Pause war noch eine feinsinnig-geschmeidige Wiedergabe von Beethovens Quartett F-Dur op.18 Nr. 1 zuhören.

Große Ovationen und Getrampel gab es für eine wahre Sternstunde der Kammermusik zum Schluss.

(Süddeutsche Zeitung, 17.1.2006 / Klaus Mohr)

Subtiler Klang von zwei Traversflöten (12.11.05) Zum Seitenanfang
70. Konzert

Französische Barockmusik im Musikhaus Marthashofen

Wesentliches Merkmal der Musik der Barockzeit ist ihr Fundament auf dem Bass - dem Generalbass. Werke, die nur für Melodieninstrumente geschrieben sind, bilden die Ausnahme, sind zugleich aber eine besondere Herausforderung für den Komponisten. Marion Treupel-Franck und Marie-Céline Labbé, zwei Traversflötistinnen, gastierten am Samstag im Musikhaus Marthashofen mit sehr edler, höfisch geprägter französischer Barockmusik von der Schwelle des 17. zum 18. Jahrhundert. Der kleine Rahmen kam der Subtilität des Klangs, der sorgsamen Phrasierungskunst und dem tiefen Stimmton ( der originalen französischen Stimmung) dabei sehr zugute.

Die Beziehung beider Flöten konnte dabei mannigfaltiger nicht sein: Mal trat die Melodie in parallel geführten, wohlklingenden Terzen auf, mal entspann sich ein imitatorischer Verlauf in kleinräumiger Motivik, bei dem eine Flöte der anderen immer um einige Töne voraus war. Doch auch die sekundierende Begleitung der Partnerin gehörte zum Repertoire, wobei dann die Frage nach der sich aus der Zweistimrnigkeit ergebennpn Harmonik in den Vordergrund trat; jedenfalls fanden beide Flöten am Ende jeweils wieder im Einklang zusammen.

Diesen kompositionstechnischen Fundus erweckten die beiden Künstlerinnen durch ihre kongeniale, sehr differenzierte Tongebung zu wundervollem Leben. Die kurzen Sätze eines "Concert" von Francois Couperin gestalteten die Flötistinnen sehr unterschiedlich: Dem Vivement, das motivisch an ein Kinderlied erinnerte, stellten sie eine in inniger Molltönung gehaltene Air und eine würdevoll schreitende, auf gleichem Atem musizierte Sarabande gegenüber. Der Konstanz der abschließenden Chaconne verlieh eine reiche Variationskunst, vor allem in der Oberstimme, ihr Gepräge.

In ähnlicher Weise waren auch Kompositionen von Michel Pignolet de Monteclair und Jacques Martin Hotteterre zu hören, wobei dem Verhältnis von Spannung und Entspannung, vor allem in den langsamen Sätzen, großes Gewicht zukam: Zielstrebig verfolgte Linien vermittelten Zusammenhänge, Vorhalte lösten sich organisch auf. In den raschen Sätzen spielte oft das tänzerische Element eine dominierende Rolle.

Zu Beginn und am Schluss des Konzerts erklangen zwei Londoner Trios für zwei Flöten und Violoncello von Joseph Haydn, in denen sich der Hausherr Reinhold J. Buhl zu den beiden Flöten gesellte.

(Süddeutsche Zeitung, 14.11.2005 / Klaus Mohr)

Traversflötenduo glänzt mit erlesenen Suiten des Hochbarocks (12.11.05) Zum Seitenanfang
70. Konzert

Kammerkonzert in Marthashofen

Beim Marthashofener Kammerkonzert versetzte das Traversflötenduo Marion Treupel-Franck und Marie-Céline Labbé das Auditorium bei erlesenen Suiten zum Sonnenkönig an den Hof von Versailles und wurde wegen seiner hochvirtuosen Bravour bewundert. Für Joseph Haydn wiederum war die aus dem Barock überkommene Besetzung mit zwei Flöten und Cello weniger interessant als das Klaviertrio. Dennoch schrieb er 1794 solche Stücke, die Londoner Trios.

Das Duo begann mit dem in C-Dur und endete mit dem in G-Dur. In den schnellen Ecksätzen brillierten die Flötistinnen bei anmutig-beschwingten einfallsreichen Passagen. Bei den langsamen Sätzen, jeweils ein Andante, gestalteten sie die nicht minder reizvolle Melodik beschaulich und kantabel und verdeutlichten erneut den Rang der Trios.

Eine Kostprobe aus einem Haydn-Trio war denn auch der Dank für starken Beifall. Hausherr Reinhold J. Buhl begleitete auf dem Barockcello als unaufdringlicher Generalbass. Dann stellte er wie einst Zeremonienmeister die einzelnen Stücke der Suiten vor. Es begann mit einem der 14 "Königlichen Konzerte" von Francois Couperin. Dieser hatte sie König Ludwig XIV. 1715, in dessen letztem Lebensjahr, an Sonntagen mit exzellenten Musikern vorgeführt. In Marthashofen erklang das 13. Konzert G-Dur. Das Duo glänzte beim Eingangs-Vivement, ein flottes Prélude, mit perlenden Läufen und stellte dem ein gemächlicheres, schön verziertes Air in Moll gegenüber. Nachdrücklich gestalteten die Flötistinnen die sanfte, gravitätische Sarabande als beruhigendes Zentrum. Bei der abschließenden Chaconne duettierten sie lebhaft im Wechsel gebundener und gestoßener Töne.

Von Michel Pignolet de Monteclair, der Couperins Töchter unterrichtete, spielte das Duo Konzerte für zwei Flöten ohne Bass. Beim Concert a-Moll schloss es dem "Dialogue", ein bedachtsames Zwiegespräch, die lebhafte "Rieuse" (Lacherin) an, sowie "Terpsicore" (die Muse des Tanzes) in angeregtem Zusammenspiel. Es entpuppten sich "L'Allemande" als verlangsamt und "L'Angloise" als hüpfend. Bei "L'Italienne" warfen sich die beiden die Motive wie Bälle zu. Mit Gemach kam "La Francoise" daher, lebhaft zuguterletzt "La Picarde".

Dass Monteclair ein bedeutender, bei uns zu Unrecht vernachlässigter Meister war, bewies das Duo vollends beim 6. Konzert h-Moll. Dort ließen etwa auch ein "Schmetterlingsmenuett" und ein "Mückentanz" aufhorchen. Von Jacques-Martin Hotteterre, der 1707 das erste Lehrbuch für die Traversflöte schrieb, spielte das Duo eine Suite. Aus dem Reigen dieser Tanzsätze ließ sich unschwer auf die Beliebtheit auch dieses Flötenvirtuosen als Komponist schließen, die bis in die Gegenwart reicht.

(Münchner Merkur, 22.11.05 - Arno Preiser)
Romantische Chorlieder von "Voce animata" (23.10.05) Zum Seitenanfang
69. Konzert

Kammerchor in Marthashofen

Als Ausnahme von der Regel, dass im Musikhaus Marthashofen Instrumentalensembles oder Vokalsolisten auftreten, sang beim 69. Konzert der von Rudolf Kuhn kompetent geleitete Kammerchor "Voce animata" aus Eresing romantische Chorlieder des Mottos "Du und ich".

Die neun Frauen und sechs Herren erreichten trotz des Ungleichgewichts im Ganzen die Wirkung klanglicher Balance. Als seltenes Instrument diente ein Flügel von Johann Baptist Streicher (Wien 1870). Dessen sanglicher, weich nachhallender Klang erklärte die einstige Weltgeltung dieser Klaviere. Der Pianist Guillermo Salgado begleitete stilsicher. Er baute seinen Part teils auch zur Partnerschaft aus, so bei Liedern des etwa 20-jährigen Franz Schubert.

Wie dieser dem Alleinsein die "Lebenslust" gemeinschaftlichen Erlebens vorzieht, zeigte der Chor auf freudig bewegte Art. Das Lied "0 Sonne, Königin der WeIt", das Schubert für vier Singstimmen schrieb, geriet zu hymnischer, mitunter an Beethoven erinnernder Aussage. "Der Tanz" brachte Fröhlichkeit wie dann auch Klage über die mangelnde Gesundheit. Den Liedern des letzten Wiener Klassikers folgten solche der anschließenden Zeit. Bei Robert Schumanns "Zigeunerleben" gefiel der Chor mit beschwingter Gestaltung der romantischen Melodik.

Slawisches Klangempfinden bestimmt Antonin Dvoraks "Duette auf mährische Volksliedertexte", die Leos Janacek für vierstimmigen Chor und Klavier bearbeitete. Dazu kam die reizvolle Melodik des einstudierten Tschechischen.
Von der von Schwermut überschatteten "Trennung" führte der Chor den Hörer bei seiner Auswahl zum lebhaften, dann auch zarten "Pfand der Liebe", zum wechselhaft gestimmten "Scheiden ohne Leiden" und der sich wiegenden "Wilden Rose" bis zur hellen, vollklingend endenden "Zuversicht".

(Münchner Merkur, 31.10.05 - Arno Preiser)
Schönklang mit Klavier (23.10.05) Zum Seitenanfang

69. Konzert


Romantische Chorlieder in Marthashofen







Das Musikhaus Marthashofen ist eigentlich für instrumentale Kammermusik bekannt - am Sonntag stand der aus 15 Sängerinnen und Sängern bestehende Kammerchor "Voce animata" (Eresing) unter der Leitung von Rudolf Kuhn auf der Bühne.
Unter dem Motto "Du und ich - romantische Chorlieder mit Klavier" erklangen Kompositionen von Schubert, Dvorák, Schumann und Brahms, am originalen Flügel von Johann Baptist Streicher, Wien 1870, war der Pianist Guillermo Salgado zu hören.

Mit drei Sätzen von Schubert eröffnete der Chor das Programm. Locker und frisch gelang die "Lebenslust", in schöner dynamischer Abstufung folgten "An die Sonne" und in raschem Tempo "Der Tanz". Sechs "Klänge aus Mähren" Antonin Dvoráks erklangen in der Bearbeitung für vierstimmigen Chor und Klavier von Leos Janácek. Für den Klangeindruck war entscheidend, dass die Lieder in der tschechischen Originalsprache vorgetragen wurden. Allen sechs Sätzen war gemeinsam, dass ihnen ein folkloristischer Zug anhaftete, dass ihre Tonhöhenlage eher tief angesetzt war und dass der sich zwischen Sopran und Bass ergebende Tonraum nicht allzu groß war. Dadurch entstand ein oft kammermusikalisch intimer, sehr weicher und geschmeidiger Klang, der in schönem Dialog mit der warmen Harmonik stand. Den Inhalt konnten die Zuhörer gut anhand der deutschen Übersetzungen nachvollziehen. Fließend und mit Spanhung im richtigen Maß überzeugte "Die Verlassene", einschmeichelnd und nachdenklich-expressiv geriet "Die Zuversicht". Beträchtlichen Anteil am Gelingen hatte der präsente und mit zahlreichen Nuancen musizierende Pianist, der dem Chor ein sicheres harmonisches Fundament bot und eigenständige Details zur Interpretation beisteuerte.

Nach der Pause folgte Schumanns "Zigeunerleben" sehr schwungvoll und mit solistischen Passagen. Insgesamt zehn "Zigeunerlieder" aus op. 103 und op. 112 von Brahms beschlossen das Konzert. Rhythmische Standfestigkeit im Klavier bildete hier den einen Pol in der Musik. Den anderen nahm der Chor in der meist fließenden Bewegung sehr aktiv wahr, wodurch sich schöne Bögen entwickelten. Die Dynamik war im Piano klangvoll, im Forte kraftvoll, doch stets auch auf Schönklang ausgerichtet.

(Süddeutsche Zeitung, 25.10.05 - Klaus Mohr)
Von leichter Hand (25.9.05) Zum Seitenanfang
Erstes Kirchheimer „Winterkonzert“ gelungen

Reinhold J. Buhl am Cello und Dominik Wörner an der Orgel servierten mit leichter Hand zwei Stunden vorzügliche Musik. Ihr Programm hatte zwei Gravitationszentren: die europäische Generalbasszeit und die gemäßigte spanische Moderne.

Munter, problemlos und spritzig erklang von A. Scarlatti eine viersätzige Sonate in C-dur, einfallsreich in der Melodik, knapp in der Verarbeitung. Mehrfach erklangen Passacaglien, u.a. von J. Batt. Cabanilles. Wörner spielte beeindruckend und straff, klar und leuchtend an der Orgel, ebenso gegen Ende eine Passacaille von Händel, die in brilliantem Vorwärtsdrängen geradezu aufstörte und mitriss. Ein Stück derselben Gattung gab es außerdem von Dietrich Buxtehude.

„Evangelisch“ (im Sinne von engelsgleich) nannte Buhl die Musik der Air der 3. Bachschen Orchester-Suite. Sie von Cello und Orgel zu hören, überraschte und erfreute: Über gleichmäßigem Orgelfundament bewies Buhl gerade in der Einfachheit der Interpretation große Kunst. Von hier ging es zu H. Villa-Lobos, seinen „Bachianas Brasilieras“, auch in dieser reduzierten Fassung ungemein interessant.

In seiner Einfachheit wunderschön war „ Cant dels Occells“, Gesang der Vögel, ein katalanisches Volkslied, von dem großen spanischen Cellisten Pablo Casals bearbeitet.

Interessant war die Begegnung mit Musik von E. Granados, J. Nin und M. de Falla. Fast zum Schluss spielte Buhl erstmals solo: die Sarabande aus Bachs 4. Suite in Es-dur, BWV 1010. Unmittelbar einleuchtende, schlichte Klangrede, reif und ausgewogen.

Zum Ausgang eine Vivaldi-Sonate und nach langem Applaus ein Menuett von Luigi Boccherini.


(Auszug aus Die Rheinpfalz, Nr.225, 27.9.2005 – Roland Happersberger)

Sänger sorgen im Musikhaus für neuen Ton (23.7.05) Zum Seitenanfang
67. Konzert

Konzert mit improvisatorischem Charakter

Den Wunsch, im Musikhaus Marthashofen einmal ein improvisiertes Konzert zu veranstalten, erfüllte sich der Violoncellist Reinhold Buhl als Hausherr. Er eröffnete es, von Christoph Hammer am Klavier begleitet, mit Bachs Air sanglich, anrührend als Friedenswunsch in friedloser Zeit.

Von dem Komponisten, Organisten und Pianisten Jean Huré, zu dessen Freunden Pablo Casals gehörte, spielte das Duo ein spätromantisches Air in Art einer elegischen Kantilene. "Prière" (Gebet), ein in der französischen Romantik beliebtes Thema, kreierte Camille Saint-Saens als Duo. Der Cellist gestaltete es eindringlich, doch nie übertrieben rührselig.

Auch "Mélodie" war ein Motiv, das im 19. Jahrhundert besonders in Frankreich die Herzen höher schlagen ließ. Der russische Komponist Anton Rubinstein, der Salonmusik nahe, vertonte neben Gedichten von Musset das einst hochbeliebte Stück "Mélodie". Dessen hochromantischen Duktus zeichnete das Duo expressiv nach. Von Casals lernte der Hörer den "Gesang der Vögel", ein altes katalanisches Weihnachtslied, kennen. Wunderschön kantabel drückte das Duo sehnsüchtige Empfindung aus. Dem improvisatorischen Charakter des Konzerts entsprach die Mitwirkung von Vokalsolisten. Die amerikanische, derzeit in Grafrath lebende Sopranistin Barbara Carter gefiel in lyrischen wie dramatischen Momenten. Vom Duo begleitet, trug sie zunächst die Arie der Zerlina, die Masetto tröstet {aus Mozarts Oper "Don Giovanni"), vor.

Mit seltenen Konzertliedern der Romantik entsprach sie einer vom Publikum geschätzten Tradition des Musikhauses. So bei dem Lied "Ewiger Frühling" des Violoncello-Virtuosen Georg Goltermann, eine der Salonromantik nicht ferne Melodik. Dort sind auch "Die Abendglocken " des tschechischen Komponisten und Violinvirtuosen Johannes Wenzeslaus Kalliwoda beheimatet, deren wehmütigen Ausdruck der Glockenschlag des Klaviers aus der Brahms-Zeit unterstrich. Von Conradin Kreutzer erklangen "Die Vöglein im Walde" mit Gefühlsbewegungen des Gesangs- und Celloparts sowie lautmalerischen Trillern des Pianisten. Den musikalischen Raritäten entsprachen in der langen Pause kulinarische Köstlichkeiten, die von der Hausherrin im Garten angeboten wurden.

Dann steigerte sich das Konzert zu beeindruckenden Opern- und Operetten-Auftritten des Tenors Michael Suttner, der ab der nächsten Spielzeit dem Solisten-Ensemble des Gärtnerplatztheaters angehört. Mit großem Ausdrucksvermögen setzte der weich timbrierte Tenor bei Arie und Szene des Alfredo aus Verdis "La Traviata " einen starken Akzent. So beeindruckte er auch als Operettensänger, denn "Freunde, das Leben ist lebenswert... o signora, o signorina, zärtlich klingt die Cavatina". Die Sopranistin brachte schließlich die "Schöne blaue Donau" zum Tönen. Den Walzertakt nahm der Tenor mit einem Lied aus Zellers "Vogelhändler" auf. Mit dem Lied "Meine Lippen, die küssen so heiß" erinnerte der Sopran an Lehars selten gespielte Operette "Giuditta".

(Münchner Merkur, 4.8.2005 / Arno Preiser)
Musikalische Delikatessen (23.7.05) Zum Seitenanfang
67. Konzert

Leichte Muse im Musikhaus Marthashofen

Schon in der Einladung waren Überraschungen angekündigt worden, und wer sich dem Musikhaus Marthashofen näherte, mochte zunächst glauben, sich im Termin geirrt zu haben: Dort saßen die Gäste an schön gedeckten Tischen und warteten auf kulinarische und musikalische Köstlichkelten. Mitwirkende waren die aus Ohio stammende und jetzt in Grafrath lebende Sopranistin Barbara Carter, der Tenor Michael Suttner, Hausherr Reinhold J. Buhl am Violoncello und Christoph Hammer am Flügel. Kulinarisches gab es für die Konzertbesucher, von der Hausherrin angerichtet, in der etwas verlängerten Pause. Zunächst jedoch erinnerte Buhl an den Terror in der Welt und setzte mit der berühmten Air aus Bachs Orchestersuite in D-Dur einen besinnlichen Akzent.

Barbara Carter eröffnete mit einer Arie der Zerlina aus Mozarts "Don Giovanni" das eigentliche Programm, hier in einer Version, in der zum Klavierauszug das Violoncello verstärkend hinzutrat. Dem Rollencharakter entsprach die stimmliche Darstellung Barbara Carters recht gut: Ihr lockerer und deutlich vibrierter Ton hat teilweise soubrettenhaften Charakter. Drei Konzertlieder aus dem 19. Jahrhundert folgten: Georg Goltermanns "Ewiger Frühling" lebte vom opernhaften Duktus im Kleinen. Johann Wenzel Kalliwodas "Die Glocken" ließ diese vor allem im Klavier immer wieder hören, und Conradin Kreutzers "Die Vöglein im Walde" geriet schwungvoll und leichtfüßig.

Mit einigen solistischen Beiträgen, einfühlsam begleitet von Christoph Hammer, brachte sich Reinhold Buhl ein: Sehr innig und zart gestaltete er das "Gebet" von Saint-Saens, von intensivem Ton lebte Anton Rubinsteins "Melodie", und melancholischen Charakter hatte Pablo Casals Volksliedbearbeitung "Gesang der Vögel".

Die Entdeckung des Tages jedoch war der Tenor Michael Suttner: Sein ausgeglichener, weicher, doch zugleich strahlender Stimmklang erfüllte schon bei seinem ersten Auftritt mit Szene und Arie des Alfredo aus Verdis "La Traviata" den Raum. Auch seine weiteren Beiträge Operetten unterstrichen nur die Vielseitigkeit seiner Ausdrucksmöglichkeiten: Auf "Stoßt an" aus der "Fledermaus" folgte als Zugabe "Time to say goodbye".

(Süddeutsche Zeitung, 26.7.05 - Klaus Mohr)

Seekrank - und doch glücklich (18.6.05) Zum Seitenanfang
66. Konzert

Christopher Stembridge stellt im Musikhaus Marthashofen sein Cembalo cromatico vor

Oft wird über die Vollkommenheit der Natur philosophiert, und doch schlagen sich Musiker seit Jahrhunderten mit dem Problem der zumindest scheinbaren Unvollkommenheit herum: der reinen Stimmung. Die übliche temperierte Stimmung muss unter diesem Gesichtspunkt zwar als ziemlich "verstimmt" bezeichnet werden, ermöglicht aber größtmögliche Flexibilität in allen Tonarten. Andere Ideen, dem Problem zu entkommen, hat es unendlich vielegegeben. Eine davon bietet auf der Tastatur eines Cembalos oder einer Orgel nicht nur zwölf Halbtöne (wie üblich), sondem weit mehr Tasten innerhalb der Oktave an, die je nach harmonischem Zusammenhang gewählt werden können. Ein solches Instrument, das man fast nur aus den Musikinstrumentensammlungen der Museen als stumme Ausstellungsstücke kennt, präsentierte der Engländer Christopher Stembridge bei einem Konzert im Musikhaus Marthashofen am vergangenen Wochenende.

"Cembalo cromatico" heißt es, und er interpretierte auf den 19 Tasten pro Oktavraum italienische Musik der Spätrenaissance, die teilweise aus der Transkription von Vokalmusik für das Tasteninstrument resultierte, teilweise aber auch speziell für ein solches Cembalo komponierte wurde. Sehr informativ waren die Erklärungen, die Stembridge immer wieder zu den einzelnen Stücken und deren Besonderheiten gab.

Am besten lässt sich der Gesamteindruck für den Hörer vielleicht damit beschreiben, dass man das Gefühl hat, "seekrank" (Sternbridge) zu sein. Jeder einzelne Dreiklang löst aufgrund seiner Reinheit ein gewisses "Glücksgefühl für die Ohren" beim Zuhörer aus, doch verliert man mit jedem Wechsel zu einem entfernter liegenden Akkord den harmonischen Boden, auf dem man eigentlich zu stehen glaubte.

Die Bearbeitung eines chromatischen Madrigals von Cristoforo il Sugherano von Luzzasco Luzzaschi, dem Lehrer Frescobaldis, eröffnete das Konzert. Hier wurden genau die schon beschriebenen Brechungen im Klang hörbar. Weit weniger trat dies in der Toccata Nona aus "Toccate e partite" von Frescobaldi (1615) in Erscheinung. Figurative Elemente, rasche, oftmals rauschende Tonleiterpassagen beherrschten den Klangeindruck.

Auf einem gregorianischen Hymnus, der zur Verdeutlichung von Hausherr Reinhold J. Buhl auf einer Gambe mitgespielt wurde, basierte die Sonata Stravagante von Gioanpietro deI Buono von 1641. Die chromatische Harmonisierung erinnerte aber eher an die Spätromantik eines Max Reger als an die Entstehungszeit.

Dankbarer Beifall des sehr kundigen Publikums belohnte Christopher Stembridge zum Schluss.

(Süddeutsche Zeitung, 21.6.2005 / Klaus Mohr)


Motivische Verklammerungen (21.5.05) Zum Seitenanfang
65. Konzert

Martin Bruns und Christoph Hammer begeistern in Marthashofen mit Liedern der Romantik

Liederabende können ein besonderes Flair entwickeln, wenn der äußere Rahmen es zulässt. Das Musikhaus Marthashofen, in dem der Bariton Martin Bruns und der Pianist Christoph Hammer am Conrad-Graf-Flügel von 1827 am Samstag ein solches Konzert unter dem Motto "Könnt' ich dich in Liedern preisen" gaben, bietet genau jene Intimität.

Das gilt umso mehr, wenn der Saal nur gut zur Hälfte gefüllt ist und das Programm nicht nur Bekanntes, sondern auch vielfach Unbekanntes enthält. Im Mittelpunkt des Abends standen die beiden schwäbischen Dichterfreunde Justinus Kerner und Ludwig Uhland, musikalisch beherrschte im ersten Teil Robert Schumann das Feld, in der zweiten Hälfte folgte eine Reihe von Liedern von zumeist weniger präsenten Komponisten der Romantik.

Zwölf Gedichte von Kerner vertonte Schumann in seinem so genannten "Liederjahr" 1840 als Opus 35. Obwohl es sich im eigentlichen Sinn nicht um einen Zyklus handelt, in dem eine fortlaufende Geschichte erzählt wird, so bilden die Lieder doch eine klare Einheit. Verbindendes Element ist die Dichte und Intensität der Empfindung, die oftmals fast beklemmend empfunden werden kann.

Genau diesen Nerv trafen die beiden Künstler hervorragend: Martin Bruns verfügt über eine facettenreiche Stimme, die es ihm ermöglicht, musikalische Bögen von fesselnder Länge zu spannen. Christoph Hammer ist ein sehr aufmerksamer Begleiter, der den Sänger stets unauffällig unterstützt, zur rechten Zeit aber auch mit eigenen Akzenten ins musikalische Geschehen eingreift.

Der Schlichtheit des erzählenden Balladentons entsprachen Sänger und Begleiter in "Stirb, Lieb' und Freud'!" durch ihre sanfte, von deutlicher Deklamation geprägte tonliche Umsetzung. Den zwei Wanderliedern kam der frische, fanfarenartige Zugriff zu Gute, während die motivischen Verklammerungen in "Erstes Grün" auf Gesangsstimme und Begleitinstrument verteilt waren. Ein verheißungsvolles Klaviervorspiel eröffnete "Stille Liebe" und ebensolche Zwischenspiele trennten deren Strophen voneinander ab: Hier bereitete der Pianist geschickt das stimmungsmäßige Fundament, auf das der Sänger mit stimmlichen Nuancen reagieren konnte.

Josephine Lang, Norbert Burgmüller, Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy hießen die Komponisten nach der Pause. Geschmeidig im Klang geriet "Scheiden und Meiden" aus dem frühen Opus 2 auf einen Text von Uhland von Burgmüller, dabei in schöner, auch imitatorischer Verzahnung der beiden Partner. Eine bewusst artikulierte, eigenständige Begleitfigur hatte das Lied "Antwort" (Uhland) von Josephine Lang.

(Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 23.5.2005 - Klaus Mohr)
Lieder der Romantik beeindrucken (21.5.05) Zum Seitenanfang
65. Konzert

Elegische Stimmung

Mit Liedern männlicher und weiblicher Komponisten der Romantik nach Gedichten von Kerner und Uhland beeindruckten Martin Bruns und Christoph Hammer beim Kammerkonzert im Musikhaus Marthashofen. Das Motto lautete: "Könnt' ich dich in Liedern preisen, säng' ich dir das längste Lied. Ja, ich würd' in allen Weisen dich zu singen nimmer müd'!"

In dieser ersten Strophe geht Justinus Kerner der elegischen Stimmung eines Verliebten nach, die Robert Schumann dann im Liederzyklus "Zwölf Gedichte nach Kerner" musikalisch ausdrückt. Und zwar nicht überschwänglich, sondern mit zunehmend depressiver Melodik. Der Bariton Bruns gestaltete mit seinem vollen Volumen und angenehm weichen Timbre überzeugend, so dass die Sprache der beiden schwäbischen Dichter und der Farbklang der frühromantischen Komponisten zum Hörerlebnis wurde. Bei der eröffnenden "Lust der Sturmnacht" betonte er die Heftigkeit, gleichsam als Hymnus auf entfesselte Naturgewalten. Beim "Wanderlied" setzte er mit schwungvollen Rhythmen Akzente.

Der an Obertönen reiche Klang des Hammerflügels von Conrad Graf (Wien, 1827/28), den Hammer meisterhaft spielt, vermittelte Eindrücke von Einst. Verglichen mit dem Klang eines heutigen Flügels mutete das eher herb an. Dafür wurde aber der hierin schon kundigen Hörgemeinde etwas besonders Charaktervolles geboten, das sich dem Trend zur historischen Musizierpraxis einfügt. So vermochte etwa beim letzten Lied, "Alte Laute wehmüt'ger Jünglingsbrust", der Pianist beim hier stark reduzierten Part Stille auszudrücken.

Dem entsprach der Sänger bis in die letzten Verse, "und aus dem Traum, dem bangen, weckt mich ein Engel nur". Später wurde Ludwig Uhlands Gedicht "Frühlingsglaube" zunächst in der Vertonung von Josephine Lang vorgestellt und am Schluss in der Fassung ihres Lehrers Felix Mendelssohn Bartholdy. So ließ sich ein Vergleich, der ihre Grenzen deutlicher gezeigt hätte, umgehen. Mit "Die linden Lüfte sind erwacht" beginnend endeten diese Strophen mit "Nun muss sich alles, alles wenden!", bei Josephine Lang effektvoller als bei Mendelssohn.

Als Kostprobe aus Langs Klavierschaffen spielte Hammer die Elegie auf Uhlands Tod; tiefe, meist akkordische Klänge, zunächst feierlich getragen, dann auch maßvoll bewegt.

Von Fanny Hensel sang Bruns zu empfindsamen Arpeggien Uhlands Lied vom Tod einer Nonne und Kerners "Totenklage". Warum etwa auch Schumann den früh verstorbenen Norbert Burgmüller schätzte, wurde bei dessen Uhland-Liedern verständlich.

(Quelle: Münchner Merkur, 28./29.5.2005 - Arno Preiser)

Brahms im Originalton (7.5.05) Zum Seitenanfang
64. Konzert

Ella Sevskaya und Reinhold Buhl in Marthashofen
Was historische Tasteninstrumente angeht, ist Reinhold J. Buhl in seinem Musikhaus Marthashofen immer für eine Überraschung gut: Sein neuester Flügel wurde in der Werkstatt von Johann Baptist Streicher in Wien 1870 gebaut, Johannes Brahms besaß ein nur um ein Jahr älteres Instrument des gleichen Erbauers. Was liegt also näher, als dieses Instrument, das im süddeutschen Raum singulär ist, mit Brahmsschen Werken erklingen zu lassen? Und da der Hausherr Cellist ist, standen die zwei Sonaten für Klavier und Violoncello op. 38 und op. 99 in F-Dur auf dem Programm des jüngsten Kammerkonzerts. Am Flügel saß die gebürtige Russin Ella Sevskaya, die einen Schwerpunkt ihrer Arbeit in der Beschäftigung mit historischen Tasteninstrumenten sieht.

Den Kopfsatz der c-moll-Sonate gingen die Musiker sehr vorsichtig an: Fast aus dem Nichts heraus entwickelte der Cellist das erste Thema, erst allmählich gewann die aus mystischer Tiefe emporsteigende Kantilene offenere Konturen. Die Pianistin entlockte dem Flügel einen sehr obertonreichen und zugleich klangvoll differenzierten Ton, doch war sie stets darauf bedacht, die richtige Balance der beiden Partner zu wahren. In den entschiedeneren Phrasen dominierte der große Ton, die beiden Künstler vergaßen aber auch hier nie, den Klang aus dem Atem heraus zu entwickeln. Im rhythmisch akzentuierten Spiel des Allegretto unterstrich Buhl die Indifferenz zwischen Moll und Dur durch eine gezielt fragile Tongebung, die sich im Mittelteil in eine schön fließende Bewegung auflöste. Der unbedingte Wille zum Ausdruck charakterisierte das Schluss-Allegro, dessen kontrapunktische Ernsthaftigkeit sich auch durch den sehr vollen Klang des Flügels vermittelte.

Eher der klassischen Norm entspricht die Viersätzigkeit der F-Dur-Sonate. Eindringlich geriet hier der zweite Satz, in dem das Cello zunächst eine singend geführte Melodie des Klaviers im Pizzicato sekundierte. Anschließend spürte der Cellist einfühlsam der Intensität seines Tons nach. Plastische Wirkung entfalteten die harmonischen Wendungen im Finale, die trotzdem in organischer Bewegung zu vernehmen waren.

Zwei sehr von der Oberstimme her geleitete Intermezzi aus op. 118 trennten die beiden Duowerke. Deren leidenschaftliche Diktion war denn auch verantwortlich für manche interpretatorische Freiheit, die sich Sevskaya nahm.

Der wunderbare Klang des Brahms-Flügels macht neugierig auf weitere Konzerte. Seine Andersartigkeit lässt sich vom Hörer aus nicht von der Tatsache ableiten, dass die Technik eben noch nicht so vollkommen ist. Vielmehr ist das Klangideal hier ein ganz anderes - und das macht den besonderen Reiz aus.

(Süddeutsche Zeitung, 10.5.2005 / Klaus Mohr)


Im anmutigen Dialog mit zwei Streichern (9.4.05) Zum Seitenanfang
63. Konzert

Als extrem seltene Klangverbindung stellten sich beim 63. Kammerkonzert im Musikhaus Marthashofen die rumänische Bratscherin Aida Carmen Soanea und der Gitarrist Wulfin Lieske vor. Doch spielte das Duo auch mit dem Cellisten Reinhold J. Buhl, dem Hausherrn, das "Terzetto concertante" von Niccolò Paganini.

Der italienische Stargeiger bekannte, es gefiele ihm, die Geige "a pizzicare la chitarra " zu spielen. Als Gitarrist trat er aber nie öffentlich auf, das lnstrument diente ihm vor allem zum Komponieren. Einer früheren Serenade für Viola, Gitarre und Violoncello ließ er 1833 das "Terzetto concertante" D-Dur folgen.

In Marthashofen nutzten die Musiker die Möglichkeit, auch solistisch hervorzutreten, bravourös. So griffen die Streicher das Fanfarenmotiv, mit dem der Gitarrist das Eingangsallegro eröffnete, auf, bis Aida Carmen Soanea eindringlich ein absteigendes Thema gestaltete. Der Cellist konterte kraftvoll. Die Melodik schien kaum der Romantik verwandt, sondern auch von klassischem Zuschnitt, was letztendlich nicht besonders verwunderlich ist, denn Paganini wurde bereits 1782 geboren.

Das Trio setzte mit beschwingtem Menuett und ausgedehntem Trio fort, wo der Gitarrist zu weichem Pizzicato der Streicher ein Solo wie bei einem Ständchen entfaltete. Dann begleitete er diese im Adagio cantabile bei anmutigem Zwiegespräch. Solistisch traten die Drei beim Schluss-Walzer (Rondo) erneut hervor.

Das übrige Programm war dem Duo vorbehalten. Aus der Romantik erklang die "Balada" des Rumänen Ciprian Porumbescu (1853 - 1883), nach dem sich das Dorf Stupca, in dem er lebte, später nannte.

Von Gitarrenakkorden gestützt, vertiefte sich die Bratscherin in die ausdrucksgesättigte Melodik, die mit schnellen, ebenfalls von rumänischer Volksmusik angeregten wechselten. Bei Manuel de Fallas "Siete Canciones espanolas" entsprach sie einfühlsam dem Gesang, während Lieske mit Virtuosität von Flamenco-Rasgueados,Acciacaturas-Kaskaden oder Glissando-Arpeggien entfaltete.

Zu Beginn hatte das Duo bei Bartóks "Rumänischen Tänzen " erregende Rhythmik herausgearbeitet. Später stellte es Lieskes " Vocalise et fureur" vor, wobei "Vocalise" zarte Klänge bedeutete und "fureur" Motorik. Bei Debussys "Six épigraphes antiques" suchte das Duo Klängen zu entsprechen von Panflötenbeschwörung und Nachtstückpoesie, Schellenrhythmik und rätselhaft-orientalischer Melodik. Von Piazzolla folgten zum Abschluss des Kammermusikabends die Kompositionen "Cafe" und "Nigthclub".

(Münchner Merkur, 13.4.2005 / Arno Preiser)
Vertiefung und Wiederholung (12.2.05) Zum Seitenanfang
61. Konzert

In der Marthashofener Konzertreihe wird ein neues Konzept erprobt

Reinhold J.Buhl, ehemals Solo-Cellist beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, erprobte im Musikhaus Marthashofen beim 61. Kammerkonzert stärker als bisher eine Neuorientierung: statt allzu reichhaltiger Programme künftig eher Vertiefung und auch Wiederholung. Die Violinistin Christiane Stransky, nach einem Studium in Dresden mit Zeitvertrag bei den Münchner Symphonikern tätig, und Buhl, der auf einer Viola da Gamba des Instrumentenbauers Joachim Tielke von 1700 spielte, begannen mit einer Fantasia von Orlando di Lasso.

Obgleich dieser vor allem auch Lautenist war, sprach aus der Fantasia der edle Klang eines Großmeisters der Renaissance. Anregende Mehrstimmigkeit wechselte mit abgerundeter Euphonik. Dem neuen Motto gemäß bildete das Stück zum Abschluss des Konzerts die Zugabe. Sinnvoll erschien auch die Wiederholung des kleinen Zyklus "Die Woche" von Emil Himmelsbach (1910-1984). Dieser fand über seine anthroposophische Weltanschauung zu einer modernen Tonsprache mit Anklängen an die nicht jedem Musikfreund ohne weiteres verständliche Zwölftonmusik der Wiener Schule. Geigerin und Cellist ergänzten sich einfühlsam.

So erschienen "Sonntag" und "Montag" als vitale Sinnbilder für Sonne und Mond, wirkten "Dienstag" kraftvoll wie Mars, "Mittwoch" flink und beredt wie Merkur. Überzeugten "Donnerstag" als maßvoller Jupiter und "Freitag" als liebliche Venus, so bildete "Samstag" als Symbol der weiten Bahn des Saturn den ernsten, beruhigenden Schluss.

Zunächst erklang Joseph Haydns Duo D-Dur. Violinistin und Cellist nahmen das Eingangs-Adagio-non-molto keineswegs zu langsam, stellten ihm ein an Einfällen reiches Allegro gegenüber und endeten mit einem wienerischen Menuett. Die beiden Musiker wechselten nun von der Wiener Klassik zur tschechischen klassischen Moderne, zu Bohuslav Martinus Duo D-Dur, 1958. Kraftvoll griffen sie beim harmonisch kühnen Eingangsallegretto zu, so dass der Komponist fast aIs tschechischer Bartók erschien. Beim Adagio betonten sie sangliche Momente etwa in Geigenpassagen über Pizzicato-Akkorden des Cellos oder zartem Flageolett über ruhiger Kantilene. Den Poco-allegro-Schluss gestaltete das Duo mit musikantischer Verve und brachte die mährische Melodik ausdrucksvoll zur Geltung.

(Münchner Merkur, 17.2.2005 / Arno Preiser)
Brillante Arpeggien und virtuose Cellopassagen (20.11.04) Zum Seitenanfang
60. Konzert

Mendelssohn-Konzert in Grafrath

Viele Kammermusikliebhaber ließen sich die Gelegenheit, das gesamte Werk für Violoncello und Klavier von Felix MendeIssohn Bartholdy im Musikhaus Marthashofen in einem einzigen Konzert kennen zu lernen, nicht entgehen und zeigten sich danach sehr angetan. Da spielten Hausherr Reinhold J .Buhl auf dem italienischen Violoncello von 1698 und Christoph Hammer am Wiener Fortepiano von 1828 die 1. Sonate B-Dur, 1838. César Franck war von ihr so begeistert, dass er sie schon 1840 mit dem Cellisten Rignault in Paris vorstellte. Buhl gestaltete die Melodik des einleitenden Allegro vivace mit sonorem Bass wie dann klangvoller Höhe. In letzterer Lage gefiel der Ton des vom Pianisten klar und prägnant gespielten Hammerflügels besonders. So plätscherten Arpeggien zu langen Cellotönen, dann wieder steigerte das Duo sangliche Momente zu dramatischen.

Als später die wenige Jahre danach entstandene zweite Sonate D-Dur erklang, bot sich den Hörern ein Vergleich zwischen der dreisätzigen und Mendelssohns einziger viersätziger Sonate an. Statt eines Allegro vivace beginnt sie mit einem vom Duo stürmisch dargestellten Allegro assai vivace, das den freudigen Überschwang des Frühromantikers verriet.

Dieser Rhythmik stellte das Duo die Lyrik brillanter Klavierarpeggien und virtuoser Cellopassagen gegenüber. Statt des Andante ist es nun, gleichsam als Intermezzo, ein Allegretto scherzando, wo der Cellist den leichtfüßigen Klavierpart teils mit warmem Pizzicato ergänzte, und ein Adagio, das das Duo mit der Großartigkeit einer Choralfantasie vortrug. Es klang mit gewichtigem Pizzicato aus. An die Stelle des Allegro-assai-Schlusses tritt ein Molto allegro e vivace, dessen brillante Effekte das Duo bis zur fulminanten Schlusssteigerung mit Bravour vorführte.

Stärker aufeinander bezogen sind die Parts, bedeutender wirkte denn auch die 2. Sonate. Bei den "Variations concertantes" D-Dur, die Mendelssohn 20-jährig wie die erste Sonate für seinen Bruder Paul, ein Amateurcellist, schrieb, ließ das Duo der schwärmerischen Melodie Variationen folgen, deren brillanten Wendungen sie mit geradezu jugendlichem Feuer entsprachen. Sie endeten mit dem für Mendelssohns melodische Ideale bezeichnenden "Lied ohne Worte" (1845), einer Cellistin gewidmet.

(Quelle: Münchner Merkur, 4./5.12.2004 / Arno Preiser)
Beklemmender Abschied (24.10.04) Zum Seitenanfang
59. Konzert

Wörner und Hammer gestalten Schuberts "Winterreise"

Franz Schubert hat seinen Liederzyklus die "Winterreise" aus dem Jahr vor seinem Tod (1827) selbst als "Zyklus schauerlicher Lieder" bezeichnet. Die letztlich ausweglose Situation des Wanderers, aber auch die eigene Todesahnung des Komponisten liegen wie ein tiefer Schleier über den Gesängen. Das strahlende Herbstwetter und das schwindende Licht am Spätnachmittag taten am Sonntag im Musikhaus Marthashofen ein Übriges, die Stimmung zwischen aufflackerndem Leben und unausweichlichem Tod zu unterstreichen. Dominik Wörner (Bassbariton) und Christoph Hammer am Hammerflügel, den Conrad Graf in diesen Jahren 1827/28 fertigte, waren die Interpreten der " Winterreise".

Andächtige Stille

Sie trugen den Zyklus im intimen Rahmen, der der Situation, als Schubert die Lieder seinen Freunden vorstellte, ähnelte, so unmittelbar fesselnd vor, dass die Zuhörer in andächtiger, am Ende gar in fast beklemmender Stille verharrten. Die beiden Künstler reihten die Lieder fast ohne Zwischenpausen aneinander, so dass ihr Spannungsbogen erhalten blieb. Der Stimmlage des Interpreten entsprechend, wählten sie durchgängig eine um das gleiche Intervall tiefere Tonart, womit das von Schubert beabsichtigte Verhältnis der Tonarten untereinander gewahrt blieb.

Im Eingangslied " Gute Nacht", das die Grundsituation "Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus" thematisierte, übernahmen der unerbittlich pochende Achtelrhythmus, die deutlich gesetzten Betonungsakzente und die große dynamische Breite programmatische Funktionen. Lautmalerisch umgesetzt vernahm der Hörer den Wind in "Die Wetterfahne". Klangvoll auch in der Tiefe deklamierte Dominik Wörner den Text deutlich, doch nie überzogen in dem Lied "Gefrorne Tränen". Ein schöner Spannungsbogen entfaltete sich in dem Lied "Auf dem Flusse", wozu die bis an den unteren und den oberen Rand ausgedehnte Dynamik ihren Beitrag leistete.

Eindrucksvoll geriet die Kontrastierung verschiedener Ausdrucksgehalte in dem Lied "Frühlingstraum", als auf den unbeschwerten Beginn nach nur wenigen Takten eine mit dramatischem Impetus vorgetragene Passage folgte. Das gelungene Zusammenwirken von Sänger und Pianist zeigte sich exemplarisch in "Einsamkeit", als beide einander immer wieder folgten und die jeweils andere Stimme durch Impulse bereicherten. Die doppelbödig behagliche Terzenseligkeit in
"Der Wegweiser" konnte doch nicht verschleiern, dass die Entscheidung für eine Straße, "die noch keiner ging zurück" schon gefallen ist.

Statt einer Zugabe gab es zum Schluss das von Herzen kommende Dankeschön für die Interpreten vom Hausherrn Reinhold J .Buhl.

(Süddeutsche Zeitung, 26.10.2004 / Klaus Mohr)
Entdeckungen zum Staunen (26.9.04) Zum Seitenanfang
58. Konzert

Hinreißender Petrarca-Abend in Marthashofen

Petrarca - ein großer Name; jedoch bei genauerem Hinsehen stellen die meisten fest, dass sie damit nur Weniges verbinden können. Am ehesten noch Laura, die unnahbare Geliebte, der Petrarca eine Unzahl von Liebesgedichten gewidmet hat. Vielleicht weiß man auch, dass Petrarca mit Dante und Bocaccio zu den drei bedeutendsten Dichtern Italiens gehört. Am 20. Juli war sein 700. Geburtstag, was aber wenig beachtet wurde. Jetzt haben die "Marthashofener Kammerkonzerte" diese Lücke mit einem hoch bedeutenden, sehr schönen Liederabend unter dem Motto "Bilder einer modernen Seele" gefüllt.

Die beiden Künstler dieser Soiree, der Bariton Martin Bruns und Christoph Hammer am Hammerflügel, sind auf die Suche gegangen und haben Hunderte von Petrarca-Liedern gefunden, alles unbekannte Werke. Selbst der Höhepunkt aller Petrarca-Lieder, drei Gesänge von Franz Schubert, und der zweite Höhepunkt "Tre Sonetti del Petrarca" von Franz Liszt, sind fast nie zu hören. Martin Bruns und Christoph Hammer haben aus einem Teil ihrer Sammlung einen Liederabend voll staunenswerter und wunderbarer Entdeckungen gestaltet. So erinnerte Martin Bruns an den Engländer James Hook, der 2000 Lieder geschrieben hat - alle vergessen - darunter einen "May Morning" ziemlich frei nach Petrarca.

So neu - neu fürs ganze europäische Publikum - und interessant wie dieser Hook-Song waren auch die Petrarca-Lieder von Johann Franz Xaver Sterkel und Johann Reichardt - beides Komponisten der Goethe-Zeit - und von dem einst bekannten Rossini-Zeitgenossen Moritz Hauptmann.

Sphärenhafte Klänge

Aber was ist das im Vergleich zu den Liedem von Schubert und Liszt, wie tief haben diese die Lyrik Petrarcas erfasst und wie genial ist ihre Musik. Martin Bruns hat sich sehr in die große Kunst Petrarcas und der von ihr inspirierten Musiker vertieft und sang dementsprechend mit seiner ausgezeichnet geführten, wohl timbrierten Stimme sehr ausdrucksvoll.

Das Petrarca-Jahr 2004 haben einige Münchner Komponisten, darunter Peter Kiesewetter in Vogach und Rudi Spring in Weßling, zum Kompositionsanlass für Lieder genommen. Spring lässt in einem langen Zwiegesang Petrarca in deutscher Sprache und in der Klavierbegleitung etwas brummig und Laura auf Italienisch zu fast sphärenhaften Klängen am Klavier aneinander vorbei singen, was Bruns deutlich zeigen konnte.

Der fast skurrile Versuch von Mario CasteInuovo-Tedesco, drei KIavierpräludien von Chopin mit Petrarca-Versen zu unterlegen, und ein französisches "Sonnet de Petrarque" beendeten dieses eindrucksvolle Marthashofener Konzert, das mit einem von Petrarca angeregten französischen Gedicht von Victor Hugo begonnen hatte.

(Süddeutsche Zeitung, 29.9.2004 / Adolf Karl Gottwald)
Mit großem Klang (24.7.04) Zum Seitenanfang
57. Konzert

Buhl und Hammer schließen ihren Beethoven-Zyklus ab

Noch einmal versammelte sich am Samstag die treue Beethoven-Fangemeinde im Musikhaus Marthashofen, um das letzte Konzert des fünfteiligen Beethoven-Zyklus zu hören. Neben Reinhold J. Buhls Mailänder Cello von Grancino (1698) kam diesmal wiederum ein Originalflügel des Wiener Pianofortemachers Conrad Graf aus den Jahren 1827/28 zum Einsatz. Gegenüber dem gleich alten Instrument desselben Erbauers aus den letzten Konzerten hat dieses Instrument mit 6 1/2 Oktaven Tonumfang aber mehr tonliche Möglichkeiten und aufgrund seiner größeren Bauweise auch eine andere Klangcharakteristik: Sie ist weniger silbrig hell als vielmehr volltönend dunkel, von der Zuverlässigkeit des Anschlags jedenfalls ganz hervorragend vom Spieler zu beherrschen. Von diesen Vorzügen beflügelt, entfaltete Christoph Hammer sowohl im Duopart mit dem Hausherrn am Cello, aber auch in Solobeiträgen einen eindrucksvoll überzeugenden Vortrag.

Die ursprünglich für Horn und Klavier komponierte Sonate op. 17, hier in der Version für Cello und Klavier von 1799 eröffnete das Konzert. Dialogisierend näherten sich die beiden Partner musikalisch im Kopfsatz einander an, um sogleich gemeinsam zwischen pathetischen, fast dramatischen Passagen, und zarten Einschüben zu wechseln. Wie eine leidenschaftliche, doch introvertierte Arie präsentierte der Cellist das f-moll-Adagio, bevor ein befreiend heiteres, doch nie oberflächliches Rondo das Werk abschloss.

Mit Beethovens Klaviersonate op. 101, mit der im Jahr 1816 dessen Spätwerk begann, verwies Christoph Hammer am Beginn klar auf die Kraft der Melodie und durch den überlegten Pedaleinsatz auf die Vorboten romantischer Empfindung. Damit kontrastierte der durch straffe Punktierungen mit fast unerbittlicher Schroffheit intonierte punktierte Rhythmus im folgenden Satz. Weitere Pole lotete Hammer stilsicher mit dem fast unwirklichen Klangeindruck (im Adagio) und polyphoner Strenge aus, bevor eine thematische Rückkehr zum Beginn den Bogen zurück spannte.

Die letzte von Beethovens Klavier-/Cello-Sonaten, op. 102 Nr. 2 aus dem Jahr 1815, erklang nach der Pause. Ein gut abgestimmter Dialog beider Partner prägte das Eingangs-Allegro, wobei der charakteristisch-expressive Ton des Cellisten und die profunde Klangfülle des Klaviers den hohen Energiegehalt des Satzes gut zum Ausdruck brachten. Das gravitätische Schreiten im Adagio steigerte sich im Verlauf an Höhe und Intensität des Tons und bildete so eine gute Grundlage für die die Sonate abschließende Fuge. Trotz der motivischen Verschränkung der Instrumente und dem daraus resultierenden dichten Stimmengeflecht waren die Themenköpfe stets klar herausgearbeitet. Freundlicher Beifall.

(Quelle: Süddeutsche Zeitung, 26.7.2004 / Klaus Mohr)

Ein Dutzend Variationen über Händel-Thema (19.6.04) Zum Seitenanfang
56. Konzert

Beethoven-Zyklus fortgesetzt

Den vierten Konzertnachmittag des Beethoven-Zyklus im Musikhaus Marthashofen leiteten der Pianist Christoph Hammer und der Cellist Reinhold J. Buhl mit einer Wiedergabe der Variationen über ein Thema aus Händels Oratorium "Judas Maccabäus" ein.

Im Zusammenklang des Wiener Hammerklaviers von 1828 und des italienischen Violoncellos von 1698 wirkte die Melodie von "Tochter Zion, freue dich" erquickend. So ließ sich verstehen, dass es den 26-jährigen Ludwig van Beethoven reizte, das hymnische Lied zwölfmal abzuwandeln.

Von der ersten Variation, ein Klaviersolo, an musizierte Hammer mit stürmischer Bravour, dann wieder zart. Mitunter klang das obertonreiche Fortepiano wie eine Flötenuhr. Der Cellist wechselte wiederholt von teils herber Tongebung zu sanftem Spiel. Endlich folgte der besinnlichen elften Variation ein tänzerisch-bewegter Schluss. Später spielte das Duo die Sonate C-Dur op.102/1, 1815).

Fand Beethovens Experimentierfreude hier zu freier, neuartig-phantasievoller Art, so nannte das ein Kenner "ungeglättete Widerborstigkeit". Das Duo schien dem zu entsprechen. Dem sanft fließenden Einleitungsandante ließ es ein "Allegro vivace" mit wuchtig absteigendem Cello-Motiv und Brüchen im längst nicht mehr harmlos-harmonischen Verlauf folgen. Momente des Phantastischen arbeitete es auch beim rhapsodisch anmutenden Adagio heraus, bevor es den Allegro-vivace-Schluss mit seiner anspruchsvollen Polyphonie wie eine Summe melodischer und rhythmischer Erkenntnisse des gereiften Wiener Klassikers darstellte.

Zuvor hatte der Pianist die ebenfalls schwer zu spielende Sonate e-Moll op.90 von 1814, die aus nur zwei Sätzen besteht, vorgestellt. Widersprüchlich scheint schon die Bezeichnung "Mit Lebhaftigkeit und durchaus mit Empfindung und Ausdruck". Hammer durchforstete die teils spröden Passagen kraftvoll und zügig, so wechselten dramatische Eindrücke mit lyrischen. Ausgleichend wirkte der zweite Satz, "Nicht zu geschwind und sehr singbar vorgetragen", ein liedhaftes Melos, das Hammer farbig nuancierte. Er machte klar, dass sie alles andere als "Kleinigkeiten" sind. Dem lyrischen Element des eröffnenden Andante stellte er ein launiges Allegro gegenüber, worauf das "Andante cantabile e grazioso" besänftigend wirkte. Energisch griff er beim Presto zu, auf dessen Erregung das "Quasi allegretto" zu reagieren schien. Aufgeregt wirkte die letzte Bagatelle, dann aber versöhnlich. Viel Beifall; Vorfreude aufs Finale des Beethoven-Zyklus am 24. Juli.

(Quelle: Münchner Merkur, 26./27.6.2004 / Arno Preiser)
Energiegeladener Zugriff und lyrischer Ton (29.5.04) Zum Seitenanfang
55. Konzert

Beethoven in Marthashofen

Das Schwergewicht des dritten Konzerts im Beethoven-Zyklus des Musikhauses Marthashofen lag bei der Sonate A-Dur, zu der Hausherr Reinhold J.Buhl (Violoncello) die zahlreichen Besucher mit Soli und Duos hinführte. Vom persönlich anwesenden Professor Franz Beyer stammte die das Kammerkonzert eröffnende Bearbeitung von Ludwig van Beethovens Adagio für eine Spieluhr, 1799.

Was auf der Orgel als eine Art Romance am Hörer vorbeizieht, gewann im Spiel des Cellisten auf seinem italienischen Instrument von 1698 an kantabler Empfindung. An einem Hammerflügel von Conrad Graf (Wien 1827/28) trug Christoph Hammer zum innigen Eindruck der Variationen wesentlich bei. Ein schlichtes Menuett von Allegretto-Beschwingtheit war die launige Duo-Abrundung. Bei der folgenden Klaviersonate c-Moll op,10/1 schlug Christoph Hammer schon eingangs (Allegro molto e con brio) mit dem Wechsel von draufgängerischem Zugriff und zartem lyrischem Gestalten einen Ton an, der auch das weitere Programm bestimmte. Davon hob er das Adagio molto mit dem Filigran seiner Verzierungen als hoheitsvoll ab und bewältigte das aufgeregte Prestissimo-Finale mit virtuoser Bravour. So erschien die Sonate als Geniestreich des 28-jährigen Beethoven. Die geradezu ideale Ergänzung bildeten die Variationen über ein eigenes Thema op.34 von 1802. Zu deren kunstvoller Art gehört der ständige Wechsel der Tonart nach Vorstellung des Themas in F-Dur. Auf dem obertonreichen Flügel vermochte der Interpret die sechs Variationen als individuelle Kompositionen, das heißt wie Charakterstücke abzuschattieren. Die ein wenig melancholisch gefärbte Melodie, ein Adagio, mit ihren absteigenden Terzen schien Holzbläsern abgelauscht. Von den Variationen wirkten die erste verspielt, die in Art eines Scherzos gehaltene zweite fast heroisch. Ein Dolce e semplice, einer Hirtenmusik vergleichbar, war die Antwort. Es folgten ein keinesfalls ländliches, sondern höfisches Menuett und ein Trauermarsch. Bei der freudigen Schlusskanzonette ließ Christoph Hammer Läufe und Arpeggien über alle Oktaven sausen.

In Teil II interpretierte das Duo die Sonate A-Dur op.69 (1807-1808). Eindringlich musizierte der Cellist die anmutige, von Beethoven mit dolce bezeichnete Melodie des einleitenden Allegro ma non tanto. Auch weiterhin, so beim bald folgenden energiegeladenen Konzertieren mit dem Pianisten, zog er mitunter um der ausdrucksvollen Gestaltung willen einen herben Klang dem glatteren eines Belcanto vor. Dass sein Spiel dabei stets sanglich wirkte, widerspricht dem nicht. Zu erleben war das auch beim vielgestaltigen Scherzo (Allegro molto) in Moll mit dem wiederholten Trio in Dur. Dann schien der Cellist nach dem expressiven Gehalt des Adagio cantabile zu schürfen, bis sich das Duo in den Schlusssatz, ein Allegro vivace, stürzte. Der Beifall zeigte, dass die Fortsetzung des Beethoven-Zyklus willkommen ist.

(Quelle: Münchner Merkur, 3.6.2004 / Arno Preiser)
Heiter und voll Leidenschaft (27.4.04) Zum Seitenanfang
54. Konzert

Zweites Beethoven-Konzert mit Hammer und Buhl

Zum zweiten Konzert des Zyklus mit allen Werken für Klavier und Violoncello von Beethoven rief Reinhold Buhl in sein Musikhaus in Marthashofen am vergangenen Samstag, diesmal mit Werken der frühen Wiener Zeit um 1800. Christoph Hammer musizierte wieder auf der Kopie eines Hammerflügels nach Anton Walter (Wien um 1800), Reinhold Buhl auf einem Violoncello von Giovanni Grancino aus Mailand von 1698.

Die berühmten Variationen über Mozarts Duett aus der Zauberflöte "Bei Männern, welche Liebe fühlen" eröffneten das Programm. Dem sanglichen Duktus des von beiden Instrumenten in abwechselnder Führung vorgetragenen Themas entsprachen auch die Variationen. Flexibel in der Tongebung, die zahlreichen Verzierungen jeweils auf einen Zielton hin ausgerichtet sowie in der Moll-Variation sehr zurückhaltend und doch höchst klangvoll, waren die einzelnen Veränderungen individuell ausgeprägt und doch zu einer zusammengehörigen Folge gereiht. Einen Höhepunkt stellte die Variation dar, in der der Pianist eine sehr ausdrucksstarke Arie aus den Tasten zauberte und der Cellist die sich daraus entwickelnde Szene kommentierte.

Die nächsten Werke entfernten sich von der mehr heiteren Empfindung und betraten leidenschaftliches Terrain. Beethovens "Pathétique", seine Sonate op. 13, nahm Christoph Hammer im Kopfsatz mit einem majestätischen Zugriff; imrmer wieder wurde das Pathos von einer allmählich ins Laufen kommenden Bewegung durchkreuzt, bevor sich der stürmische Impetus endgültig Bahn brach. Von der organisch entwickelten Urkraft war die ganze Interpretation geprägt, wobei die Gegensätze immer wieder auch schroff nebeneinander gestellt wurden. Innig im Ausdruck und mit klarer Phrasierung vernahm der Hörer das Adagio, spielerisch das Rondo. In der "Wut über den verlornen Groschen", einem Rondo für Klavier, tobte Hammer die Wut musikalisch aus. Sehr impulsiv und in hohem Tempo hob er die konstitutiven Töne markant hervor und orientierte sich so am großen Bogen, wobei auch der entschiedene Anschlag eine Wiedergabe aus einem Guss entstehen ließ.

Der rezitativische Beginn der Duosonate in g-moll op. 5 Nr. 2 machte den Weg frei zu einem improvisatorischen Duktus des Spiels. Aus dieser Freiheit entstand auch die bis an die Extreme reichende Leidenschaftlichkeit des Ausdrucks im folgenden Allegro. Wie eine Lösung des existentiellen Konflikts aus dem vorherigen Satz war das Schluss-Rondo danach eine Offenbarung an Heiterkeit und Gelöstheit, doch stellte das gleiche Engagement der Künstler eine weitere verbindende Brücke innerhalb der Sätze her. Die sich auf den Hörer unmittelbar übertragende Inspiration der Interpreten war sicher für den großen Beifall am Schluss verantwortlieh.

(Quelle: Süddeutsche Zeitung, 27.4.2004 / Klaus Mohr)


Eloquenter Dialog und vorsichtige Balance (31.3.04) Zum Seitenanfang
53. Konzert

Beethoven-Zyklus im Musikhaus Marthashofen

Christoph Hammer und Reinhold Buhl spielen alle Werke für Hammerklavier und Cello

Reinhold Buhl, umtriebiger Cellist und Konzertimpresario in Marthashofen, hat sich für dieses Jahr wieder einen besonderen Akzent einfallen lassen. Sämtliche Werke für Klavier und Violoncello von Ludwig van Beethoven sollen in voraussichtlich vier Konzerten aufgeführt werden. Dabei kommen drei verschiedene Hamrnerflügel zum Einsatz, die im Zusammenhang mit der Entstehungszeit der jeweiligen Werke stehen. Mit Christoph Hammer hat Buhl wieder einen ausgewiesenen Spezialisten für das Hammerklavier als Kammermusikpartner gefunden.

Im ersten Konzert vom vergangenen Samstag waren wieder so gut wie alle Plätze besetzt. Christoph Hammer musizierte auf der Kopie (von Robert Brown) eines um 1800 gebauten Instruments von Anton Walter, Reinhold BuhI auf einern Cello von Giovanni Grancino aus Mailand (1698).

Zu der ersten der fünf Duo-Sonaten, die, so Reinhold Buhl, eigentlich Klaviersonaten mit sekundierendem Cello sind, gesellten sich als Solobeiträge des Pianisten die erste Klaviersonate in f-moll op. 2 Nr. 1 (1795) sowie die selten gespielten sieben Variationen über ein Thema von Peter von Winter "Kind willst du ruhig schlafen".

Das Programm wurde eröffnet mit den berühmten zwölf Duo-Variationen über das Thema "Ein Mädchen oder Weibchen" aus der Mozart-Oper "Die Zauberflöte". Der gewissen Unzufriedenheit des Hausherrn war es wohl zuzuschreiben, dass das Werk sofort anschließend in Gänze noch einmal gespielt wurde.

Die das Konzert beschließende Sonate für Klavier und Violoncello in F-Dur op.5 Nr.1 stellt an den Pianisten höchst virtuose Ansprüche. Diesen wurde Christoph Hammer auf brillante Weise gerecht, ließ keine Grenzen, die das Instrument oder der Spieler vorgibt, spüren und nuancierte höchst sensibel und mit großer Stilsicherheit.

Der Cellist entwarf dazu im Kopfsatz weite Bögen und erfüllte seine Kantilenen mit warmem Ton. Das folgende Allegro lebte von der pulsierenden Begleitung in der linken Hand des Klaviers, wodurch der Grund gelegt wurde für ein eloquentes Dialogisieren zwischen beiden Partnern. Dabei stand die richtige Balance und die stete Aufmerksamkeit dem Partner gegenüber stets im Vordergrund. Fast dramatische Züge nahm das Schluss-Rondo mitunter an, und Reinhold Buhl setzte dazu auf einen kernigen, sehr ausdrucksstarken Ton, der vorn Pianisten auf seine Weise eindrucksvoll sekundiert wurde.

Dem dramatischen Impetus fühlte sich Christop Hammer auch in der leidenschaftlichen f-moll-Sonate verpflichtet, deren einleitende Akkordbrechungen er aus ungestümem Sturm und Drang heraus entwickelte.

Viel Beifall und Bravo-Rufe gab es für die Künstler, die das nächste Konzert am 24.April als "Zugabe" ankündigten.

(Quelle: Süddeutsche Zeitung, 31.3.2004 / Klaus Mohr)
Einfallreiches Spiel mit verteilten Rollen (1.3.04) Zum Seitenanfang
Konzert für zwei Tafelklaviere

Extrem seltene Stücke für "Klavier zu vier Händen" bildeten das Programm des 52. Konzerts im Musikhaus Marthashofen. Nachhaltig beeindruckte das Duo Ella Sevskaya und Michael Günther, das abwechselnd an den ältesten erhaltenen Tafelklavieren, aus Schloss Homburg, musizierte.

Das eine Instrument stammt von Friedrich Becker (London 1769), das andere von Joseph Anton Boos (Mainz, um 1770).

Spielte einst der neunjährige Mozart mit seiner Schwester Nannerl auf der Londoner Konzertreise seine Sonate C-Dur KV 19 d, so saßen nun eine ukrainische Pianistin und ein deutscher Pianist an so einem Tafelklavier. Da es damals noch keine vorbildhaften vierhändigen Werke gab, ist die Leistung des Wunderknaben, eine Sonate zu komponieren, um so erstaunlicher. Mit klaren Forte-Piano-Kontrasten spielte das Duo die Akkorde und sonstigen, teils mit Trillern verzierten Figuren des Eingangsallegro. Beim gemächlicheren, anmutigen Menuett verdeutlichten die Virtuosen das einfallsreiche, partnerschaftliche Spiel sozusagen mit verteilten Rollen, beim Schlussrondeau (Allegretto), in schneller, dann wieder langsamerer Gangart, dessen spielfreudige Art.

Wenn es auch nicht sicher ist, ob Mozart die vierhändige Klavierliteratur begründete, schuf er hier doch sehr Bedeutendes, darunter das Andante mit fünf Variationen KV 501 (Wien 1786). Vermutlich war es für zwei Klaviere bestimmt und wurde von Mozart aus finanziellen Gründen auf ein Instrument zurechtgestutzt. Dem anmutigen Thema (ganze 18 Takte) ließ das Duo vielgestaltige Abwandlungen folgen. Deren kunstvollem Part wurde es etwa auch beim Ineinandergreifen der Hände gerecht und setzte mit Akkorden klangvolle Akzente. Eine für Mozart charakteristische Überraschung: bei der letzten Variation ein Wechsel von G-Dur zu Es-Dur.

Von Johann Christian Bach wiederum erklang die Sonate F-Dur op.18/6 (1786). Obwohl aus nur zwei Sätzen bestehend, weist etwa auch dieses "Duett für ein Klavier" in die Zukunft. Das Duo stellte dem Allegro mitseinen rauschenden Steigerungen von fast sinfonischer Art und seinen freudigen Trillern ein nicht minder abwechslungsreiches Rondeau gegenüber. Bei dem noch folgenden Rondeau C-Dur op.15 von 1778 war der Einfallsreichtum des "Mailänder" oder "Londoner" Bach einmal mehr zu erleben. Wie verbreitet dessen galanter Stil war, zeigte das Duo am Duetto C-Dur des Neapolitaners Tommaso Giordani (1780er-Jahre), der über London nach Dublin kam. Einem Allegro schloss sich hier eine "Fanfare", darunter ein militärisch anmutendes Motiv, an. Mit dem einsätzigen Duett F-Dur von Leopold Anton Kozeluch, Mozarts Nachfolger als Kaiserlicher Kammerkompositeur, und der einzigen vierhändigen Sonata C-Dur des von Mozart beeinflussten Johann Friedrich Hugo Freiherrn von Dalberg, einem der bekanntesten Musikamateure der Zeit um 1800, rundete das Duo sein Konzert unterhaltsam ab.

(Quelle: Münchner Merkur,1.3.2004 / Arno Preiser)

Präziser Ton mit viel Nachhall (23.2.04) Zum Seitenanfang
Konzert mit zwei Tafelklavieren im Musikhaus Marthashofen


Michael Günther und Ella Sevskaya spielen vierhändige Literatur auf alten Instrumenten


Der Stilwandel vom Barock zur Klassik lässt sich in der Musik kaum überzeugender dokumentieren als durch die Entwicklung vom Cembalo zum Hammerklavier. Entsprach der präzise, ja kalte Ton des Cembalos dem aristokratischen Ideal des Absolutismus, steht der empfindsame, modulationsfähige Klang des Hammerklaviers für die klassischen, humanistischen Ideen. Eine wichtige Etappe au! diesem Weg stellt das Tafelklavier statt. Rechteckig in der Form dem Clavichord ähnlich, verlaufen die Saiten waagerecht und parallel zur Tastatur und werden von kleinen Holzhämmerchen von unten angeschlagen. Da der Übertragungsweg zwischen den Tasten des fünf Oktaven umfassenden Instruments und den Hämmern sehr direkt ist, sind auch die Möglichkeiten, den Klang durch den Anschlag direkt zu beeinflussen, gut. Da keine Dämpfer wie beim modernen Flügel vorhanden sind, ist der Nachhall lang, was an von der Harmonik geprägten Stellen einen Effekt erzielt, wie er sonst fast nur durch das Pedal erreicht werden kann. Der lange Nachklang ist daher mit einem sehr prägnanten, direkten Ton beim Anschlag kombiniert. Der Klangeindruck ähnelt insgesamt dem eines Hackbretts, nur sind die durch die Tastenkonstruktion realisierbaren musikalischen Verläufe weit komplexer; auch ist das Tafelklavier dem Hackbrett an Klangfülle natürlich weit überlegen.

Zwei solcher erlesener, um 1770 gebauter Tafelklaviere, die heute im Schloss Hornburg stehen und von denen eines in London von Friedrich Beck, das andere in Mainz von Joseph Anton Boos hergestellt wurde, erklangen am vergangenen Samstag im Musikhaus Marthashafen. Vor allem das Mainzer Instrument kann auch als Meisterwerk der Möbelkunst bezeichnet werden, da in seinen Korpus zahlreiche Intarsien zur Verzierung eingearbeitet waren.

Zwei ausgewiesene Spezialisten auf diesem Gebiet, Michael Günther und Ella Sevskaya stellten abwechselnd an beiden Instrumenten vierhändige Literatur der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vor, die im Zusammenhang mit solchen Tafelklavieren entstanden und darauf auch musiziert worden sein dürften.

Auf dem Londoner Instrument interpretierte das Duo Mozarts auf der großen London-Reise entstandene frühe Sonate KV 19d. Erstaunlich waren hier vor allem die perlenden Tonleiterketten und die große dynamische Differenzierungsbreite.

Auf dem Instrument von Boos erklang danach eine Sonate in F-Dur des Bach-Sohnes Johann Christian, derspäter in klavieristischer Hinsicht für Mozart zum Vorbild wurde. Die deutlich größere Klangstärke dieses Tafelklaviers und der brillantere Ton ermöglichten virtuose Passagen, aber auch ein eindrucksvolles Anschwellen der Lautstärke. Das zahlreiche Publikum war hoch beglückt und dankte den Interpreten mit reichlich Applaus.

(Quelle: Süddeutsche Zeitung, 23.2.2004 / Klaus Mohr)



Orpheus-Duo sucht nach den Rarissima (18.7.03) Zum Seitenanfang
Jubiläum im Musikhaus


Vor sieben Jahren machte der Violoncellist Reinhold J. Buhl mit den Marthashofener Kammerkonzerten den Anfang. Nun gestaltete er mit der Harfenistin Silke Aichhorn das fünfzigste Konzert. Im Musikhaus unternahm das "Orpheus-Duo" mit Bearbeitungen und Originalwerken einen Streifzug vom Spätbarock bis zur Moderne.



Es begann mit Antonio Vivaldi, dem es gelang, seine Sonaten für Violoncello und GeneraIbass von 1740 mit Tanzsuiten zu verbinden. Dem Cembalo-Part entsprach die Harfenistin mit Akkorden und anmutigen Figuren. So begleitet, entfaltete der Cellist das Preludio als sangliches Largo und die Allemanda als abwechslungsreiches Allegro. Mit seiner schön verzierten Kantilene arbeitete er das folgende Largo als Herzstück der Sonate heraus. Dem stellte das Duo die abschließende Corrente als virtuoses Allegro gegenüber und genügte dessen konzertantem Stil mit Bravour.

Als das Orpheus-Duo nun von Ludwig van Beethoven Stücke für eine Spieluhr (1799) vorstellte, die in der Regel Organisten musizieren, verdeutlichte es deren Nähe zu Haydn. Folgte doch einem Adagio von berührender Cello-Melodik und klangvollen Harfenarpeggien ein Menuetto, dessen leichte und beschwingte Darstellung an den Altmeister der Wiener Klassik erinnerte. Dass sich wiederum Louis Spohr in der Gestaltung insbesondere der Melodik seiner Kammermusik von Wolfgang Amadeus Mozart beeinflussen ließ, zeigte das Duo bei einer Kostprobe aus der Sonate op.114 von 1811. Was der Violinvirtuose Spohr mit seiner Frau, einer Harfenistin, etwa auch auf Konzertreisen spielte, brachten im Marthashofener Jubiläurnskonzert der Cellist, der diesen Part geschickt adaptierte, und Silke Aichhorn zu Gehör.

Wie bei anderen Kammermusikwerken von Spohr waren auch hier Arien aus Mozart-Opern zu entdecken. In dem Potpourri aus der "Zauberflöte" grüßten Papageno und Tamino herein.

Zum 200. Geburtstag von Franz Lachner stellte die Harfenistin "Lieder ohne Worte", die bisher nicht bekannt waren, vor. Anders als bei Mendelssohn spricht auch aus diesen Instrumentalstücken Lachners, original so besetzt, nicht romantisches Empfinden, sondern an der Wiener Klassik geschultes.

Mit einer äußerst seltenen Kostprobe aus der Romantik überraschte die Harfenistin erneut, das bekannteste Stück aus Smetanas sinfonischem Zyklus "Mein Vaterland". Sie griff mit Virtuosität in die Saiten und ließ die Wellen der "Moldau" rieseln und dann rauschen.

Es war die überzeugende Transkiption des Harfenisten Hanus Trnecek, der übrigens 1904 das erste tschechische Musikfestival veranstaltete. Von Smetanas wehmütiger Melodik unterschied sich die herbe Klage des israelischen Komponisten Joseph Tal von 1950. Das Duo gestaltete dieses "Lamento" expressiv, nachdrücklich der Cellist bei abwärts führenden Tönen und verhaltenem, langem "Orgelpunkt", einfühlsam die Harfenistin.

Das Duo vertiefte die Gegenüberstellung romantischen und modernen Ausdrucks und stellte dem "Schwan" aus dem "Karneval der Tiere" von Camille Saint-Saens, eine betörende Melodie, den "Gesang des schwarzen Schwans" von Heitor Villa-Lobos als düster und klagend gegenüber.

Von dem nur wenig älteren kubanischen Komponisten Joaquin Nin y Castellanos spielte es das Stück "Granadina", ein rassiger Klang.

Mit ebenfalls raren Zugaben dankte es dem starken Beifall: ein sangliches Stück des komponierenden Harfenisten Gabriel Verdalle von 1898 und die Empfindung eines "Nach einem Traum" enttäuschten Liebenden von Gabriel Fauré, bearbeitet von Pablo Casals.

(Quelle: Münchner Merkur, 18.7.2003 / Arno Preiser)

Artistennummer auf Cellosaiten (30.4.03) Zum Seitenanfang
Reinhold Johannes Buhl feiert den 70. Geburtstag

Er verfüge über ein explosives Temperament, mit dem eine unanfechtbare Technik des Violoncellospiels Schritt halte, konstatierte vor gut einem Vierteljahrhundert ein Münchner Kritiker nach einem Konzert, das der heute in Grafrath lebende Cellist Reinhold Johannes Buhl seinerzeit gab. Ihm sei eine Artistennummer auf den Saiten geglückt. Der so gelobte wird heute, Mittwoch, in seinem "Musikhaus Marthashofen" 70 Jahre alt.

Von den großen Bühnen hat sich Reinhold Buhl mittlerweile zurückgezogen. Dennoch zelebriert der "Pionier für Alte Musik" im stillen, zu musikalischen Meditationen herausfordernden rund 100 Personen fassenden Konzertsaal seines Musikhauses in Marthashofen regelmäßig die Kammerkonzerte, in denen er zumeist selbst zu hören ist.

Geboren in Mannheim, erhielt er bereits als Zehnjähriger ersten Cellounterricht, studierte von 1945 bis 1952 bei Margot Gutbrod und feierte als 15-Jähriger erste Konzerterfolge. Wesentliche künstlerische Impulse erhielt er durch Enrico Mainardi. 1957 begann er seine Karriere als Solocellist. Im gleichen Jahr wurde er beim ARD-Musikwettbewerb in München ausgezeichnet. Sein Weg führte ihn über Mainz und Wuppertal nach München, wo er seit dem 1. September 1968 bis 1996, also fast 28 Jahre lang, mit seinem passionierten Spiel das Profil des Symphonie-Orchesters des Bayerischen Rundfunks unter Rafael Kubelik, Sir Colin Davis und Lorin Mazel prägte.

Reinhold Johannes Buhl gilt als einer Pioniere der historischen Aufführungspraxis. Er wuchs in die damalige Szene hinein. Nach seinem Examen war er 1956 Gründungsmitglied der "Capella Coloniensis" des Westdeutschen Rundfunks - einem Pionierensemble in Sachen historischer Aufführungspraxis. Buhl studierte unter anderem Bach-Suiten nach Originalvorlagen mit Musikern wie Fritz Neumeyer, Johannes Koch und Johann Sonnleithner ein.

In seinem Unruhestand in Grafrath ist er der historischen Aufführungspraxis treu geblieben, auch wenn er - wie die Programme der von ihm betreuten Marthashofener Kammerkonzerte belegen - kein Hardliner ist: "Ich freue mich natürlich auch, wenn Alfred Brendel spielt."

Buhl veröffentlichte zahlreiche Schallplatten, die unter anderem bei DGG, Philips, VOX, Harmonia mundi, FSM, Calig und Calliope erschienen. Sein Repertoire reicht von den Werken des Barocks, der Klassik und Romantik bis hin zu Janacek und Henze. In seinen stets überzeugenden Interpretationen dieser Werke ließ und lässt er sich von hoher Stilkultur und Virtuosität leiten.

Anlässlich des 70. Geburtstages bringt der Bayerische Rundfunk heute, Mittwoch, von 20.05 Uhr bis 22 Uhr die Sendung ,,30 Jahre beim Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks - zum 70. des ehemaligen Solocellisten Buhl ". Die Sendung wird auf dem Kanal Bayern 4 ausgestrahlt.

(Quelle: Münchner Merkur, 30.4.2003 / Wolfgang Kleinknecht)

Verantwortungsvolle Annäherung (7./8.9.02) Zum Seitenanfang
Der Pianist, Cembalist, Dirigent und Kunstförderpreisträger Christoph Hammer setzt sich für Alte Musik ein

Zwei sind zu wenig, mindestens ein dritter historischer Flügel fehlt noch. Da trifft es sich gut, dass Christoph Hammer - als einer der Träger des 38. Bayerischen Kunstförderpreises - gerade 5.000 Euro bekommen hat. Hammer spielt alte Tasteninstrumente, mit dem Schwerpunkt auf der Musik zwischen 1770 und 1840, einer Zeitspanne, in der die Klavierbauer pausenlos neue Entwicklungen vorantrieben. Dadurch waren die klanglichen und spieltechnischen Möglichkeiten der Klavier-Instrumente enormen Veränderungen unterworfen; die Komponisten reagierten und schrieben entsprechende Musik. Wer es darauf anlegt, all den Eigenheiten des Instrumentenbaus zwischen Haydn und Schumann gerecht zu werden, braucht viel Platz. In Hammers Arbeitszimmer stehen, neben Cembalo und modernem Flügel, bislang die Kopie eines Anton-Walter-Flügels (um 1800) und ein Schantz-Flügel von etwa 1830 - die Lücke dazwischen soll jetzt geschlossen werden, möglichst mit einem sechsoktavigen Brodmann-Flügel um 1815.

Der Entwicklungsprozess hin zum modernen Konzertflügel hat dessen Vorläufern nicht den besten Leumund beschert. Sie stehen im Ruf vermeintlicher Unvollkommenheit, obwohl dieses Vorurteil, wenn es nach Christoph Hammer ginge, längst aus der Welt sein müsste. Oft gibt er Konzerte, in denen er nacheinander auf dem modernen und dem "historisch korrekten" Instrument spielt, um zu zeigen, wie viele charakteristische Nebentöne und Klangfarben bis weit ins 19. Jahrhundert realisierbar waren - und dann verloren gingen: Schuberts differenzierte Pianissimi etwa hält Hammer auf dem heutigen Klavier für kaum mehr umsetzbar. Sie fallen dem Gedanken des "höher-schneller-weiter" zum Opfer, der mit schuld war an der Entwicklung von robusteren Instrumenten mit möglichst großern Tonvolumen. Viel ist uns dadurch abhanden gekommen an Feinheiten und Eigentümlichkeiten älterer Musik. Was nicht heißen soll, die historische Aufführungspraxis sei die einzig denkbare Wahrheit in Sachen Interpretation; für Christoph Hammer bedeutet "Originalklang" nicht Rechthaberei, sondern die "verantwortungsvolle Annäherung". Zudem vergrößere die Alte-Musik-Bewegung die Chance, eine neue Vielfalt irn Konzertleben zu gewinnen und damit der Tendenz zum "standardisierten Musikapparat" entgegenzusteuern.

Was es dabei an Neuern, aufregend Anderem aufzuspüren gilt, ist nichts weniger als die tatsächliche Absicht des Komponisten. Mit den drei Gattungen musikalischer Quellen, die uns erhalten sind, mit dem Notentext, den originalen Instrumenten und den theoretischen Lehrwerken, lässt sich eine Annäherung versuchen, die größere stilistische Klarheit und einen authentischeren Zugang zum Werk verspricht. Hammer zieht den Vergleich zur Sprache: Wer eine Fremdsprache verstehen und sich darin adäquat ausdrücken will, muss erst deren Grammatik erlernen, ihr Vokabular, muss sich kundig machen, wie die Wörter ausgesprochen werden. Wobei immerhin die Musik, trotz aller Regelhaftigkeit, den größeren Spielraum lässt fürs Individuelle; das wichtigste Prinzip bleibt die Lebendigkeit der jeweiligen Deutung. Christoph Hammer hat nichts dagegen, Haydn-Sonaten mit Vladimir Horowitz oder Andras Schiff zu hören, gespielt auf einem Steinway: "Eine in sich schlüssige Interpretation, mag sie auch von fremden Voraussetzungen ausgehen, überzeugt immer."

Angefangen hat Hammer (Jahrgang1966) auf der Orgel. Durch Zufall ist er bei Bekannten in Osterreich mit historischen Instrumenten in Kontakt gekommen und blieb dabei; er absolvierte Meisterkurse für historische Aufführungspraxis und studierte Musikwissenschaft. Auch das Cembalo, vor allem im Continuo, ist ihm wichtig, doch steht im Mittelpunkt seiner Arbeit die Musik zwischen Vorklassik und Romantik. Hammer ist ein gefragter Begleiter in der Alten-Musik-Szene, konzertiert aber auch mit anderen Partnern, von denen sich lernen lässt, wie jüngst mit Heinrich Schiff. Zudem hat sich Hammer einen Namen gemacht als Leiter der "Neuen Hofkapelle München", hat Orchesterkonzerte und Oper dirigiert, wie zuletzt Händels "Rodrigo" im Prinzregententheater. Für nächstes Jahr, wenn Hammer und die Neue Hofkapelle im Cuvillies-Theater Giovanni Ferrandinis "Catone in Utica" spielen, ist dazu ein Barockfest geplant, das die Opernaufführungen begleiten und ergänzen soll. Die Schlösser- und Seenverwaltung unterstützt dieses Projekt, nur fehlen noch die Geldmittel. Zwar sei Musik "nicht Markt, sondern Leidenschaft", doch opfert Christoph Hammer viel Zeit, um seinem Ensemble Unterstützung zu sichern und Auftritte zu organisieren. Staatliche Förderung zu erhalten ist momentan aussichtslos, obwohl das Publikum für Barockmusik vorhanden wäre. Fernziel bleibt trotzdem, die Neue Hofkapelle zu einem stehenden Barockorchester zu machen, wie man es aus Köln, Freiburg oder Berlin kennt und wie es in Bayern noch fehlt.

In München wäre es längst an der Zeit, eine nicht unbedeutende musikalische Vergangenheit zu würdigen, die nicht nur Wagner oder Strauss aufzuweisen hat, sondern auch einen Orlando di Lasso, und neben ihm noch viele andere Komponisten und Musiker vom 16. bis ins 18. Jahrhundert, die Einfluss hatten auf den Stil ihrer Zeit. Einen Anfang machen könnte die vierteilige Konzertreihe anlässlich der großen Möbelausstellung in der Residenz: Beginnend am Samstag, 7. September, mit Huldigungsmusiken von Pietro Torri an Kurfürst Karl Albrecht (Kaisersaal, 20 Uhr), bringen die Konzerte bis Mitte Dezember Lieder auf Gedichte König Ludwigs I., "Duetti da camera" von Agostino Steffani und Händel sowie Musik von Orlando di Lasso und seinen Kollegen der (alten) Bayerischen Hofkapelle.

(Quelle: Süddeutsche Zeitung, 7./8.9.2002 / Johannes Rubner)

Instrumente - zu Gast in Marthashofen Zum Seitenanfang

Tafelklavier in Form einer liegenden Harfe Zum Seitenanfang

















Johann Matthäus Schmahl mit Vorbehalt zugeschrieben
Ulm, um 1770 - 1780


Sammlung Michael Günther, Schloß Homburg a.M.

Umfang: F1 - g3
durchgehend einsaitig
5 Züge und Transposition
Stoßmechanik mit Einzeltondämpfung

Das Instrument ist nicht signiert, kann aber mit Vorbehalt der Werkstatt des Ulmer Orgel- und Instrumentenmachers Johann Matthäus Schmahl zugeschrieben werden.

Der Ulmer Orgel- und Instrumentenmacher Johann Matthäus Schmahl entstammt einer weitverzweigten Orgel- und Instrumentenmacherfamilie. Er wurde 1734 in Ulm als zweiter Sohn des Orgel- und Instrumentenmachers Georg Friedrich Schmahl geboren und lernte bei ihm sein Handwerk. Er wandte sich hauptsächlich dem „fortepiano“-Bau zu. Er starb 1793 in Ulm und sein Bruder Georg Friedrich führte das Geschäft weiter.

Das Instrument hat eine überaus bedeutende Provenienz. Es war ursprünglich im engsten Freundeskreis der Familie Mozart in München, der Familie von Morawitzky, d.h. Heinrich Theodor Graf von Morawitzky (1735-1810) und seiner Schwester Maria Therese (1751-1826), verheiratet mit Johann Kaspar Graf von La Rosée. Wolfgang Amadeus Mozart sagte in einem Brief vom 27. September 1780 an seinen Vater von ihr: „das ist wohl eine liebenswürdige Dame! Und unsere sehr gute freündin“. Insbesondere bei seinem längeren Münchner Aufenthalt im Zusammenhang mit der Komposition und Aufführung des „Idomeneo“ im Jahr 1780/81 lassen sich intensive Kontakte nachweisen.

Unabhängig von seiner Provenienz handelt es sich um ein köstliches, zauberhaft klingendes Instrument eines sehr originellen und sorgfältig arbeitenden Instrumentenmachers. Es besticht durch seine vordergründige Schlichtheit, hinter der sich im besten „understatement“ ein durchdachtes, kleines Wunderwerk verbirgt.

Musikhistorisch Interessantes Zum Seitenanfang

Carl Cannabich Zum Seitenanfang
Zitiert nach
MGG Musik in Geschichte und Gegenwart, Bärenreiter-Verlag Kassel

Karl Konrad Cannabich * (getauft) 11. Okt. 1771 in Mannheim, † 3. März 1806 in München, fiel durch ausgesprochene Frühreife auf und ließ sich schon mit vier Jahren auf dem Klavier und der Geige hören. Von seinen Lehrern Eck und Grätz wurde er so wesentlich gefördert, dass er schon 1788 unter der Direktion seines Vaters Christian Cannabich als Violinist im Hoftheater-Orchester spielen konnte. Zehn Jahre später wurde er Konzertmeister und im Sommer 1800 erfolgte die Ernennung zum Hof-Musikdirektor. Während eines kurzen Urlaubs im Jahre 1798 wirkte er als Orchesterleiter am Theater in Frankfurt a. M., wo er die Sängerin Woralek heiratete. Er starb 35jährig kinderlos.

Karl Cannabich, dem - wegen ungenauer Schreibweise seines Namens - verschiedene Werke seines Vaters zugeschrieben wurden, war als Komponist nicht so unfruchtbar, wie noch Riemann annahm. Seine Arbeiten stehen schon auf einer anderen stilistischen Ebene als die Christian Cannabichs und zeigen besonders im symphonischen Bereich eine Thematik, die dem Beethovenschen Vorbild nachempfunden ist. Auch die formale Anlage der Instrumentalwerke unterscheidet sich von der Art der zweiten Mannheimer Generation durch ihre Abhängigkeit von den Wiener Klassikern. Im Nachlaß des Frühverstorbenen stehen großgeplante, aber unpersönliche Opern und Konzertwerke neben modisch-spielerischen Klavierstücken und Liedern. Kein einziges dieser Werke überdauerte das kurze Leben seines Verfasssers.

Karl Michael Komma
Carl Frühling Zum Seitenanfang
Auszug aus
Musik in Geschichte und Gegenwart, Band 4

Frühling, Carl, * 28. Nov. 1868 in Lemberg, † 25. Nov. 1937 in Wien. Nach Absolvierung des Untergymnasiums und kurzem Aufenthalt in Rumänien ließ er sich für dauernd in Wien nieder und trat 1887 in das Kons. der Ges. der Musikfreunde ein, um sich bei Anton Door im Kl.-Spiel und bei Franz Krenn in Kp. und .Kompos.-Lehre zu vervollkommnen. Hier bei der Schlußkonkurrenz 1889 mit einem 1. Preis und dem Liszt-Prämium ausgezeichnet, spezialisierte er sich auf die Kl.-Begl. und brachte es darin bald zu Ansehen. Unter den Künstlern, deren Erfolge in Wien und auf Reisen er teilen konnte, finden sich Namen wie Willy Burmester, Bronislav Huberman, Franz Ondricek, Pablo de Sarasate, Tilly Koenen, Lucie Weidt, Leo Slezak und das heitere Udel-Quartett. Daneben wirkte Frühling als Pianist in KaM.-Abenden, als Komp. und Privatmusiklehrer. Als ein Opfer der Inflation nach dem 1. Weltkriege verbrachte er die letzten Lebensjahre in dürftigen Verhältnissen.

Werke.
A. Orchester:
Kl.-Konz. op. 12; Festmarsch op. 23; scenes de Ballet op. 34; Suite f. Streichorch. op. 36; Fantasie f. Fl. u. Orch. op. 55; Heitere Ouv. op. 75; Miniaturen, Suite op. 78; Humoreske op. 87; Watteau, Ballettpantomime o. op., daraus Divertissement; Die Bajadere, Ind.Tanz o. op.

B. Kammermusik:
Son. f. Vc. u. Kl. op. 22; Str.-Qu. Es op. 25; Kl.-Quintett fis op. 30; Kl.-Trio Es op. 32; Kl.-Quartett D op. 35; Trio a f. Kl., Klar. u. Vc. op. 40; Duettino f. 2 Fl. op. 57; Rondo f. Fl. u. Kl. op. 66; 3 Fl.-Stücke rn. Kl. o. op.; Fantasie über schlaraffische Lieder f. StrQu. o. op.

C. Klavier:
Lucie, Mazurka op. 1; La Piquante, Polka française op. 2; 12 Skizzen op. 4; Bon voyage!, Polka française op. 5; Douce Illusion, Walzer op. 8 ; Ombre légère, Walzer op. 9; Voix intérieures, Walzer op. 10; Mazurka brillante op. 11; Serenade op. 13; Pas des Sylphides, Walzer op. 14; Cinq pièces op. 15-19; 3 Kl.-Stücke op. 21; Konzertwalzer op. 24; 2 Kl.-Stücke op. 37; Maritime Ballettmusik, 7 Tänze o. op.

D. Größere Vokalwerke:
Große Messe G op. 6; Das Märchen vom Glück (E. Reiter), Schauspielmusik op. 38; Kant. (A. Silesius) f. Soli, gemCh. u. Org. op. 54; Lied der Eintagsfliegen (C. Schneller) f. FrCh. rn. Kl. vierhd. op. 63; Das hohe Lied (R. Lothar), Festspielmusik o. op.

E. Gemischte Chöre unbegl.:
Die Königstochter op. 7; Drei Sinnsprüche (Assim Agha) op. 62; 2 Lieder im Volkston op. 68; "Matt gießt der Mond" op. 74; 2 gemCh. op. 77; 3 gemCh. op. 89; 2 gemCh. op. 91; Wanderlied op. 93; 2 Herbstlieder op. 102

F. Männerchöre unbegl.:
Am Strome op. 67; Brudergruß op. 73; jc 2 MCh. op. 80, 83, 86, 106

G. Lieder
a) mit Orch.:
Der Landsturm (M. Marton) op. 39; 3 Gesänge nach altjapan. Gedichten op. 47; Gesang Buddhas f. Bar. u. Blasorch. op. 59; 2 Gesänge f. T. u. Orch. op. 70; 5 Lieder op. 88

b) mit Kl.:
op. 3, 20, 26,27,28,29,31, 33,41,42,43, 44, 46, 48, 49, 52 (mit Fl.), 53, 56, 58, 61, 65, 69, 71, 72, 76, 79, 81 82, 84, 85, 90, 92, 94, 95, 96, 97, 100, 101, 103,104, 105, 107

c) mit Lt. :
25 Lieder op. 51

H. Melodramen
a) mit Orch.:
König Abels Tod (D. v. Liliencron) op. 45; Der Tod des Pharao (C. Schneller) m. FrCh. op. 50; Die zwölf Franzosen (R. K. Materna.) op. 64; Philipp der Schöne (M. v. Putthammer) op. 98; Festprologsmusik (J. Eichinger) o. op.

b) mit Kl.:
La Legende du Martin-pecheur (R. Gerard) op. 60

Davon im Druck ersch.:
Kl.-Stücke op. 1, 2, 5, 8, 9, 10, 11, 13, 14: bei C. Gebauer, Bukarest;
Konzertwalzer op. 24 bei A. Rosé, Wien um 1890;
Lieder op. 26, 27, 28, 29, 31, 33 u. Kl.A. Watteau bei J. Eberle (später UE), Wien um 1900;
Quintett op. 30 (1893) u. Trio op. 40 bei F. E. C. Leuckart, Lpz.;
ferner verschiedene Opernfantasien f. Kl. bei UE, 1911-1914.

Frühlings Werke blieben großenteils Ms. und fanden dementsprechend wenig Verbreitung. Die ersten Kl.-Stücke sind Tribute an die Salonmusik. Ihnen folgen KaM.-Werke zumeist mit Kl., die im Quintett op. 30 gipfeln und ein sehr beachtenswertes Können, wenn auch kein "Originalgenie" offenbaren. Sein Bestes gab Frühling im Liede. Hier vertonte er mit Feingefühl Gedichte von Th. Storm, F. v. Saar, Chr. Morgenstern, 0. J. Bierbaum, J. P. Jacobsen, Anna Ritter, bevorzugte aber Texte eines ihm adäquaten Wiener Kreises (Carl Schneller, Max Roden, August Eigner, Rudolf List). Durchaus echt empfunden, verraten diese kleinen Stimmungsbilder ein liebenswürdiges Naturell von vorwiegend lyrischer Haltung, das wohl gelegentlich eines feinen Humors, nicht aber stärkerer Leidenschaft fähig ist. Im ganzen verharrte Frühling als romantischer Eklektiker auf dem Boden des 19. Jh. und teilt so das Schicksal vieler Kleinmeister seiner Zeit, sich selbst überlebt zu haben.

Fritz Racek

Paul Klengel Zum Seitenanfang
*13.Mai 1854 in Leipzig, †24.April 1935 in Leipzig

Er studierte 1868-1872 am Konservatorium seiner Heimatstadt. 1873 trat er als Geiger in das Gewandhausorchester ein. 1876 promovierte er über "Zur Ästhetik der Tonkunst". Seit 1874 konzertierte er als Solist, häufig zusammen mit seinem Bruder Julius Klengel. 1881 übernahm er die Leitung der Leipziger Konzertgesellschaft Euterpe. 1887 ging er als Musikdirektor an das Stuttgarter Hoftheater. 1898 wurde er Dirigent des Deutschen Liederkranzes in New York, der damals größten Chorvereinigung Amerikas. 1902 kehrte er nach Leipzig zurück, wo er in verschiedenen Aufgaben als Chordirigent, Komponist, Herausgeber und Bearbeiter älterer Musik sowie als Lehrer am Konservatorium tätig war. 1908 zum Professor ernannt, trat er 1934 achtzigjährig in den Ruhestand.

In seinem vielseitigen Wirken hat Paul Klengel als Pädagoge und Chorleiter Hervorragendes geleistet. Mit seinen sorgfältigen Ausgaben und Bearbeitungen hat er zahlreiche Werke der älteren Musik für die Praxis erschlossen.

(Auszug aus: Musik in Geschichte und Gegenwart, Bärenreiter, Kassel 1958)
Dimitrij Schostakowitsch Zum Seitenanfang
Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch


* 25. September 1906 in St. Petersburg
† 9.August 1975 in Moskau
Vater: Ingenieur - Mutter: Pianistin


1919-1925 Studium am Leningrader Konservatorium
1927 Ehrendiplom beim 1.Internationalen Chopin-Wettbewerb Warschau
1937-1941 Lehrtätigkeit in Leningrad
1943-1948 Lehrtätigkeit in Moskau
seit 1958 in Moskau freischaffend

Hauptwerke
Opern (u.a. "Die Nase", 1930 und "Lady Macbeth von Mzensk", 1934)
Bühnen- und Filmmusiken
3 Ballette
Chorwerke
15 Symphonien
Klavierwerke
Kammermusikwerke